http://www.faz.net/-gpf-8yrlr

Stone interviewt Putin : Kumpeln im Zentrum der Macht

  • -Aktualisiert am

Besuch bei guten Freunden: Regisseur Oliver Stone und der russische Präsident Wladimir Putin Bild: Showtime / Screenshot F.A.Z.

Der amerikanische Regisseur Oliver Stone hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin interviewt. Das Ergebnis zeigt einen Eishockey spielenden Macho, den sein Interviewer erfolgreich bei Laune halten kann.

          Donald Trump bekommt Unterstützung von unerwarteter Seite: „Mehr Rauch als Feuer“ sei die ganze Russland -Affäre, sagte Regisseur Oliver Stone der BBC. Stone, eigentlich nicht für seine Nähe zur amerikanischen Regierung bekannt, traf den russischen Präsidenten Wladimir Putin für mehrere Interviews und machte einen Film daraus. In Washington wurden die Interviews eigentlich mit Spannung erwartet – vielleicht gebe es ja Hinweise auf eine mögliche Verbindung zwischen den Russen und Trumps Wahlkampf? Aber Stone hat sich schon festgelegt: die Russen wollen den Vereinigten Staaten nichts Böses: „Putin hat die ganze Zeit von den Vereinigten Staaten als Partner gesprochen, ich habe kein böses Wort gehört“, sagte der Regisseur.

          Wenn sich einer der beiden mächtigsten Männer der Welt an mehreren Tagen Zeit für Interviews nimmt, ist das eigentlich eine große Chance. Zwischen Juli 2015 und Februar 2017 traf sich Wladimir Putin immer wieder mit Stone – in Konferenzräumen, im Kreml, im Garten, im Flugzeug und im Eishockey-Stadion. Der russische Präsident und der Amerikaner verstanden sich sichtlich gut. Dafür zu sorgen, dass das Gegenüber sich wohl fühlt, kann eine Erfolg versprechende Interviewstrategie sein – wenn der Interviewer trotzdem die kritischen, unangenehmen Fragen stellt. Oliver Stone, Regisseur von Filmen wie „Platoon“ und „Snowden“, ist ein Kritiker der amerikanischen Regierung – leider hat ihn das im Umgang mit Wladimir Putin dazu verführt, an manchen Stellen zu wenig nachzuhaken.

          Gleich zu Beginn des Films werden Fernsehclips zu den Hacker-Angriffen auf die Demokratische Partei in den Vereinigten Staaten gezeigt. Putin, sagt eine Sprecherin aus dem Off, sei direkt involviert in die Cyberattacken. Gegenschnitt zum späteren amerikanischen Präsidenten Trump, der gefragt wird: „Respektieren Sie Putin?“ „Ich respektiere ihn“, sagt Trump, und: „He's a killer.“ Es gebe doch auch viele Mörder in den Vereinigten Staaten, so Trump, und: „Glauben Sie, dass unser Land so unschuldig ist?“ Wieder Schnitt, Oliver Stone trifft auf einen milde lächelnden Wladimir Putin und fragt ihn, wo er sitzen wolle. Damit ist der Ton für den Film gesetzt: die erste unbelegte Behauptung kommt schon innerhalb der ersten Minute, Zeit zum Nachdenken oder für Hintergrundinformationen gibt es nicht – und alle sind sehr freundlich zueinander.

          Unschlüssige Mischung aus Dämonisierung und Huldigung

          Stone bietet in der Folge eine unschlüssige Mischung aus Dämonisierung und Huldigung an. Schon als Putin von seiner Kindheit in der Nachkriegs-Sowjetunion erzählt, läuft im Hintergrund unheilschwangere Spannungsmusik, ohne dass man genau weiß, warum. Putin war wohl kein besonders pflegeleichtes Kind, geriet in Schwierigkeiten, entdeckte Judo für sich – so weit, so gewöhnlich. Stone verweilt mit dem Präsidenten lange beim Zusammenbruch der Sowjetunion, seinem Verhältnis zu Boris Jelzin – wirklich interessant wird das Gespräch aber dort, wo es in der jüngsten Geschichte ankommt, bei den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Die amerikanische Regierung betrachte Russland schon länger vor allem als Gegner, das sei falsch, sagt Putin. Doch bevor man das länger ergründen kann, will Oliver Stone lieber den Prunk des Kreml sehen, Putin fragen, ob er ein „Zar“ sein wolle und dabei einen Ausschnitt aus „Iwan dem Schrecklichen“ von Sergej Eisenstein einblenden – das Klischee ist wichtiger, grummelnde Musik darf nicht fehlen.

          Weitere Themen

          Klagen gegen Trump-Regierung Video-Seite öffnen

          Familientrennung an Grenze : Klagen gegen Trump-Regierung

          Die Eltern im Gefängnis, ihre Kinder in Auffanglagern: Tausende Familien wurden an der Grenze der Vereinigten Staaten voneinander getrennt. Mehrere amerikanische Bundesstaaten wollen die Trump-Regierung deswegen verklagen.

          Vereinigte Staaten treten aus Video-Seite öffnen

          UN-Menschenrechtsrat : Vereinigte Staaten treten aus

          Die Vereinigten Staaten haben ihre Mitgliedschaft im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen aufgekündigt, das gaben Außenminister Pompeo und die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley bekannt. Sie werfen der Organisation unter anderem Heuchelei vor.

          Topmeldungen

          Merkel in Beirut : An der Flüchtlingsfront

          Bei ihrer Reise durch den Libanon erlebt die Kanzlerin eine Gesellschaft, die durch die vielen Vertriebenen im Land verunsichert ist – kommt ihr das bekannt vor?

          Wechsel bei NRW-SPD : Auf nach vorne, aber alles wie gehabt

          Eine schonungslose Generalinventur hatte Michael Groschek nach der Niederlage bei der Landtagswahl in NRW versprochen. Doch nach einem Jahr tritt er wieder ab, und vieles ist beim Alten in der SPD.

          2:1 gegen Serbien : Schweiz siegt nach Herzschlagfinale

          Nach einem zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand gelingt der Schweiz gegen Serbien ein fulminantes Comeback. Matchwinner ist neben Siegtorschütze Shaqiri ein anderer ehemaliger Bundesligaprofi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.