09.08.2006 · Der prominente amerikanische Senator der Demokraten Lieberman hat eine schwere Niederlage erlitten: Er verlor bei den Vorwahlen für die Kongreßwahl gegen den politisch weitgehend unbekannten Lamont. Lieberman wurde die Unterstützung für Bushs Irak-Politik zum Verhängnis.
Der prominente demokratische amerikanische Senator Joseph Lieberman hat am Dienstag eine schwere Niederlage erlitten. Er verlor bei den Vorwahlen, der parteiinternen Kandidatenkür für die Senatswahl am 7. November, in seinem Heimatstaat Connecticut mit knappem Ergebnis gegen den zuvor politisch weitgehend unbekannten Multimillionär Ned Lamont. Während Lieberman ein vehementer Befürworter des Irak-Kriegs ist, setzt sich Lamont für einen amerikanischen Truppenabzug ein.
Nach drei Amtszeiten und insgesamt 18 Jahren wird Lieberman damit nicht mehr für die Demokraten in den Senat zurückkehren. Er gestand seine Niederlage ein und kündigte an, bei der Kongreßwahl als unabhängiger Kandidat anzutreten. Er werde immer seinem Gewissen folgen und tun, was in seinen Augen für die Nation das Richtige sei, sagte Lieberman vor Anhängern. Es sei ihm egal, welche politischen Konsequenzen das für ihn habe.
Verhängnisvoller Wangenkuß
Der Ausgang des Zweikampfes zwischen dem 52 Jahre alten Lamont und dem 64 Jahre alten Lieberman, der lange Zeit zu den am meisten respektierten demokratischen Politikern zählte, war wegen der möglichen Signalwirkung für die Kongreß- und die Präsidentenwahl 2008 mit größter Spannung erwartet worden. Nun unterlag Lieberman Lamont mit 48 zu 52 Prozent der Stimmen.
Beobachter werten den „Sturz“ Liebermans als Strafe der Parteibasis für die Unterstützung der Irak-Politik von Präsident George W. Bush. Er könnte auch eine Warnung an andere demokratische Kriegsunterstützer wie etwa die Senatorin Hillary Clinton sein, die als mögliche Bewerberin um das Präsidentenamt gilt. Im Vorwahlkampf hatten Liebermans Kritiker wiederholt die Videoaufzeichnung einer Szene vorgespielt, die sich nach Bushs Bericht zur Lage der Nation 2005 im Kongreß ereignete. Damals hatte Bush Lieberman beim Verlassen des Saales auf die Wange geküßt.
Lieberman gilt außenpolitisch als Falke, er unterstützte aktiv den Golfkrieg und forderte schon damals die Entmachtung des irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Später befürwortete er die Entsendung amerikanischer Truppen ins ehemalige Jugoslawien sowie die Nato-Osterweiterung. Innenpolitisch setzt sich Lieberman für die Rechte von Homosexuellen sowie den Schutz der Bürgerrechte ein. Frauen gesteht er das Recht auf Abtreibung zu. Er war im Jahr 2000 der erste Jude, der als Vizepräsident kandidierte.
in den wahlen, Wissen ist unwichtig, Aussehen ist wichtiger
Nice Day (rajabi)
- 09.08.2006, 13:51 Uhr