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UN-Tribunal in Den Haag Kriegsverbrecher Babic begeht Selbstmord

06.03.2006 ·  Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat zum Tod des ehemaligen Serbenführers in Kroatien, dessen Leiche am Sonntag abend in seiner Gefängniszelle in Den Haag gefunden wurde, eine Untersuchung angeordnet.

Von Michael Martens, Belgrad
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Das Internationale Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag hat zum Tod des ehemaligen Führers der serbischen Minderheit in Kroatien, Milan Babic, eine interne Untersuchung angeordnet.

Babics Leiche war am Sonntag abend in seiner Gefängniszelle im Haager Stadtteil Scheveningen gefunden worden. Nach Angaben des Tribunals hat der ehemalige Politiker Selbstmord begangen. Anders als die Mehrheit der im Haag angeklagten Serben hatte Babic konstruktiv mit der Anklagebehörde des Tribunals zusammengearbeitet, etwa durch Aussagen im Milosevic-Prozeß. Wenige Tage vor seinem Tode hatte Babic im Prozeß gegen Milan Martic ausgesagt, einem anderen angeklagten Serben aus Kroatien.

Prominenter Führer der serbischen Minderheit

Babic, geboren 1956 in dem kroatischen Ort Kukar, war während des Zerfalls Jugoslawiens rasch zu einem der prominentesten Führer der serbischen Minderheit Kroatiens aufgestiegen. Ab August 1991 hatten serbische Truppen Städte und Dörfer in der Krajina unter ihre Kontrolle gebracht und zusammen mit ortsansässigen Serben Kroaten und andere Nichtserben systematisch von dort vertrieben. Dabei wurden mehrere hundert Zivilisten ermordet.

In der Krajina leben viele Nachfahren serbischer Wehrbauen, die dort einst das habsburgische Grenzgebiet zum Osmanischen Reich sicherten. Im Dezember 1991 erklärten die Serben die „ethnisch gesäuberten“ Gebiete zur sogenannten Republik Serbische Krajina, deren „Präsident“ Babic wurde und bis Februar 1992 blieb. Später wurde er „Außenminister“ und „Ministerpräsident“ der international geächteten Republik. Regierungschef der Krajina-Serben blieb Babic bis zur Rückeroberung des Territoriums durch kroatische Truppen im August 1995, vor denen er, wie viele tausend andere Krajina-Serben auch, nach Serbien floh.

Schuld und Reue gezeigt

Eine Anklage des Kriegsverbrechertribunals gegen Babic wurde im November 2003 bestätigt. Mit anderen habe er in einem „gemeinsamen kriminellen Unternehmen“ die Vertreibung von Kroaten und anderen Nichtserben von einem Drittel des kroatischen Staatsgebietes geplant, ausgeführt und begünstigt, heißt es sinngemäß in der Anklageschrift gegen Babic.

Als Mittäter werden darin auch der ehemalige jugoslawische Präsident Milosevic, der serbische Radikalenführer Seselj und der weiterhin flüchtige Serbengeneral Mladic genannt. Babic wurde beschuldigt, für Verfolgungen, Mord, grausame Behandlung von Nichtserben sowie die Zerstörung von Dörfern in der Zeit zwischen August 1991 und Februar 1992 Mitverantwortung zu tragen.

Babic hatte sich im November 2003 freiwillig dem Tribunal gestellt. Im Jahr 2004 wurde er zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt. Er war einer der wenigen Angeklagten, die ihre Schuld einsahen und Reue zeigten. Seine Beteiligung an den Verbrechen versuchte er später damit zu erklären, er habe befürchtet, den kroatischen Serben drohe in ihrer Heimat das Schicksal einer diskriminierten Minderheit, sollte sich Kroatien von Jugoslawien lösen und die Unabhängigkeit erklären.

Quelle: tens.; Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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