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Urlaub auf der Krim : Das Herz so voll, der Strand noch leer

Noch Platz für einige Ölsardinen: Urlauber sonnen sich am Strand der frisch annektierten Krim. Bild: Alexander Kadnikov

Aufrufe Moskaus, fortan auf der Krim Urlaub zu machen, haben nicht gefruchtet. So floriert dort der Patriotismus – die Touristen aus Europa bleiben weg.

          Eine einsame blaugelbe Fahne flattert noch im Hafen von Jalta. Sie gehört zum Schiff „Berkut“, das auf den Wellen schaukelt. Es heißt wie die Sondereinheit der ukrainischen Polizei – Moskau feiert sie, die neue Führung in Kiew macht sie für viele Tote auf dem Majdan verantwortlich. Doch die „Berkut“ von Jalta trug ihren Namen, der Königsadler bedeutet, schon, als die Sondereinheit noch nicht berühmt-berüchtigt war. Sie gehört dem Ukrainer Wladimir, einem kleinen, zähen Mann Mitte 60 mit braungebranntem Gesicht im gestreiften Seemannspullover. Seine „Berkut“ kann man für Angelausflüge oder Küstenrundfahrten mieten. Wladimir erklärt, das Schiff sei noch in Kiew registriert, woher er komme. Auf der Krim würden noch keine Schiffsregister geführt, daher sei er sogar von Rechts wegen verpflichtet, die Flagge zu hissen. Er lächelt listig – hat auf seinem Schiff aber seit neuestem auch die russische Fahne gehisst. Wladimir sagt bedauernd, er habe „fünfmal weniger“ Gäste als früher in Jalta. Aber mit der Freiheit des Pensionärs, der sich nur etwas dazu verdient, und des Seemanns, der sein Boot selbst umgebaut hat, erzählt Wladimir, er wolle hier bleiben, im einzigartigen Klima, in dem alle Pflanzen der Welt wüchsen, wenn man sie nur lasse. „Hier“, sagt Wladimir, „ist mein Paradies.“

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Zu sowjetischer Zeit war Jalta ein Sehnsuchtsort. Der hart arbeitende Werktätige spannte in dem kleinen Kurort an der Südküste der Krim aus. Den Rest des Jahres träumte er vom subtropischen Klima, den Sanatorien, den Schwarzmeerstränden. Nun, da in Russland Sowjetnostalgie zum politischen Programm geworden ist, und Präsident Wladimir Putin im März die „Wiedervereinigung“ mit der Krim feierte, sollen sich noch mehr Russen als früher auf der Halbinsel erholen: Nicht nur der Staat soll die Krim fördern, sondern auch patriotisch beseelte Bürger. Urlaub in der Türkei oder Ägypten ist günstiger – aber weniger russisch. „Wir fahren in Urlaub auf die Krim! Hurra!“, hieß es auf der Parade zum 1. Mai in Moskau. Doch Urlaub machen hier noch lange nicht genug Russen: Jalta lockt mit Leere.

          Auch am Schießstand ist es leer

          In einem der ersten Gebäude an der Uferpromenade bot bis vor kurzem McDonald’s sein Fastfood an. Jetzt tut sich nichts hinter den trüben Scheiben, weil die Kette nach der Annexion der Krim durch Russland alle Filialen auf der Krim geschlossen hat. Daneben kann, wer will, mit Spielzeuggewehren, die wie echte Kalaschnikows aussehen, auf Dosen schießen. Sie sind in den ukrainischen Landesfarben Blau und Gelb gehalten und von vielen Treffern mit Hartplastikkugeln schon ganz zerbeult. Hier könnten die russischen „Selbstverteidigungskräfte“, die den Polizisten und Soldaten auf der Krim zur Hand gehen, symbolisch aufgeladen trainieren – doch auch am Schießstand ist es leer. Eine Mitarbeiterin, die gelangweilt in der Sonne steht, sagt, im Vergleich zum vergangenen Jahr sei weniger als die Hälfte der Gäste gekommen.

          Mit ihrer Offenheit ist sie eine Ausnahme: Viele Leute hier scheuen sich, etwas anderes zu sagen als: „alles gut“. Selbst ein junger Mann, der Fotos mit zwei Kapuzineraffen anbietet – die beiden zerzausen eben einer russischen Touristin das Haar und bringen ihrem Vermieter damit 200 Rubel, vier Euro, ein – sagt, es würde nun mit Russland alles besser. Dabei dürfte sein Affenfotogewerbe verboten sein, wenn auf der Krim von 2015 an russische Gesetze gelten sollen.

          Doch Klagen gibt es. Ein Hotelier an der Uferpromenade – er führt ein schönes Haus direkt am Wasser – sagt, es seien „viel weniger“ Übernachtungsgäste als früher, als noch die Ukrainer kamen, die nun „wegen der Umstände“ wegblieben. Auch Deutsche und Briten kämen überhaupt nicht mehr, anders als noch im vergangenen Jahr, als sie von den Kreuzfahrtschiffen westlicher Anbieter an Land gingen. Die Kreuzfahrten seien nun alle abgesagt worden. „Die Leute hier sind dieselben“, sagt der Hotelier resigniert. „Aber die Politik hat ihre eigenen Interessen. Das macht es kompliziert.“ Außerdem erkläre den Unternehmern niemand, wie künftig das Geschäft zu führen sei; etwa die neuen, russischen Steuerregeln, die vom kommenden Jahr an gelten sollen. „Niemand sagt uns etwas. Wir sind einfache Leute.“

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