Home
http://www.faz.net/-gq5-7b03f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Überwachungsprogramm Washington registriert gesamten Briefverkehr

Das Weiße Haus soll Briefumschläge von Millionen Amerikanern abfotografiert haben. Ist das Ausmaß der Überwachung durch amerikanische Behörden noch größer als bislang vermutet?

© dpa Vergrößern Wer schreibt Briefe an wen? Zum Beispiel Franz Kafka an Max Brod

Die Vereinigten Staaten lassen einem Zeitungsbericht zufolge den gesamten Briefverkehr innerhalb des Landes registrieren. Absender und Empfänger jeder über den staatlichen Postdienst USPS verschickten Sendung werden von Computern abfotografiert, berichtet die „New York Times“ (Mittwoch). Die Zeitung beruft sich dabei unter anderem auf Mitarbeiter des amerikanischen Justizministeriums und auf einen ehemaligen Agenten der amerikanischen Bundespolizei FBI.

Rund 160 Milliarden Postsendungen sollen in dem vermeintlichen Überwachungsprogramm „Mail Isolation Control and Tracking“ (MICT) vergangenes Jahr fotografiert worden sein. Auf diesem Wege soll die amerikanische Regierung die Briefkontakte von Millionen Amerikanern zurückverfolgen können. Wie lange die Daten gespeichert werden, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Telekommunikationsmittel © dpa Vergrößern Moderne Telekommunikationsmittel: Geheimdienst hört, liest, schreibt mit

Laut der Zeitung wurde MICT im Jahr 2001 ins Leben gerufen, nachdem Briefe mit dem tödlichen Gift Anthrax an amerikanische Politiker verschickt worden waren. Die Giftbriefe kosteten in den Vereinigten Staaten fünf Menschen das Leben. Ähnlich wie die Abhörmaßnahmen des Geheimdienstes NSA diene das MICT-Programm vor allem der Arbeit amerikanischer Strafverfolgungsbehörden, schreibt die Zeitung. Dank der gesammelten Daten sei es dem FBI gelungen, die Schauspielerin Shannon Guess Richardson wegen des mutmaßlichen Versands von Giftbriefen an Präsident Barack Obama und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg aufzuspüren.

„Es ist eine Informations-Goldgrube“, wird ein ehemaliger FBI-Agent in der „New York Times“ zitiert. Schon die Briefumschläge reichten aus, um wertvolle Hinweise für die Ermittler zu sammeln. Einen Brief tatsächlich zu öffnen, erfordert dagegen den Beschluss eines Richters.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reaktionen auf Spionage-Affäre Merkels öffentliche Kritik verärgert Washington

Washington verweigert weiterhin eine konkrete Stellungnahme zur Spionage-Affäre. Aus Geheimdienstkreisen wird Verärgerung über die Vorfälle in Berlin laut. Die Regierung Merkel nehme einen erheblichen Schaden in Kauf. Mehr

11.07.2014, 17:34 Uhr | Politik
BND-Affäre Der kleine Spion

Der BND-Mitarbeiter war fleißig: Einmal die Woche lieferte Markus den Amerikanern Material. Allen internen Kontrollen hielt er stand. Doch dann machte er einen Fehler. Die Rekonstruktion einer Affäre. Mehr

13.07.2014, 16:51 Uhr | Politik
Medienbericht Deutsche Bank soll in Amerika bei Buchführung geschlampt haben

Heftige Kritik an der Deutschen Bank: In einem Brandbrief hat die New Yorker Bankenaufsicht dem Institut offenbar schlampige Buchführung, unzureichende Kontrolle und mangelhafte technische Systeme vorgeworfen. Mehr

23.07.2014, 00:24 Uhr | Wirtschaft

Israels Dilemma

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die ausgesetzten Flüge nach Tel Aviv offenbaren das Dilemma der Regierung Netanjahu. In einem asymmetrischen Krieg ist das ein strategischer „Sieg“ der Hamas. Den Preis dafür, die vielen Tote in Gaza, zahlt sie gerne. Mehr 1 2