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Türkisches Gericht : Nach Putschversuch lebenslange Haft für Soldaten

  • Aktualisiert am

Dutzende Soldaten wurden im Zusammenhang mit dem gescheiterten Putschversuch für schuldig befunden – wegen des geplanten Mordes an Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Bild: AP

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei hat ein Gericht erste Urteile gegen Soldaten gefällt – wegen eines Mordkomplotts gegen den türkischen Präsidenten. Ein fairer Prozess? Daran gibt es Zweifel.

          Im Zusammenhang mit dem Putschversuch im vergangenen Jahr hat ein türkisches Gericht in einem Verfahren gegen rund 40 Soldaten erste Urteile gefällt. Ein Richter in der Stadt Mugla befand die Angeklagten am Mittwoch für schuldig und verurteilte sie zu lebenslanger Haft – wegen eines angeblichen Mordkomplotts gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Mugla liegt in der Nähe jenes Ferienortes, wo Erdogan und seine Familie in der Putschnacht knapp den in sein Hotel stürmenden Soldaten entkamen.

          Einige der Angeklagten kritisierten, sie hätten keinen fairen Prozess erhalten, weil das Gericht unter politischem Druck gestanden habe. „Seit meiner Festnahme am 16. Juli auf dem Luftwaffenstützpunkt wurde ich wie ein Verbrecher behandelt“, sagte ein früherer Leutnant.

          Nach dem Putsch veröffentlichte Bilder zeigten einige mutmaßliche Teilnehmer, darunter ranghohe Offiziere, in Unterhosen, mit gefesselten Händen und Blutergüssen im Gesicht. Ein anderer Angeklagter sagte, es habe nie die Chance auf ein faires Verfahren gegeben. „Wir sind nur das Gras, das die kämpfenden Elefanten zertrampeln.“

          Bei dem Putschversuch wurden mehr als 240 Menschen getötet. Erdogan macht den in den Vereinigten Staaten lebenden Prediger Fethullah Gülen dafür verantwortlich. Dieser bestreitet eine Verwicklung in den gescheiterten Staatsstreich. Hunderttausende Beamte, Lehrer, Wissenschaftler, Soldaten und Polizisten wurden seitdem vom Dienst suspendiert oder entlassen, weil sie angeblich Gülen-Anhänger sind. Tausende wurden inhaftiert.

          Quelle: alri./Reuters

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