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UN-Tribunal Keine Spuren von Vergiftung bei Milosevic

17.03.2006 ·  Bei der Untersuchung des Leichnams des früheren jugoslawischen Präsidenten haben Gerichtsmediziner nach Angaben des UN-Tribunals keine Spuren einer Vergiftung gefunden. Noch ist offen, ob Milosevics Witwe Mira Markovic zu seiner Beerdigung nach Serbien kommen wird.

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Bei der Untersuchung des Leichnams des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic haben die Ärzte keine Spuren einer Vergiftung gefunden. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise auf eine Vergiftung“, sagte am freitag der Präsident des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Fausto Pocar. Auch Spuren des Medikaments Rifampicin hätten die Toxikologen nicht gefunden.

Der niederländische Experte Ronald Uges hatte angegeben, er habe bei Milosevic vor seinem Tod dieses für den Herzkranken schädliche Antibiotikum festgestellt. Rifampicin sei ein Mittel, das schnell aus dem Körper verschwinde - dies habe das niederländische Gerichtsmedizinische Institut betont, sagte Tribunalspräsident Pocar weiter. Die Tatsache, daß keine Spuren des Medikamentes gefunden worden seien, bedeute daher nur, daß „es unwahrscheinlich ist, daß in den letzten Tagen vor dem Tod Rifampicin eingenommen wurde“.

Vorläufige Ergebnisse

Das Medikament wird normalerweise bei Tuberkulose und Lepra verschrieben und hebt die Wirkung von Medikamenten gegen Bluthochdruck auf. Der Toxikologe Uges hatte gemutmaßt, Milosevic habe das Mittel eingenommen, um eine Behandlung im Ausland zu erzwingen. Der frühere Staatschef hatte im Dezember vergeblich beantragt, sich in Moskau behandeln lassen zu dürfen.

Video: Milosevics Leiche nach Belgrad überführt

Die Ergebnisse der Untersuchungen seien „vorläufig“, betonte Pocar. Er hoffe, daß er „Ende kommender Woche“ weitere Informationen geben könne. Nach Angaben von Pocar wurden in Milosevics Leichnam Spuren von anderen Medikamenten gefunden, jedoch nicht in „toxischer Menge“. Das Gerichtsmedizinische Institut hatte festgestellt, daß Milosevic an einem Herzinfarkt starb. Der im Alter von 64 Jahren verstorbene Milosevic litt unter hohem Blutdruck und Herzproblemen. In Kreisen serbischer Nationalisten war spekuliert worden, daß der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere Staatschef vergiftet worden sein könnte. Auch die Familie hatte das UN-Tribunal für den Tod Milosevics verantwortlich gemacht.

Wie ein Gerichtsbeamter bei der Pressekonferenz mit Pocar sagte, wurde bei einer regulären Durchsuchung in der Vergangenheit „Schmuggelware“ in der Zelle Milosevics gefunden. Daraufhin habe der Direktor der Haftanstalt des UN-Tribunals „unverzüglich Maßnahmen“ angeordnet. Einzelheiten wollte der Beamte nicht nennen.

Witwe Milosevic bei der Beerdigung?

Ob Milosevics Witwe Mira Markovic und ihr Sohn Marko zu der Beisetzung im serbischen Pozarevac kommen würden, war weiter ungewiß. Der Chef der russischen Kommunistenpartei, Gennadi Sjuganow, sagte bei seiner Ankunft in Belgrad, die serbishe Regierung habe keine ausreichenden Garantien für den Fall einer Einreise Markovics gegeben. Er sei in ständigem Kontakt mit der Witwe und dem Sohn, die mutmaßlich beide in Rußland leben.

Am Donnerstag hatte ein Vertreter der Sozialistischen Partei (SPS) Milosevics dagegen erklärt, Markovic und ihr Sohn würden am Freitag in Belgrad erwartet.

Tausende Trauernde defilieren

Am Freitag standen weiter zahlreiche Anhänger Milosevics vor dem Belgrader Revolutionsmuseum Schlange, wo der Sarg des Verstorbenen den zweiten Tag in Folge aufgebahrt war. Bereits am Donnerstag waren tausende Trauernde dort defiliert, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen.

Zur Bestattung in Milosevics Heimatstadt Pozarevac, wo er im Garten seines Hauses beerdigt werden soll, wollen auch mindestens 2000 bosnische Serben anreisen. Die Anhänger Milosevic sollten in etwa 40 Autobussen anreisen, teilten die Organisatoren von der Sozialistischen Partei Bosniens (SP) mit. Auch mehrere Privatfirmen und Reisebüros in der bosnischen Serbenrepublik organisieren Reisen zum Begräbnis Milosevics.

Gegner des einstigen Staatschefs riefen zu einer Kundgebung am Samstag in Belgrad auf. In einer Kurzbotschaft über Mobiltelefon wurden die Menschen aufgefordert, sich um 15 Uhr - dem Beginn der Bestattung - auf dem Platz der Republik einzufinden.

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