http://www.faz.net/-gpf-90wbj

Venezuela : Staatsanwältin Ortega flieht vor Maduro

  • Aktualisiert am

Die abgesetzte Generalstaatsanwältin Venezuelas, Luisa Ortega Bild: dpa

Die abgesetzte Generalstaatsanwältin Venezuelas, Luisa Ortega, hat sich mit ihrem Ehemann nach Kolumbien abgesetzt. Sie will über Informationen verfügen, die Staatschef Maduro noch gefährlich werden könnten.

          Die nach einem wochenlangen Machtkampf mit Venezuelas Präsident Nicolás Maduro abgesetzte Generalstaatsanwältin Luisa Ortega ist trotz eines Ausreiseverbots nach Kolumbien geflohen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Abgeordneten Germán Ferrer, landete sie in der Hauptstadt Bogotá, wie die kolumbianische Einwanderungsbehörde am Freitag mitteilte.

          Ortega war zunächst per Boot auf die Karibikinsel Aruba übergesetzt und von dort in einem Privatflugzeug nach Kolumbien geflogen. Begleitet wurde das Ehepaar von einer Mitarbeiterin Ortegas und dem früheren Anti-Korruptions-Anwalt Arturo Vilar. Ortega wirft Maduro vor, Venezuela zu einer Diktatur umzubauen. Auf Betreiben des Staatschefs war sie abgesetzt worden, Geheimdienstagenten durchsuchten ihre Wohnung. Ihr Ehemann Ferrer wird beschuldigt, an der Spitze eines Korruptionsnetzwerks zu stehen und Geld auf Konten im Ausland geparkt zu haben. Der neue Generalstaatsanwalt Tarek William Saab forderte seine Festnahme.

          Ortega macht Maduro schwere Vorwürfe

          Lange Zeit gehörte Ortega selbst zur Nomenklatur im sozialistischen Venezuela und trug die Regierungspolitik mit. Sie brach erst mit Maduro, als der Oberste Gerichtshof im März dem von der Opposition dominierten Parlament vorübergehend wichtige Kompetenzen entzog. Als der Präsident eine Verfassungsgebende Versammlung bilden und die Abgeordneten endgültig entmachten ließ, überwarf sie sich vollends mit der Regierung.

          Ortega wirft Maduro vor, das Erbe des gestorbenen Präsidenten Hugo Chávez zu beschmutzen, der in Venezuela und über die Landesgrenzen hinaus noch immer von vielen Menschen verehrt wird. Maduro hingegen sieht in der rebellischen Staatsanwältin eine Verräterin. Die Verfassungsversammlung erklärte sie zur „Staatsfeindin Nummer eins“, fror ihre Konten ein und verbot ihr, das Land zu verlassen.

          Darüber hat sich Ortega nun hinweggesetzt, offenbar fühlte sie sich in Venezuela nicht mehr sicher. Maduro könnte sie auch aus der Ferne noch gefährlich werden. In einer Grußbotschaft an eine Konferenz von Staatsanwälten in Mexiko warf sie dem Präsidenten vor, Schmiergeld des brasilianischen Konzerns Odebrecht angenommen zu haben. „Wir verfügen über die Details der Zusammenarbeit, die Beträge und die Personen, die sich bereichert haben“, sagte sie. „Die Ermittlung betrifft auch Nicolás Maduro.“

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Das Parlament übertrumpft May Video-Seite öffnen

          Brexit-Veto : Das Parlament übertrumpft May

          Die britischen Abgeordneten werden beim endgültigen Austritt aus der Europäischen Union das letzte Wort haben. Dafür stimmten im Parlament am Mittwoch nicht nur die Mitglieder der Opposition.

          Gespräche über Gespräche Video-Seite öffnen

          Regierungsbildung : Gespräche über Gespräche

          Die Spitzen von Union und SPD haben sich am Mittwochabend über mögliche Sondierungsgespräche beraten. CDU und CSU wollen diese, die SPD wartet ab.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Was, wenn der „worst case“ eintritt? In der City of London stellen sich die Banker auf alles ein.

          Europas Finanzzentrum : Wie Londons Banken den Schmalspur-Brexit planen

          Die Manager in Europas größtem Finanzzentrum fürchten zwar den EU-Austritt Großbritanniens, doch die Folgen für die Banken in London bleiben vorerst überschaubar. Fällt der „Brexodus“ gar gänzlich aus?

          Nach Spitzentreffen mit Union : Schlingernde Sozialdemokraten

          Während die Union nach dem Gespräch der Chefs von CDU, CSU und SPD endlich über eine große Koalition sprechen will, halten sich die Sozialdemokraten bedeckt und schieben Entscheidungen weiter auf. Für ziemlich falsch hält das indes eine anderen Partei.

          Amerikas Präsident unter Druck : Immer Ärger mit Donald

          Eigentlich sollte es eine Woche der Triumphe werden – doch dann ging die Alabama-Wahl schief und Donald Trump hat mal wieder Ärger an allen Fronten. Immerhin ein Projekt des amerikanischen Präsidenten steht kurz vor der Vollendung.
          Sandra Maischberger und ihre Gäste in der Jahresrückblick-Sendung am Mittwochabend.

          TV-Kritik: Sandra Maischberger : Nur nicht einschüchtern lassen

          Das Jahr 2017 kann wohl nicht so schlimm gewesen sein – jedenfalls wenn Olivia Jones und Sophia Thomalla darüber Auskunft geben dürfen. Wenigstens gilt das für Deutschland. In der Türkei sieht das anders aus. Droht Günter Wallraff dort die Verhaftung?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.