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Türkei : Konferenz über Mord an Armeniern verschoben

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Armenier besuchen ein Mahnmal zur Erinnerung an den Massenmord Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Universität von Istanbul hat dem Druck der türkischen Regierung nachgegeben: Eine geplante Historiker-Konferenz über den Mord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg ist verschoben.

          Die Universität von Istanbul hat dem Druck der türkischen Regierung nachgegeben und eine geplante Historiker-Konferenz über die Ermordung von etwa 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg verschoben.

          Das nach einem EU-Beitritt strebende muslimische Land bestreitet bis heute, daß es vor 90 Jahren einen Völkermord an den christlichen Armeniern gegeben hat. Die Bosporus-Universität hatte ursprünglich ab Mittwoch zu der Konferenz geladen, bei der auch Kritiker der offiziellen türkischen Darstellung sprechen sollten.

          „Wissenschaftliche Freiheit gefährdet“

          Nun teilte die Hochschule mit, die Veranstaltung wegen des in der Türkei vorherrschenden Klimas in der Armenier-Frage vorerst nicht abzuhalten. „Als staatliche Universität fürchten wir, daß die wissenschaftliche Freiheit wegen der Vorurteile über eine Konferenz, die noch gar nicht stattgefunden hat, in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.“

          Die Türkei steht unter internationalem Druck, den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen, was sie bis heute ablehnt. Die derzeitige pro-europäische Regierung signalisierte zuletzt aber zumindest die Bereitschaft, unterschiedliche Sichtweisen mit den Armeniern zu diskutieren.

          „Dolchstoß in den Rücken des türkischen Volkes“

          Die Türkei erkennt zwar offiziell die Ermordung Hunderttausender Armenier durch das damalige Osmanische Reich an. Gleichzeitig rechnet sie aber vor, es seien bei den Partisanenkämpfen nach dem Zusammenbruch des Reiches noch viel mehr Türken ums Leben gekommen.

          Justizminister Cemil Cicek war am Dienstag im Parlament in die Rhetorik der Vergangenheit zurückgefallen. Die geplante Konferenz hatte er als „Dolchstoß in den Rücken des türkischen Volkes“ bezeichnet. „Wir müssen diesen Verrat und die Verbreitung der Propaganda gegen die Türkei durch Menschen, die diesem Land angehören, beenden.“

          Ein EU-Diplomat bewertete die Äußerungen als unglaublich. Diese machten nicht nur die Politik der Türkei in dieser Frage zunichte. Sie würden auch die Ambitionen des Landes, in die Europäische Union (EU) einzutreten, zunichte machen. Die EU hat die Türkei dazu aufgefordert, vor Beginn der Beitrittsverhandlungen am 3. Oktober ihre Beziehungen zum Nachbarland Armenien zu verbessern. Einige EU-Vertreter verlangen sogar ein Schuldeingeständnis vor den Verhandlungen.

          Wie Deutschland haben zahlreiche EU-Länder in Resolutionen den damaligen Völkermord der Türken an den Armeniern anerkannt. Die Türkei wirft der EU dagegen vor, sie bringe die Armenier-Frage vor, um einen Beitritt zu verhindern.

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