Home
http://www.faz.net/-gpf-758xx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vereinigte Staaten Obama nominiert Kerry als Außenminister

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat den 69 Jahre alten demokratischen Senator John Kerry am Freitagabend zum Nachfolger von Hillary Clinton nominiert.

© REUTERS Vergrößern Nach der Nominierung: Barack Obama und John Kerry

Präsident Barack Obama hat den langjährigen Senator John Kerry (69) für das Amt des Außenministers nominiert. Kerry sei außerordentlich qualifiziert für diesen Posten, sagte Obama am Freitag im Weißen Haus. „Er hat seit 30 Jahren bei allen wichtigen außenpolitischen Entscheidungen eine größere Rolle gespielt.“ Der ehemalige demokratische Präsidentschafskandidat und Vorsitzende des Auswärtigen Senatsausschusses soll die Nachfolge von Hillary Clinton antreten, die im Januar auf eigenen Wunsch ausscheidet. Der Senat muss die Berufung noch bestätigen, aber es gilt als sicher, dass er grünes Licht gibt.

Obama nannte Kerry eine „perfekte“ Wahl. „Sein ganzes Leben hat ihn auf diese Aufgabe vorbereitet“, sagte der Präsident mit dem studierten Politikwissenschaftler an seiner Seite. In seinen langen Jahren als Senator habe sich Kerry mit seiner großen außenpolitischen Erfahrung den Respekt von politischen Führungspersönlichkeiten in aller Welt erworben. Als Vietnamkriegsveteran sei er sich auch dessen bewusst, dass die militärische Macht der Vereinigten Staaten „weise eingesetzt werden muss“.

Freunde unter den republikanischen Senatoren

Hillary Clinton kuriert zurzeit eine Gehirnerschütterung aus und war daher bei der Bekanntgabe der Nominierung nicht an Obamas Seite. Er habe aber mit ihr gesprochen, sagte der Präsident. Sie sei guter Stimmung „und könnte nicht begeisterter“ über seine Entscheidung für Kerry sein. Obama würdigte zugleich Clintons „hervorragende“ Leistung als Ministerin, ihre „unermüdliche Arbeit“.

Die Entscheidung für Kerry überraschte in Washington nicht. Er galt als Favorit, nachdem Obamas erste Wahl, die UN-Botschafterin Susan Rice, die wegen ihrer Aussagen nach dem Terroranschlag auf das amerikanischen Konsulat in Benghasi in Libyen ihren Verzicht auf das Amt bekanntgegeben hatte. Die Republikaner im Senat hatten deutlich gemacht, dass sie Rice im Bestätigungsverfahren ablehnen würden. Kerry genießt dagegen nicht nur das Vertrauen der Obama-Regierung. Er hat auch viele Freunde unter den republikanischen Senatoren. Dazu zählt John McCain aus Arizona.

„Es wird im Bestätigungsverfahren einige kritische Fragen an ihn geben, aber alles glatt laufen“, sagte ein außenpolitischer Experte dem Sender CNN.

Herausforderungen der amerikanischen Außenpolitik

Die Besetzung des Außenamts ist eine der wichtigsten Personalentscheidungen für Obama nach seiner Wiederwahl im November. Er braucht außerdem einen neuen Verteidigungsminister und muss sich auch nach einem Finanzminister und Chef des Geheimdienstes CIA umsehen. Als Kandidat für die Nachfolge des derzeitigen Pentagonchefs Leon Panetta gilt der frühere republikanische Senator Chuck Hagel (66).

Sowohl Kerry als auch Hagel gelten in außenpolitischen Fragen als ähnlich pragmatisch wie Obama. Zu den schwierigsten Aufgaben dürften die Frage eines Militäreinsatzes in Syrien, der künftige Iran-Kurs sowie die Abwicklung des amerikanischen Truppenabzugs aus dem weiterhin instabilen Afghanistan zählen. Zudem steht Amerikas Haltung im Nahen Osten sowie gegenüber China auf dem Prüfstand.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streit über Atomprogramm Weg frei für Washingtons Verhandlungen mit Teheran

Die amerikanische Regierung hat sich dem Druck des Kongress gebeugt: Das Parlament darf das Abkommen über das iranische Atomprogramm prüfen. Damit sei nun der Weg frei für Verhandlungen mit Teheran, sagte Außenminister John Kerry. Mehr

15.04.2015, 11:20 Uhr | Politik
Barack Obama Hillary Clinton wäre eine hervorragende Präsidentin

Die ehemalige Außenministerin der Vereinigten Staaten, Hillary Clinton, hat Rückendeckung vom amtierenden amerikanischen Präsidenten Barack Obama erhalten. Es wird erwartet, dass Clinton im Laufe des Tages offiziell ihre zweite Präsidenschafts-Kandidatur für die Demokraten verkündet, um als erste Frau an die Staatsspitze zu rücken. Mehr

12.04.2015, 12:17 Uhr | Politik
Präsidentschaftskandidatur Obama wirbt für Clinton

Hillary Clinton wäre eine ausgezeichnete Präsidentin, sagt Barack Obama wenige Stunden vor der erwarteten Verkündung ihrer Kandidatur. Die Republikaner sehen das anders: Sie stehen unmittelbar vor dem Start ihrer Stoppt Hillary-Kampagne. Mehr

12.04.2015, 06:34 Uhr | Aktuell
Vereinigte Staaten Obamas Verteidigungsminister tritt zurück

Charles Timothy Chuck Hagel tritt überraschend von seinem Amt zurück. Der amerikanische Präsident Barack Obama nahm das Rücktrittsgesuch seines seit Februar 2013 amtierenden Verteidigungsministers an. Mehr

26.11.2014, 09:23 Uhr | Politik
Präsidentschaftswahl Die anderen müssen kämpfen

Stop Hillary, rufen die Republikaner. Doch die Aufmerksamkeit gehört der Demokratin, die sich nach Iowa kutschieren lässt, während der nächste Konservative an den Start geht. Mehr Von Andreas Ross, Washington

13.04.2015, 20:41 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.12.2012, 17:41 Uhr

Operation Massengrab

Von Reinhard Müller

Die EU scheitert nicht nur an einer gerechten Verteilung der ankommenden Flüchtlinge. Sie ist auch nicht in der Lage, vor ihren Küsten Menschen zu retten. Die eingestellte Marine-Aktion „Mare Nostrum“ droht zur Operation „Massengrab“ zu werden. Mehr 13 5