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UN-Bericht über sexuelle Ausbeutung : „Die Nachfrage nach Sex mit Kindern wächst ständig“

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Erschütterndes Fazit nach sechs Jahren im Amt: die UN-Sonderberichterstatterin über Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie, Najat Maalla M’jid Bild: UN Photo/Jean-Marc Ferre

Die Opfer von Kinderpornographie und Kinderprostitution werden immer jünger, die Taten immer drastischer: Das ist das Fazit der UN-Sonderbeauftragten nach sechs Jahren im Amt. Sie macht dafür ein „soziales Milieu der Toleranz“ und das expandierende Internet verantwortlich.

          Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird nach Befürchtungen der UN-Beauftragten für Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie ohne entschlossenere Gegenmaßnahmen weltweit weiter zunehmen. Das sagte UN-Sonderberichterstatterin Najat Maalla M’jid bei bei der Vorstellung ihres neuen Jahresberichts am Mittwoch in Genf. „Sexuelle Ausbeutung von Kindern ist eine sehr lukrative Industrie, in der mutmaßlich Milliarden Dollar an Profiten gemacht werden“, schrieb die Marokkanerin in dem Bericht für den in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat. Durch sexuelle Straftaten werde Millionen Mädchen und Jungen „die Kindheit gestohlen“.

          Die Berichterstatterin zog am Ende ihrer Amtszeit ein erschütterndes Fazit ihrer Arbeit in den vergangenen sechs Jahren: „Seit 2008 hat sich weltweit ein Wandel vollzogen, der massive Auswirkungen auf die Ausbreitung und Art des Kinderhandels und der Kinderprostitution hat. Die fortschreitende Globalisierung, der expandierende Internetgebrauch auch in Entwicklungsländern, Verstädterung und größere Wanderungsbewegungen, die Finanzkrise, kriegerische Konflikte und Naturkatastrophen haben Kinder verletzlicher gemacht. Viele Anstrengungen , um Kinderhandel und -prostitution einzudämmen, hätten daran nichts geändert.

          Darstellungen immer gewaltsamer

          „Die Nachfrage nach Sex mit Kindern wächst ständig, unterstützt durch ein Milieu aus sozialer Toleranz, Komplizenschaft und Straflosigkeit.“ Dies sei ein generelles Phänomen und keineswegs auf die Pädophilen-Szene beschränkt. „Die Täter der sexuellen Ausbeutung von Kindern entstammen allen Altersgruppen, können männlich oder weiblich sein und sehr unterschiedlichen sozialökonomischen Schichten und Berufsgruppen angehören.“

          Zehntausende Mädchen und Jungen werden nach UN-Angaben für pornografische Bilder und Filme im Internet missbraucht. „Die Opfer sind tendenziell immer jünger, während die Darstellungen immer drastischer und gewaltsamer werden“, heißt es in dem Bericht. Zwar habe sich dank strafrechtlicher Verfolgung zwischen 2006 und 2012 die Zahl der Internet-Domänen mit Kinderpornografie auf knapp 1600 in 38 Ländern halbiert

          Dafür jedoch erfolge die Verbreitung nun öfter über Peer-to-Peer-Netzwerke (Direktverbindungen zwischen Rechnern). Der Bericht verweist darauf, dass es Interpol mit einer eigens geschaffenen internationalen Datenbasis bis Anfang 2013 gelungen sei, rund 3000 Opfer und 1500 Täter in 40 Ländern zu identifizieren. Die Auswertung weiterer Datenmengen sei im Gange. Sorge bereitet den Fachleuten auch, dass der „Kindersex-Tourismus“ weiter steige – mit dem allgemeinen Wachstum des weltweiten Tourismus'. Dies zeigten Meldungen aus 55 Ländern, wobei die Täter aus nur 25 Ländern stammten.

          Kinder zur Ausbeutung verkauft

          Bevorzugte Reiseziele für Kinderschänder seien arme Entwicklungsländer mit schwachen Behörden, die kaum in der Lage oder willens seien, energisch gegen Kinderprostitution durchzugreifen. Die Prostitution von Minderjährigen sei allerdings auch in anderen Staaten ein Problem. Eine Zunahme verzeichnet der Bericht auch beim Handel mit Kindern zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Unter den generell zugrundeliegenden Problemen rangierten bittere Armut sowie Not infolge von Konflikten oder Naturkatastrophen weit vorn.

          Viele Länder brauchten für die Verbesserung des Kinderschutzes mehr Unterstützung. Wichtig sei eine stärkere internationale Zusammenarbeit von Sicherheitskräften und Justiz bei der Verfolgung der Täter. Das ganze Ausmaß des Problems sei mangels exakter Zahlen und einer schwachen Justiz in vielen der betroffenen Länder schwer zu überblicken. Zudem würden Missbrauchsfälle aus Scham und Angst vor Racheakten oder aus Misstrauen gegen die Behörden gar nicht erst gemeldet.

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