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Veröffentlicht: 02.11.2012, 16:40 Uhr

Türkei Spekulationen über Vergiftung Özals

Türkische Zeitungen spekulieren über eine Strichninvergiftung des 1993 verstorbenen Präsidenten Turgut Özal. Gerichtsmediziner sagen, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

von , Istanbul
© REUTERS Turgut Özal im Januar 1993 kurz vor seinem Tod.

Ein sich auf amtliche Quellen berufender türkischer Zeitungsbericht hat am Freitag die Spekulationen darüber neu angefacht, dass der im April 1993 verstorbene türkische Staatspräsident Turgut Özal einem Giftanschlag zum Opfer gefallen sein könnte. Die Zeitung „Bugün“ berichtete, bei einer Autopsie der sterblichen Überreste Özals seien „Spuren von Strychnin“ gefunden worden, unter anderem im Knochenmark der Leiche. Das Gift könnte Özal in ein Getränk gemischt worden sein, spekulierte das Blatt.

Michael Martens Folgen:

Türkische Gerichtsmediziner hatten den Leichnam Özals Anfang Oktober im Auftrag der Staatsanwaltschaft Ankara exhumiert. Der Chef des mit der Untersuchung beauftragten forensischen Instituts wies den Zeitungsbericht jedoch zurück. Die Untersuchungen seien noch nicht beendet, sagte der Wissenschaftler. Man habe auch noch niemandem die bisherigen Ergebnisse zukommen lassen. Die Untersuchung werde schnellstmöglich zum Abschluss gebracht und das Ergebnis dann der Staatsanwaltschaft übergeben, teilte das Institut mit. Ausdrücklich wurde bestritten, dass Strychnin bei den Untersuchungen gefunden worden sei. Özals Sohn Ahmet wurde allerdings am Freitag in einem türkischen Fernsehsender mit der Bemerkung zitiert, die Behörden hätten ihm gegenüber angedeutet, sein Vater sei womöglich tatsächlich vergiftet worden. Ahmet Özal hatte schon früher die Behauptung vertreten, sein Vater sei nicht eines natürlichen Todes gestorben.

Özal hatte viele Feinde

Als Todesursache Özals war 1993 offiziell Herzversagen angegeben worden. Doch hält sich seit Jahren der auch von Özals Witwe unterstützte Verdacht, der Reformer könnte vergiftet worden sein. Unbestritten ist, dass der unkonventionelle Politiker viele Feinde hatte. Für die Türkei war der aus dem ostanatolischen Malatya stammende Özal, Vorsitzender der „Mutterlandspartei“, zunächst als Ministerpräsident und danach als Staatsoberhaupt die dominierende politische Figur der achtziger und frühen neunziger Jahre. Mehrfach provozierte er die Armee, die damals noch unangefochten die Richtlinien der Politik bestimmte. Als entschiedener Reformer liberalisierte er vor allem die Wirtschaft des Landes und suchte zeitweilig auch einen Dialog mit der kurdischen Terrororganisation PKK. Ein Attentatsversuch im Jahr 1988, den Özal leicht verletzt überstand, nährte im Rückblick die Ansicht, die Todesursache Herzversagen sei nur vorgeschoben. Ein im Juni dieses Jahres veröffentlichter Bericht einer staatlichen Kommission bestätigte, die Todesumstände seien „zweifelhaft“, zumal seinerzeit keine Autopsie angeordnet wurde. Özals Arzt behauptete, die Familie des Verstorbenen habe keine Autopsie verlangt. Die Angehörigen bestreiten diese Darstellung.

An Özals Todestag kam es zu einer Häufung von seltsamen Umständen: So war der Leibarzt nicht im Präsidentenpalast, wo es zudem an Ausrüstung zur ersten Hilfe mangelte. Außerdem soll der Notarztwagen aufgrund von „mechanischen Schwierigkeiten“ nicht sofort einsatzbereit gewesen sein. Allerdings war Özal deutlich übergewichtig und hatte sich einige Jahre vor seinem Tod einer Bypass-Operation unterziehen müssen. Nach Veröffentlichung des Berichts über die ungeklärten Todesumstände Özals hatte die Staatsanwaltschaft Mitte September eine Obduktion angeordnet. Das Grabmal Özals in Istanbul wurde daraufhin im Beisein von Staatsanwälten und Polizisten geöffnet.

Quelle: F.A.Z.

 

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