17.04.2007 · Die Demokraten haben gleich zwei charismatische Kandidaten für das Amt des amerikanischen Präsidenten. Die Republikaner dagegen suchen noch; an den Bewerbern Giuliani, McCain und Romney haften Zweifel. Katja Gelinsky berichtet aus Washington.
Von Katja Gelinsky, WashingtonDie amerikanischen Demokraten haben ihre beiden Starkandidaten Hillary Clinton und Barack Obama. „Für wen soll ich bloß stimmen: Für die erste Frau im Weißen Haus? Oder für den ersten schwarzen amerikanischen Präsidenten? Wir haben dieses Mal einfach zu viele gute Kandidaten“, seufzte kürzlich eine junge Wählerin vom linken Flügel.
„Solche Sorgen möchten wir haben“, schnauben republikanische Wahlstrategen. Denn im Lager der Konservativen herrschen derzeit keine Frühlingsgefühle; die Stimmung ist eher herbstlich-grau. Der Krieg im Irak, Bushs Politik überhaupt, die Skandale in Regierung und Kongress, der Verlust der Mehrheit ebendort und die fiebrige Erwartung der amerikanischen Linken, 2008 das Weiße Haus zurückzuerobern - das alles verdüstert die Stimmung in der „Grand Old Party“.
Etwa ein Dutzend Republikaner wollen ins Weiße Haus
Dabei herrscht dort wahrlich kein Mangel an erklärten oder potentiellen Anwärtern auf das Präsidentenamt, die eine Wende zum Besseren versprechen. Etwa ein Dutzend Republikaner wollen ins Weiße Haus einziehen oder liebäugeln mit einer Kandidatur.
Auch ist die Schar so vielfältig, dass eigentlich für jeden Geschmack ein Kandidat dabei sein sollte: Da ist der frühere New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani, der „Bürgermeister Amerikas“, wie er wegen seines zupackenden Einsatzes nach dem 11. September 2001 genannt wird. John McCain bewirbt sich, der gemäßigt-konservative Senator aus Arizona, der seit Jahren eine prominente Rolle in der amerikanischen Politik spielt. Außerdem greifen noch einige weniger bekannte republikanische Kongressmitglieder nach dem Präsidentenamt.
Schließlich versprechen amtierende oder frühere republikanische Gouverneure, dass sie mit dem Einzug ins Weiße Haus frischen Wind nach Washington bringen würden: Gouverneur Mike Huckabee aus Arkansas und Tommy Thompson, der ehemalige Gouverneur von Wisconsin und Bundesgesundheitsminister aus Bushs erster Amtszeit. Als Favorit unter den (ehemaligen) Gouverneuren gilt jedoch Mitt Romney. Beim Sammeln von Wahlkampfspenden ist er aus der ersten Runde mit mehr als 20 Millionen Dollar überraschend als Sieger der republikanischen Prätendenten hervorgegangen.
Sorgen um die christliche Rechte
Dass die Stimmung im linken Lager besser ist als auf der Gegenseite, spiegelt sich auch in Umfragen wider: 90 Prozent der registrierten demokratischen Wähler sind überzeugt, dass der nächste Präsident aus ihren Reihen stammen wird; bei den Republikanern wagen nur 45 Prozent die Prognose, dass es ihrer Partei gelingen wird, das Weiße Haus zu halten.
Sorge bereitet republikanischen Wahlkampfstrategen unter anderem, dass die christliche Rechte, die Bush ins Weiße Haus geholfen hat, sich nicht so recht für einen der erklärten Präsidentschaftsbewerber begeistern kann. Dabei gibt es mit dem ehemaligen Baptistenprediger Huckabee und Senator Sam Brownback zwei gottesfürchtige, erzkonservative Kandidaten, die seit langem gegen Abtreibung und Eheschließungen von Homosexuellen fechten. Aber selbst in Umfragen unter konservativen Wählern erreichen Huckabee und Brownback nur Zustimmungswerte von einem Prozent.
„Highschool sweetheart“
Favorit unter den republikanischen Bewerbern ist nach Meinungsumfragen ganz klar Rudy Giuliani. Er hat zweifellos Charisma und weiß seinen ruppigen Charme geschickt einzusetzen. Aber selbst Optimisten bezweifeln, dass die Partei für einen Kandidaten bereit ist, der nach hässlichen Auseinandersetzungen inzwischen zum dritten Mal verheiratet ist, der ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch befürwortet und ziemlich tolerant gegenüber Homosexuellen ist. Außerdem gibt es Episoden in Giulianis Vergangenheit, die seinen Gegnern noch reichlich Gelegenheit bieten werden, ihm die erforderliche Charakterstärke für das begehrte Amt abzusprechen.
Dagegen dürfte es schwerfallen, das moralische Schwert gegen Mitt Romney zu zücken: Der frühere Gouverneur von Massachusetts ist seit Jahrzehnten mit seinem „Highschool sweetheart“ Ann verheiratet. Romney trinkt nicht, raucht nicht und „wird nie laut“, wie seine Frau versichert.
Allerdings ist der perfekte Familienvater, erfolgreiche Geschäftsmann und ehemalige Gouverneur nicht nur Evangelikalen wegen seiner Religion suspekt. Romney ist Mormone, und nach Umfragen möchten bis zu 40 Prozent der Amerikaner nicht, dass ein Mitglied der Mormonenkirche ins Weiße Haus einzieht. Außerdem hat Romney gegen den Ruf zu kämpfen, in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen wie Abtreibung, Stammzellforschung und Homosexuellenrechte ein Wendehals zu sein. Auch deshalb beobachtet die christliche Rechte sein intensives Werben mit einiger Zurückhaltung.
Die Last der Irak-Politik
Imageprobleme freilich hat selbst der alte Hase McCain. Gemäßigte Konservative, die ihn als Querdenker und Reformer schätzen, murren, diese Qualitäten seien im bisherigen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur kaum hervorgetreten. (Siehe auch: Portrait John McCain: Zweiter Anlauf) Stattdessen macht McCain vor allem als energischer Verteidiger von Bushs Irak-Politik von sich reden. Zwar warnen auch seine beiden Hauptrivalen Giuliani und Romney, dass ein Zeitplan für einen Rückzug aus dem Irak, wie ihn die Demokraten fordern, katastrophale Folgen hätte.
Aber bei keinem republikanischen Bewerber spielt das heikle Thema Irak eine derart prominente - viele sagen auch wahlentscheidende - Rolle wie bei dem Vietnamveteranen McCain. Von der Mehrheit der amerikanischen Konservativen wird der Krieg im Irak zwar nach wie vor unterstützt. Aber McCains vehementer Einsatz für eine unbefristete Fortsetzung des verlustreichen und kostspieligen Kampfes könnte ihn Sympathien von Unabhängigen kosten, die seine Bewerbung um das Präsidentenamt im Jahr 2000 stark unterstützten.
Schon wird spekuliert, ob McCains neuerlicher Anlauf auf das Weiße Haus bereits vom Scheitern bedroht ist, bevor das Rennen offiziell begonnen hat. Denn in Umfragen bekommt McCain nicht einmal halb so gute Zustimmungswerte wie Giuliani. Auch beim Spendensammeln schnitt der Senator, der doch langjährige Kontakte hat, überraschend schlecht ab.
Mehr Zuschauer als Wähler
Da ist es ein schwacher Trost, dass sich der Unmut konservativer Aktivisten auch auf McCains Rivalen Giuliani und Romney erstreckt. Auf dem Jahrestreffen, der „Conservative Political Action Conference“ trugen einige Delegierte Anstecknadeln mit dem Namenszug „Rudy McRomney“, der rot eingekreist und dick durchgestrichen war.
Auf dem rechten Parteiflügel wartet man sehnsüchtig auf einen Kandidaten vom Format Ronald Reagans. Davon profitiert ein Mann, von dem noch gar nicht gewiss ist, ob er kandidieren wird: der frühere republikanische Senator und Schauspieler Fred Thompson, der in der Erfolgsserie „Law & Order“ den Bezirksstaatsanwalt Arthur Branch gibt.
Seit Thompson Mitte März in einem Fernsehinterview äußerte, er denke über eine Kandidatur für das Präsidentenamt nach, ist sein Name in Meinungsumfragen an zweiter oder dritter Stelle auf der Liste der republikanischen Wunschkandidaten zu finden. Dafür gibt es allerdings auch eine Erklärung, die weder Thompson noch dem amerikanischen Wähler schmeichelt: Jede Woche sehen den Schauspieler mehr Menschen im Fernsehen, als Amerikaner ihr Kreuzchen machen, wenn am „Super-Duper Tuesday“, am 5. Februar 2008, in mehr als zwanzig Bundesstaaten Vorwahlen stattfinden.