10.08.2004 · Der republikanische Abgeordnete Porter Goss soll den Geheimdienst leiten. Die Demokraten kritisierten die Entscheidung: Goss sei zu „politisch“ und habe eine „zu große Nähe“ zu den Geheimdiensten.
Der amerikanische Präsident George W. Bush hat am Dienstag den republikanischen Abgeordneten Porter Goss als neuen Direktor des Geheimdienstes CIA nominiert. Der 65 Jahre alte Goss, der vom Senat in seiner Position bestätigt werden muß, ist seit acht Jahren Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des amerikanischen Abgeordnetenhauses und arbeitete früher als Geheimagent der CIA.
Goss soll Nachfolger von George Tenet werden, der nach heftiger Kritik an seiner Arbeit im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zurückgetreten war.
Kritik der Demokraten
Die oppositionellen Demokraten äußerten in ersten Reaktionen starke Vorbehalte gegen Goss. Er sei zu „politisch“ und habe eine „zu große Nähe“ zu den Geheimdiensten, zitierte der Sender CNN mehrere Abgeordnete und Senatoren der Demokraten.
Bush nannte Goss bei einem gemeinsamen Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses einen „fähigen Mann“, der die CIA in- und auswendig kenne. „Er ist die richtige Führungspersönlichkeit in dieser kritischen Zeit in der Geschichte unserer Nation“, sagte der Präsident mit Blick auf die andauernde Terrorbedrohung und anstehende Reform der amerikanischen Geheimdienste als Konsequenz aus den Fehlern und Pannen vor dem 11. September.
Goss kündigte an, daß er als CIA-Direktor verstärkt auf den Einsatz von Menschen statt Technik setzen werde. Das ist eine der Empfehlungen der Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 11. September, die vor kurzem ihren Abschlußbericht vorgelegt hatte und auf eine umfassende Neuordnung der Geheimdienste dringt.
CIA soll ihren Etat weiterhin selbst kontrollieren
Bush hatte in der vergangenen Woche mehrere der Empfehlungen der Kommission unterstützt, darunter die Einsetzung eines nationalen Geheimdienstdirektors, der die Arbeit aller 15 Geheimdienstbehörden - darunter auch die der CIA - koordinieren soll. Im Gegensatz zum Untersuchungsausschuß will Bush der CIA aber weiter die Kontrolle über ihren eigenen Etat überlassen. Damit würde eine erhebliche Schwächung der Position des CIA-Direktors vermieden.
Goss studierte an der renommierten Yale-Universität, arbeitete dann zunächst für einen militärischen Geheimdienst und anschließend etwa zehn Jahre lang als Geheimagent für die CIA. Einzelheiten seiner Tätigkeit sind nicht bekannt, aber wie verlautet, soll Goss unter anderem in Europa eingesetzt gewesen sein. Nach einer lebensgefährlichen Infektion ging er Anfang der siebziger Jahre in Pension, um dann eine politische Karriere zu beginnen. 1988 bewarb sich Goss, der seit 30 Jahren in Florida lebt, mit Erfolg um einen Sitz im Abgeordnetenhaus, den er nunmehr seit 16 Jahren innehat.