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Offensive in Afrin : Türkei will schon mehr als 2000 „Terroristen“ ausgeschaltet haben

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede in Ankara Bild: Reuters

Ende Januar hat die türkische Armee die „Operation Olivenzweig“ begonnen. Seitdem sendet der türkische Generalstab regelmäßig Jubel-Mitteilungen über den Verlauf der Offensive – und die Zahl der „neutralisierten“ Kämpfer.

          Bei ihrer Offensive in der syrischen Region Afrin hat die Türkei nach eigenen Angaben bislang mehr als 2000 Personen „neutralisiert“. 2059 „Terroristen“ seien seit Beginn der „Operation Olivenzweig“ ausgeschaltet worden, teilte der Generalstab der türkischen Armee am Montag mit. Das Wort „neutralisieren“ verwenden türkische Behörden häufig in ihren Pressemitteilungen, allerdings ohne näher zu erklären, ob die entsprechenden Personen getötet, gefangengenommen oder ausgeliefert wurden. Die Zahl war zunächst nicht überprüfbar.

          Die Türkei hatte am 20. Januar ihre Offensive in der syrischen Region Afrin begonnen, nach eigenen Angaben, um die eigene Grenze zu sichern und die syrische Bevölkerung vor der Bedrohung durch Terroristen zu schützen. Als Terroristen betrachtet Ankara aber nicht nur Kämpfer des „Islamischen Staates“ (IS), sondern auch die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), den bewaffneten Ableger der syrischen Kurdenpartei PYD. Ihre Präsenz in Afrin stellt in den Augen der türkischen Regierung ein Bedrohung dar, weil die YPG Verbindungen zu der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) haben.

          Bereits am Sonntag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan von einer ähnlich hohen Zahl an „neutralisierten Terroristen“ gesprochen. Einen Abbruch des Militäreinsatzes schloss er aus, trotz der am Samstag beschlossenen UN-Resolution für eine Waffenruhe in Syrien. Die Offensive werde so lange fortgesetzt, bis „der letzte Terrorist vernichtet ist“, sagte Erdogan in der südtürkischen Stadt Sanliurfa.

          Zwar teilte das türkische Außenministerium am Sonntag mit, die Türkei begrüße die Feuerpause als „Antwort auf die besorgniserregende humanitäre Lage“ in Syrien. Ankara werde aber weiterhin „entschlossen“ gegen „terroristische Organisationen“ kämpfen, die die „territoriale Unversehrtheit und politische Einheit Syriens bedrohen“.

          Ähnlich äußerte sich auch der stellvertretende türkische Regierungschef Bekir Bozdag. Er sagte im Fernsehen, der Einsatz gegen die von Ankara als „terroristisch“ eingestuften YPG-Kämpfer im Norden Syriens werde fortgesetzt. Die UN-Resolution vom Samstag habe keinerlei Auswirkungen auf die Offensive.

          Die türkische Armee beruft sich bei ihrer Offensive auf das Recht der Türkei auf Selbstverteidigung. Außerdem gibt sie an, mit dem Einsatz die Integrität des syrischen Staatsgebietes schützen zu wollen.

          Der UN-Sicherheitsrat hatte am Samstag eine Resolution für eine einmonatige Waffenruhe in Syrien und für ein Ende der Belagerung der umkämpften Rebellenhochburg Ost-Ghouta verabschiedet. Von der Feuerpause ausgenommen ist jedoch der Beschuss von islamistischen Gruppen wie der Dschihadistenmiliz IS und Al Qaida.

          Die Außenminister der EU-Staaten beraten am Montag in Brüssel über die Lage im Bürgerkriegsland Syrien. Für die Europäische Union geht es vor allem darum zu prüfen, wie mehr für die leidende Zivilbevölkerung getan werden könnte.

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