Erstmals seit fünf Jahren haben die Vereinten Nationen in Afghanistan einen Rückgang bei der Zahl der zivilen Opfer des Konflikts verzeichnet. In den ersten vier Monaten 2012 starben demnach 579 Zivilisten, 21 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, sagte der UN-Sondergesandte in Afghanistan, Ján Kubis, am Mittwoch in Kabul.
Taliban für vier von fünf Opfern verantwortlich
Die internationalen und afghanischen Sicherheitskräfte hätten ihre Bemühungen zum Schutz von Unbeteiligten verstärkt. Für Aufständische wie die Taliban gelte das aber nicht. Zwischen Jahresbeginn und Ende April seien Aufständische für 79 Prozent der zivilen Opfer verantwortlich gewesen, sagte Kubis. Neun Prozent seien auf das Konto der Internationalen Schutztruppe Isaf und der afghanischen Sicherheitskräfte gegangen. Zwölf Prozent der Toten hätten keiner der Konfliktparteien zugerechnet werden können.
Kubis, Chef der UN-Mission in Afghanistan (Unama), sagte zugleich, die Zahl der Opfer sei immer noch „auf einem inakzeptabel hohen Niveau“. Außer den 579 Toten seien in dem Zeitraum 1216 verwundete Zivilisten zu beklagen gewesen. Im Gesamtjahr 2011 hatte Unama 3021 getötete Zivilisten in Afghanistan registriert. Das waren etwa doppelt so viele wie 2007. Seitdem war die Zahl der zivilen Opfer jedes Jahr beständig gestiegen. 2011 hatten die UN Aufständische für 77 Prozent und internationale sowie afghanische Sicherheitskräfte für 14 Prozent der Toten verantwortlich gemacht. Neun Prozent waren keiner der Konfliktparteien zugeordnet worden.
Neues Gefecht im Bundeswehr-Einsatzgebiet
In der Provinz Badachschan, wo die Bundeswehr stationiert ist, wurden bei einem Angriff Aufständischer acht Polizisten und zwei Taliban-Kämpfer getötet. Ein Polizist werde seit dem vierstündigen Gefecht vermisst, sagte der Sprecher der Provinzregierung am Mittwoch. Das Feldlager der Bundeswehr in der Provinzhauptstadt Faizabad soll im Rahmen des Abzugs in diesem Herbst aufgelöst werden. Die Nato-geführte Isaf teilte mit, am Mittwoch seien bei einem Anschlag und einem Angriff Aufständischer im Süden des Landes insgesamt zwei ausländische Soldaten getötet worden. Angaben zur Nationalität machte die Schutztruppe wie üblich nicht.
