16.05.2005 · Usbekistan - das war vor Jahren noch ein fernes Land aus Tausendundeiner Nacht, mit malerischen Moscheen und Medressen in Chiwa, Buchara und Samarkand. Doch es kam der 11. September, westliche Soldaten wurden dort, an der Grenze ...
Von Oliver HoischenUsbekistan - das war vor Jahren noch ein fernes Land aus Tausendundeiner Nacht, mit malerischen Moscheen und Medressen in Chiwa, Buchara und Samarkand.
Doch es kam der 11. September, westliche Soldaten wurden dort, an der Grenze zu Afghanistan, als Bollwerk gegen den Terror stationiert, amerikanische vor allem, aber auch deutsche. 305 sind es an diesem Pfingstwochenende, und Verteidigungsminister Struck (SPD) beeilte sich am Samstag mitzuteilen, daß für sie keine Gefahr bestehe, schließlich stünden sie 900 Kilometer von dem Unruheherd Andischan entfernt. Aber was ist, wenn die Aufstände auf andere Regionen übergreifen? Wie sollen sich die Deutschen verhalten, wenn es vor ihrer Kaserne zu Gewalt kommt?
Karimow erntet die Gewalt, die er säte
Der autoritär regierende Herrscher Karimow erntet nun die Gewalt, die er seit Jahren gesät hat. Nachrichten über Selbstmordattentate, Demonstrationen und darauf folgende Polizeiwillkür hat es aus Usbekistan zwar schon früher gegeben, doch nie ist so viel Blut geflossen wie jetzt in Andischan. Längst hat der Westen einsehen müssen, daß es mit der gewünschten Stabilität nicht weit her ist; Finanzhilfen wurden heruntergefahren, Investoren zogen sich zurück. Karimow war gewarnt - und wandte sich beleidigt Moskau zu.
Doch da war immer das Gespenst des sich ausbreitenden Islamismus, mit dem der usbekische Diktator seine Freunde im Westen bei der Stange zu halten suchte. Tatsächlich schien die wachsende Armut viele gerade im dichtbesiedelten Fergana-Tal in die Hände der religiösen Rattenfänger zu treiben. Nun dürfte Karimow aber überzogen haben: Keiner kann mehr leugnen, daß auch in Usbekistan die Freiheit auf dem Vormarsch ist wie zuvor in Georgien, der Ukraine und Kirgistan - und das gefällt Washington immer besser, sogar auf die Gefahr hin, daß sie von islamistischen Trittbrettfahrern mißbraucht wird.