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Urlaub auf der Krim : Das Herz so voll, der Strand noch leer

Russen sollen den Platz der Ukrainer einnehmen

Von den knapp sechs Millionen Touristen, die nach offiziellen Angaben 2013 auf der Krim Urlaub machten, kamen rund zwei Drittel aus der Ukraine, nur gut ein Viertel aus Russland. Die neue Regierung der Krim hofft, dass schon in diesem Jahr die Russen den Platz der Ukrainer, deren Ausbleiben fest einkalkuliert ist, einnehmen. Um sie anzulocken, gibt es Rabattaktionen in Hotels und Sanatorien – aber dorthin müssen die Touristen erst einmal kommen. Denn von den Russen, die im vergangenen Jahr auf der Krim Urlaub machten, reisten nach Angaben der Vereinigung der Reiseveranstalter Russlands nur 20 Prozent mit dem Flugzeug an, der Rest mit dem Auto oder dem Zug. Von Seiten der Staatlichen Eisenbahn heißt es, bisher sei es angesichts der Nachfrage von Reisen auf die Krim nicht nötig, die Anzahl der Züge dorthin zu vergrößern. Busreiseanbieter teilen mit, sie fürchteten sich, Busse mit russischen Nummernschildern auf ukrainisches Staatsgebiet zu schicken. Eine Brücke vom russischen Festland auf die Krim soll gebaut werden, aber das kann Jahre dauern. Die Fährverbindung von Port Kawkas nach Kertsch auf der Krim ist überlastet. Zuletzt ist der Bau eines neuen Hafens in Taman auf dem Festland versprochen worden, aber bis von dort Fähren auf die Krim in See stechen, wird es lange dauern.

Und so liegen nur wenige Gäste am Strand von Jalta. Etwas steinig ist er, aber das Wasser leuchtet türkisfarben. Im Tourismusbüro einige Schritte vom Wasser hat man noch keine Zahlen für die beginnende Saison, aber ein Mitarbeiter schätzt, im vergangenen Jahr seien es doppelt so viele Leute gewesen. Freilich, sagt er, sei es da auch schon wärmer gewesen. Er hoffe darauf, dass die billigen, staatlich bezuschussten Flugtickets – eine weitere Maßnahme zur Tourismusförderung – nun Leute auf die Krim locken würden. Doch der kleine Flughafen von Simferopol (wo die Flugzeuge aus Moskau und anderen russischen Städten weiterhin am „internationalen Terminal“ starten und landen) ist der einzige Passagierflughafen der Krim. Auf die Flugticketoffensive hofft auch der Inhaber eines der vielen Lokale nahe der Uferpromenade von Jalta, in denen man Wein von der Krim trinken oder als Souvenir kaufen kann. Sein Nachbar vom Alkohol- und Tabakgeschäft gegenüber berichtet mit leiser Stimme, die Zigaretten, die noch ukrainische Warnhinweise tragen, stammten noch aus seinem Lager. Welche sie danach verkaufen sollten, wisse er nicht.

Einige Schritte weiter bietet Witalij, ein weißhaariger Künstler aus dem ukrainischen Dnipropetrowsk, seine Ölbilder an: Kinder mit großen Augen und einer Biene, eine Schäferidylle in Pastelltönen, Fliederbüsche in Weiß und Lila. Witalijs Problem besteht darin, dass die Leute gerade kein Bargeld mehr ausgeben wollen, weil man an kaum einem Bankautomaten der Krim noch Scheine ziehen kann – weder ukrainische Griwna, die noch bis Jahresende Zahlungsmittel auf der Krim sein soll, noch russische Rubel. Denn die ukrainischen Banken haben geschlossen, russische noch nicht geöffnet. Kreditkarten nimmt der Künstler und Straßenhändler nicht, auch die Hotels und Restaurants der Krim nehmen sie nicht mehr. Man muss sein Bargeld also zusammenhalten. Überhaupt, klagt Witalij, seien es „zehnmal weniger“ Gäste als im vorigen Jahr. Er habe nur einige reiche Russen bemerkt, die hier Immobilien kauften.

Der Liwadia-Palast oberhalb von Jalta ist ein prächtiger weißer Bau vom Anfang des vorigen Jahrhunderts. Palmen stehen vor der Sommerresidenz des letzten Zaren, weit geht der Blick über Stadt und Meer, es duftet nach Flieder. Hier handelten Stalin, Roosevelt und Churchill im Februar 1945 die Neuaufteilung Europas nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland aus. In Zeiten der Grenzverschiebungen eigentlich ein hochaktueller Ort. Doch auch hier ist es ruhig. Immerhin macht ein junger Russe in Trainingsjacke mit Russland-Schriftzug ein Foto von einer Schautafel. Der junge Mann stellt sich als Sergej vor und ist ein Gast, wie ihn sich die Führungen in Moskau und Simferopol erträumen: Sergej sagt, er stamme aus Uljanowsk, Lenins Heimatort, sei aus Patriotismus hier und überhaupt noch nie im Ausland gewesen. Schließlich gebe es „in Russland gibt so viele sehenswerte Orte, dass ein Leben nicht ausreicht, um sie alle zu besuchen“.

Quelle: F.A.Z.

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