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Umstrittene Grenze Kurzes Seegefecht zwischen Süd- und Nordkorea

10.11.2009 ·  An der umstrittenen Grenze im Gelben Meer ist es zwischen Schiffen der süd- und nordkoreanischen Seestreitkräfte zu einem Gefecht gekommen. Ein Patrouillenboot aus Nordkorea soll zuvor die Grenzlinie verletzt haben. Pjöngjang dagegen spricht von einer „schweren bewaffneten Provokation“.

Von Petra Kolonko, Tokio
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Nord- und südkoreanische Schiffe haben sich an der gemeinsamen westlichen Seegrenze am Dienstag ein kurzes Feuergefecht geliefert. Nach ersten Berichten aus Südkorea hat es keine Verletzten gegeben, ein nordkoreanisches Schiff sei aber in Brand geraten. Südkoreas Präsident Lee Myung-bak berief ein Treffen seiner Sicherheitsberater ein und ordnete erhöhte Wachsamkeit an. Man wolle vermeiden, dass sich die Lage zuspitze, hieß es aus Seoul.

Nach südkoreanischer Darstellung hat ein Schiff aus Nordkorea um 11.27 Uhr die „Nördliche Grenzlinie“, die die UN nach dem Koreakrieg als Seegrenze zwischen den beiden koreanischen Staaten definiert haben, überquert. Die südkoreanische Marine warnte demnach den Eindringling zunächst. Dann fielen Warnschüsse, die vom nordkoreanischen Schiff mit scharfen Schüssen erwidert wurden. Der Feueraustausch dauerte eine Minute.

Pjöngjang: „Schwere bewaffnete Provokation“

Nach nordkoreanischer Darstellung hatte das Schiff aus Nordkorea ein unbestimmtes Objekt auf der nördlichen Seite der Grenze beobachten wollen und sei auf seinem Rückweg von südkoreanischen Schiffen verfolgt worden, die dann das Feuer eröffnet hätten. Das nordkoreanische Schiff habe auf die „schwere bewaffnete Provokation“ sofort reagiert und zurückgeschlagen und damit die südkoreanische Schiffe vertrieben. Nordkorea verlangte noch am Dienstag eine Entschuldigung von Südkorea.

Der Zusammenstoß wenige Tage vor der Asien-Reise von Präsident Obama hat Spekulationen laut werden lassen, ob Nordkorea mit dem Feuergefecht Druck auf die amerikanische Regierung ausüben wollte. In einer ersten Stellungnahme bezeichnete der südkoreanische Ministerpräsident Chung Un-chan den Zusammenstoß aber als ungeplanten Zwischenfall. Präsident Obama hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass er demnächst seinen Sonderbeauftragten für Nordkorea, Bosworth, zu Gesprächen nach Pjöngjang senden will.

Keine Einigkeit über Seegrenze

War der Zusammenstoß an der Seegrenze nun eine gezielte Provokation des kommunistischen Nordens, oder doch nur ein Zwischenfall, der ungeplant eskalierte? Die nördliche Grenzlinie oder „Northern Limit Line“ ist eine Demarkationslinie im Gelben Meer vor der Westküste Koreas. Sie wurde im August 1953 von dem Kommandanten der UN-Truppen in Nordkorea festgelegt, nachdem Nordkorea sich einer Einigung über den Verlauf der Seegrenze verweigert hatte. Seit dem Ende der Kämpfe im Koreakrieg befinden sich Nord- und Südkorea offiziell noch im Kriegszustand, da nie ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde.

Nordkorea kritisiert vor allem, dass durch die Grenzziehung einige vor der Küste gelegene Inseln auf das Gebiet von Südkorea fallen. Nordkorea hat 1999 eine weiter südlich verlaufende „See-Demarkations-Linie“ festgelegt, nach der die Inseln zu Nordkorea gehören würden. Nordkorea hat die „Northern Limit Line“ bis heute nicht anerkannt, respektiert sie aber de facto, zumindest dann, wenn es kein Interesse hat, Spannungen im Verhältnis zu Südkorea entstehen zu lassen.

An der Grenzlinie ist es in der Vergangenheit schon mehrfach zu Scharmützeln gekommen. Die bislang letzten Zwischenfälle hatte es in den Jahren 1999 und 2002 gegeben. Bei dem Feuergefecht 1999 wurden wahrscheinlich 17 nordkoreanische Matrosen getötet. Bei dem Zwischenfall im Jahr 2002 wurden sechs südkoreanische und wahrscheinlich 30 nordkoreanische Matrosen getötet.

Nach seinem Atomtest in Mai dieses Jahres hatte Nordkorea damit gedroht, dass alle Versuche, die „Northern Limit Line“ als Grenzlinie festzulegen mit militärischer Gewalt zurückgewiesen werden würden. In letzter Zeit haben sich Verletzungen der Northern Limit Line immer dann ereignet, wenn Fischerboote beider Staaten auf Krabbenfang unterwegs sind. Allein in diesem Jahr hat Südkorea schon 20 Grenzverletzungen durch nordkoreanische Schiffe registriert. Bislang seien die Schiffe nach Warndurchsagen aber immer abgedreht, heißt es.

Der Zwischenfall erhöht die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Das Vereinigungsministerium in Seoul riet deshalb am Dienstag südkoreanischen Arbeitnehmern, die im Norden tätig sind, zu großer Vorsicht. Ihre persönliche Sicherheit sei möglicherweise in Gefahr, hieß es. Das Ministerium empfahl, die Kontakte mit Nordkoreanern auf das unbedingt Notwendige zu beschränken. Im Frühjahr dieses Jahres hatten die nordkoreanischen Behörden einen südkoreanischen Ingenieur festgenommen und einige Monate festgehalten, weil dieser angeblich das nordkoreanische politische System kritisiert hatte.

Unterdessen ist Jack Lang, der Sondergesandte des französischen Präsidenten Sarkozy, am Dienstag in Pjöngjang mit Regierungsmitgliedern zusammengetroffen. Lang soll unter anderem erkunden, ob Frankreich diplomatische Beziehungen zu Nordkorea aufnehmen kann.

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Politische Korrespondentin für Ostasien.

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