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In der Türkei verhaftet : Meşale Tolu weiter in Türkei in Haft

  • Aktualisiert am

Seit mehr als 100 Tagen in Haft: die deutsche Journalistin Meşale Tolu Bild: Solidaritätskreis Freiheit für Meşale Tolu

Erst hat der deutsche Botschafter den Menschenrechtler Steudtner im Gefängnis besucht, jetzt trifft er Meşale Tolu. Auch die Journalistin sitzt in Untersuchungshaft – wohl noch bis zum Prozessbeginn im Oktober.

          Die deutsche Journalistin Meşale Tolu bleibt bis zum Beginn ihres Prozesses im Oktober in Untersuchungshaft. Das entschied am Mittwoch ein Richter in Istanbul, wie „Reporter ohne Grenzen“ unter Berufung auf eine Anwältin Tolus in Berlin mitteilte. Die Entscheidung sei damit begründet worden, dass Fluchtgefahr bestehe. Der 33 Jahre alten Journalistin werden unter anderem Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Verbreitung von Terrorpropaganda vorgeworfen. Der Prozess gegen sie soll am 11. Oktober im Silivri-Gefängnis nahe Istanbul beginnen, ihr drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

          „Reporter ohne Grenzen“ forderte die türkische Justiz auf, Tolu sofort freizulassen. „Die Türkei muss Meşale Tolus unwürdige politische Geiselhaft endlich beenden“, sagte der Geschäftsführer der Journalistenorganisation, Christian Mihr. Am Mittwoch stand noch ein Haftbesuch des deutschen Botschafters in der Türkei, Martin Erdmann, an.

          Am Dienstag hatte Erdmann die ebenfalls inhaftierten Deutschen, den Korrespondenten der Zeitung „Die Welt“ Deniz Yücel und den Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner, im Gefängnis besucht. Er habe sich davon überzeugen können, dass es beiden den Umständen entsprechend gut geht, hieß es in der Nacht zum Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Beide Gespräche seien intensiv gewesen und hätten jeweils über eine Stunde gedauert.

          Mit zweijährigem Sohn im Gefängnis

          Am 5. Juli wurde der Berliner Menschenrechtsaktivist und IT-Experte Peter Steudtner in der Türkei festgenommen. Er sitzt in einem Gefängnis westlich von Istanbul ein. Die türkischen Behörden werfen ihm und weiteren inhaftierten Menschenrechtsaktivisten die Unterstützung einer Terrororganisation vor.

          Tolu wurde Ende April in der Türkei festgenommen und sitzt seitdem mit ihrem zweieinhalbjährigen Sohn im Frauengefängnis Bakirköy in Istanbul in Haft. In der Türkei hatte die Journalistin für die sozialistisch orientierte Nachrichtenagentur Etha und einen linken Radiosender gearbeitet. Mit Tolu sind 17 weitere Menschen angeklagt, die alle in derselben Nacht verhaftet wurden.

          Die Journalistin hat türkische Wurzeln, besitzt seit 2007 allerdings nur noch die deutsche Staatsangehörigkeit. Tolu wurde in Ulm geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. Seit 2014 lebte sie in Istanbul. Auch Tolus Ehemann Suat Corlu sitzt im Gefängnis, er wurde bereits Anfang April festgenommen.

          Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel sitzt bereits seit knapp einem halben Jahr in Haft, er hatte sich am 14. Februar den türkischen Behörden gestellt. Im Gegensatz zu Tolu und Steudtner besitzt er die doppelte Staatsbürgerschaft. Die Justizbehörden werfen ihm „Terrorpropaganda“ und „Aufwiegelung der Bevölkerung“ vor.

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