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Türkei : Lachbremse für Frauen

Dürfen sie bald nicht mehr öffentlich lachen? Frauen in der Türkei Bild: AFP

Lautes Lachen in der Öffentlichkeit laufe der weiblichen Sittsamkeit zuwider. Das findet zumindest der stellvertretende Regierungschef der Türkei. Über die Folgen könnte er bei Kurt Tucholsky nachlesen.

          Noch ist Tayyip Erdogan nicht Staatspräsident, aber den um das moralische Wohl der Türken besorgten Landesvater gibt der türkische Regierungschef bereits mit Verve. Mal fordert er Eltern auf, ihre demonstrierenden Kinder nach Hause zu holen, weil die besser fürs Examen lernen sollen. Dann zeiht er ein Denkmal in der Provinz „monströs“ und lässt es abreißen, oder schmäht eine Seifenopfer über das Liebesleid eines Sultans mit der Feststellung, die wahre Wahrheit sei ganz anders gewesen. Türkische Fußballer wies er ob ihrer Tätowierungen zurecht: „Lasst euch nicht von Ausländern zum Narren halten“.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Nun übt sich auch Erdogans Stellvertreter Bülent Arinc in moralischem Mikromanagement: „Erdogans Stellvertreter will Türkinnen das Lachen verbieten“, meldet die Nachrichtenagentur AFP und auch Spiegel Online. Indes: Hier irren beide! Arinc strebt keineswegs ein Lachverbot, sondern nur eine Lachbeschränkung für Frauen an. Privat dürfen Frauen in der Türkei auch fürderhin so viel und so laut lachen, wie sie lustig sind. Lautes öffentliches Lachen aber laufe weiblicher Sittsamkeit zuwider, so Arinc, der immerhin auch die wachsende Gewalt gegen Frauen in der Türkei als Zeichen moralischer Fäulnis ausmachte. Ein Junktim zwischen zu laut lachenden und misshandelten Frauen stellte er nicht auf.

          Oppositionspolitiker Ekmeleddin Ihsanoglu widersprach Arinc: Nichts brauche die Türkei mehr als deutlich hörbares Frauenlachen. Arinc hinwiederum empfahl jungen Türken als Mittel gegen „Sex-Abhängigkeit“ den Koran zu lesen. Ähnlich hatte es lange vor ihm schon Kurt Tucholsky gehalten, als er in einer katholischen Zeitung las, bei unvermitteltem Aufkommen unzüchtiger Gedanken böten Kopfrechenaufgaben Heil. Tucholsky versuchte es, litt fortan aber selbst bei jungfräulichsten Additionen an unschicklichen Assoziationen. Ob Arinc diese Gefahr bedacht hat?

          Quelle: F.A.Z.

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