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Veröffentlicht: 13.06.2017, 11:10 Uhr

Stone interviewt Putin Kumpeln im Zentrum der Macht

Der amerikanische Regisseur Oliver Stone hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin interviewt. Das Ergebnis zeigt einen Eishockey spielenden Macho, den sein Interviewer erfolgreich bei Laune halten kann.

von Frauke Steffens, New York
© Showtime / Screenshot F.A.Z. Besuch bei guten Freunden: Regisseur Oliver Stone und der russische Präsident Wladimir Putin

Donald Trump bekommt Unterstützung von unerwarteter Seite: „Mehr Rauch als Feuer“ sei die ganze Russland -Affäre, sagte Regisseur Oliver Stone der BBC. Stone, eigentlich nicht für seine Nähe zur amerikanischen Regierung bekannt, traf den russischen Präsidenten Wladimir Putin für mehrere Interviews und machte einen Film daraus. In Washington wurden die Interviews eigentlich mit Spannung erwartet – vielleicht gebe es ja Hinweise auf eine mögliche Verbindung zwischen den Russen und Trumps Wahlkampf? Aber Stone hat sich schon festgelegt: die Russen wollen den Vereinigten Staaten nichts Böses: „Putin hat die ganze Zeit von den Vereinigten Staaten als Partner gesprochen, ich habe kein böses Wort gehört“, sagte der Regisseur.

Wenn sich einer der beiden mächtigsten Männer der Welt an mehreren Tagen Zeit für Interviews nimmt, ist das eigentlich eine große Chance. Zwischen Juli 2015 und Februar 2017 traf sich Wladimir Putin immer wieder mit Stone – in Konferenzräumen, im Kreml, im Garten, im Flugzeug und im Eishockey-Stadion. Der russische Präsident und der Amerikaner verstanden sich sichtlich gut. Dafür zu sorgen, dass das Gegenüber sich wohl fühlt, kann eine Erfolg versprechende Interviewstrategie sein – wenn der Interviewer trotzdem die kritischen, unangenehmen Fragen stellt. Oliver Stone, Regisseur von Filmen wie „Platoon“ und „Snowden“, ist ein Kritiker der amerikanischen Regierung – leider hat ihn das im Umgang mit Wladimir Putin dazu verführt, an manchen Stellen zu wenig nachzuhaken.

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Gleich zu Beginn des Films werden Fernsehclips zu den Hacker-Angriffen auf die Demokratische Partei in den Vereinigten Staaten gezeigt. Putin, sagt eine Sprecherin aus dem Off, sei direkt involviert in die Cyberattacken. Gegenschnitt zum späteren amerikanischen Präsidenten Trump, der gefragt wird: „Respektieren Sie Putin?“ „Ich respektiere ihn“, sagt Trump, und: „He's a killer.“ Es gebe doch auch viele Mörder in den Vereinigten Staaten, so Trump, und: „Glauben Sie, dass unser Land so unschuldig ist?“ Wieder Schnitt, Oliver Stone trifft auf einen milde lächelnden Wladimir Putin und fragt ihn, wo er sitzen wolle. Damit ist der Ton für den Film gesetzt: die erste unbelegte Behauptung kommt schon innerhalb der ersten Minute, Zeit zum Nachdenken oder für Hintergrundinformationen gibt es nicht – und alle sind sehr freundlich zueinander.

Unschlüssige Mischung aus Dämonisierung und Huldigung

Stone bietet in der Folge eine unschlüssige Mischung aus Dämonisierung und Huldigung an. Schon als Putin von seiner Kindheit in der Nachkriegs-Sowjetunion erzählt, läuft im Hintergrund unheilschwangere Spannungsmusik, ohne dass man genau weiß, warum. Putin war wohl kein besonders pflegeleichtes Kind, geriet in Schwierigkeiten, entdeckte Judo für sich – so weit, so gewöhnlich. Stone verweilt mit dem Präsidenten lange beim Zusammenbruch der Sowjetunion, seinem Verhältnis zu Boris Jelzin – wirklich interessant wird das Gespräch aber dort, wo es in der jüngsten Geschichte ankommt, bei den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Die amerikanische Regierung betrachte Russland schon länger vor allem als Gegner, das sei falsch, sagt Putin. Doch bevor man das länger ergründen kann, will Oliver Stone lieber den Prunk des Kreml sehen, Putin fragen, ob er ein „Zar“ sein wolle und dabei einen Ausschnitt aus „Iwan dem Schrecklichen“ von Sergej Eisenstein einblenden – das Klischee ist wichtiger, grummelnde Musik darf nicht fehlen.

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