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Ukraine : Kiews prügelnder Innenminister

Handfeste Argumente: Juri Luzenko Bild:

Wenn der ukrainische Innenminister Luzenko in Rage gerät, kann es Hiebe setzen. So wie diese Woche am Frankfurter Flughafen. Blaue Flecken zeichneten auch Luzenkos Begegnung mit dem Kiewer Bürgermeister 2008 aus.

          Wenn der ukrainische Innenministers Jurij Luzenko in Rage gerät, kann es Hiebe setzen. So war es offenbar auch am Montag am Frankfurter Flughafen. Sicher ist, dass Luzenko und sein 19 Jahre alter Sohn an diesem Tag einen gebuchten Lufthansa-Flug nach Südkorea nicht nehmen durften.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Lufthansa bestätigte, „ein ukrainischer Fluggast“ und sein Begleiter seien nicht mitgenommen worden, weil er „sehr laut“ gewesen sei und „einen stark alkoholisierten Eindruck“ gemacht habe. Weil die Betroffenen „deutlich randalierten“ wurden Polizisten gerufen, von denen anschließend zwei krankgeschrieben werden mussten; einer der beiden soll in Handschellen abgeführt worden sein.

          Blutungen und blaue Flecken

          Die Details des Vorfalls hat die Polizei aus Rücksicht auf die diplomatische Immunität des ukrainischen Innenministers nicht bestätigen wollen. Das Innenministerium in Kiew teilte nur mit, dass der Minister in Frankfurt in einen „kleinen Konflikt“ geraten sei, aber es betont, „niemand“ sei betrunken gewesen, und es habe auch keine Handschellen gegeben.

          Das ist nicht die erste spektakuläre Prügelei, in die Luzenko verwickelt war. Nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates im Amtssitz des Präsidenten hat der Innenminister im Januar 2008 den Bürgermeister von Kiew, Tschernowezkij, so geschlagen hat, dass Zeugen später an dessen Kopf Blutungen und blaue Flecken ausmachten.

          „Schlag eines Mannes gegen einen Lügner“

          Dabei soll es um umstrittene Immobiliengeschäfte des Bürgermeisters gegangen sein, der nach eigener Aussage sofort zurückgeschlagen hätte, wenn nicht Minister und Gouverneure eingeschritten wären. Diese Aussage ist insofern glaubwürdig, als Tschernowezkij selbst schon politische Gegner zum Ring- und Faustkampf gefordert hatte.

          Umstritten ist ein Teil des Disputs: Der Bürgermeister gab seinerzeit zu Protokoll, der Innenminister habe ihn nicht nur mannhaft ins Gesicht geschlagen, sondern auch „an Stellen, auf die Männer gemeinhin stolz sind“.

          Luzenko hat diesen Vorwurf damals empört zurückgewiesen. „Ich habe einen Streich gegen Tschernowezkijs Gesicht geführt, die Gouverneure sind meine Zeugen, mit offenem Arm, den Schlag eines Mannes gegen einen Lügner“, teilte er später hoheitsvoll mit. Davon, dass er sich bei einem gemeinen „Schuft und Lügner“ entschuldige, könne keine Rede sein.

          Revolutionär der zweiten Reihe

          Luzenko gehörte im Jahr 2004 während der „Revolution in Orange“ zur zweiten Reihe des westlich orientierten, oppositionellen Führungspersonals. Seither hat er immer wieder versucht, neben Ministerpräsidentin Timoschenko und Präsident Juschtschenko eine eigenständige politische Kraft zu entwickeln, ist aber aus dem Schatten der beiden nie ganz herausgekommen. Als Innenminister pflegt er den Ruf eines strikten Verteidigers von Recht und Gesetz. Er verbindet dabei den plakativen Europa-Enthusiasmus seines Lagers mit lauten Rufen nach der Wiedereinführung der Todesstrafe.

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