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Unruhen in Thailand Rothemden gegen Gelbhemden

27.11.2008 ·  Einen Tag nach den Zusammenstößen zwischen regierungstreuen „Rothemden“ und oppositionellen „Gelbhemden“ ist wieder Ruhe eingekehrt in der Touristenstadt Chiang Mai. Nur Reisende, die Thailand verlassen wollen, schmieden Pläne, die Flughäfen in Laos oder Kambodscha anzusteuern.

Von Stefan Tomik, Chiang Mai
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Am Tag nach der Bluttat ist in den Seitenstraßen der Thipanet Road von Chiang Mai wieder Ruhe eingekehrt. Eine Handvoll Polizisten patroulliert am frühen Abend im schummerigen Laternenlicht, streunende Hunde laufen umher, mancher Nachbar zeigt sich vor seinem Haus.

Aber kaum eine Spur kündet mehr von dem bisher brutalsten Zusammenstoß zwischen regierungstreuen und regierungskritischen Demonstranten in der ansonsten ruhigen und malerisch gelegenen Touristenstadt in Thailands Norden. Ein Mann verlor hier in der Nacht zum Donnerstag sein Leben.

Rothemden gegen Gelbhemden

Setha Jiamkitwatana war der Vater des Betreibers einer regierungskritischen Radiostation. Der Sender steht im Garten seines Wohnhauses in einem Wohnviertel knapp zwei Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum. „Radio Vihok“, hier auch als „89 FM“ bekannt, hatte in den vergangenen Tagen live von den Geschehnissen in Bangkok berichtet, wo Unterstützer der „Volksallianz für Demokratie“ (Pad) mit Großdemonstrationen und Blockaden Premierminister Somchai Wongsawat zum Rücktritt zwingen wollen.

Das wiederum bringt die Anhänger der Regierungspartei PPP in Rage, die in Thailand die Farbe Rot tragen und daher „rote Hemden“ genannt werden. Sie rotteten sich am Mittwochabend zusammen und marschierten vor der Radiostation auf. Am selben Tag landete der Premierminister auf dem Flughafen von Chiang Mai, da „gelbe Hemden“ beide Bangkoker Flughäfen unter Kontrolle gebracht hatten und damit Somchais Rückkehr von einer Auslandsreise verhindern wollten.

Vor der Station von „89 FM“ kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Regierungspartei und Regierungsgegnern, berichten Anwohner FAZ.NET. Einige Rothemden zerrten schließlich den sechzig Jahre alten Setha aus seinem Wagen und erschossen ihn. Im Internet zeigen Bilder seine Leiche neben dem Wagen liegend; offenbar wurde auch mit einem Messer auf den Mann eingestochen.

Polizei für Mord verantwortlich?

Schon mehrfach waren in Chiang Mai, wo mehr Regierungsbefürworter als -kritiker leben, „rote“ und „gelbe Hemden“ vor der Radiostation aneinandergeraten. Steine wurden dabei geworfen und Menschen verletzt, aber Tote hat es in dem Konflikt bislang noch nicht gegeben. Besonders pikant ist bei dem Todesfall der Umtand, dass das Kaliber der Tatwaffe dem der Polizeipistolen entsprochen haben soll - die Polizei von Chiang Mai unterhält gute Verbindungen zur örtlichen PPP, heißt es.

Die vielen Touristen, die derzeit in Chiang Mai abgestiegen sind, kriegen von dem politischen Konflikt selbst praktisch gar nichts mit. Dass es in nur wenigen Minuten Entfernung von der Thanon Ratchaphakhinai, wo sich eine Herberge an die nächste reiht, eine Schießerei gegeben hat, erfahren die meisten Urlauber nicht. Sie spüren aber die Auswirkungen der beiden Flughafenblockaden in Bangkok. Hunderte Touristen sind auch in Chiang Mai gestrandet.

Zwar konnten direkte Inlandsverbindungen zu Zielen außerhalb Bangkoks bislang offenbar ohne Schwierigkeiten starten. „Aber vor allem die günstigen Inlandsflüge in den Süden, etwa nach Phuket oder Krabi, werden über den Bangkoker Flughafen Don Muang abgewickelt“, sagt der Deutsche Bernd Polednie, der seit zwölf Jahren ein Gästehaus in Chiang Mai betreibt. „Und die Backpacker wollten natürlich sparen, wo sie können, und jetzt hängen sie hier fest.“

Sorge vor besetzten Bahnhöfen

Auch Zugtickets wollen viele derzeit nicht lösen, weil sie Besetzungen der Bahnhöfe fürchten, zu denen es in der Vergangenheit schon kam. Nur die Busse werden gebucht wie sonst, und gerade deshalb kommt es teils zu ungewöhnlichen Wartezeiten. Chiang Mai ist unter Backpackern vor allem für seine Natur- und Abenteuertouren bekannt. Von hier aus starten täglich dutzende Trekking- oder Bootstouren, Ausflüge mit Elefanten oder Kletterunternehmungen ins Umland.

Da auch der internationale Flughafen Suvarnabhumi blockiert und komplett geschlossen ist, schmieden Reisende, die Thailand verlassen wollen, derzeit schon Pläne, die Flughäfen im benachbarten Laos oder in Kambodscha anzusteuern. Am Flughafen Don Muang ist unterdessen die Polizei aufmarschiert, die den Befehl haben soll, die Demonstrationen der „gelben Hemden“ zu beenden. Bei ähnlichen Besetzungen in der Vergangenheit hat sie das stets mit viel Tränengas erledigt.

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Jahrgang 1974, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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