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Türkei Gül und Erdogan rügen Obama für seine Rede

26.04.2009 ·  Barack Obama hat den Völkermord an den Armeniern 1915 in seiner Rede nicht als solchen bezeichnet und wurde von der Türkei dennoch kritisiert. Eine Interpretation historischer Ereignisse stehe Politikern nicht zu, sagten Gül und Erdogan.

Von Michael Martens
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Obwohl Barack Obama aus Rücksicht auf die Türkei ein Wahlversprechen gebrochen und in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung den osmanischen Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 nicht als solchen benannt hat, haben türkische Politiker die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten am Wochenende kritisiert.

In einer Mitteilung des türkischen Außenministeriums heißt es, „einige Ausdrücke“ in Obamas Erklärung sowie die in ihr zum Ausdruck kommende Geschichtsauffassung seien „inakzeptabel“. Die gemeinsame Geschichte von Türken und Armeniern dürfe allein aufgrund von wissenschaftlichen Daten und durch Historiker bewertet werden. Der türkische Präsident Gül bemängelte, Obama habe in seiner Erklärung die Ermordung von „Hunderttausenden Türken und Muslimen“ 1915 nicht erwähnt. Er wiederholte die Position Ankaras, laut der es nicht Politikern obliegt, die Geschehnisse zu bewerten: „Es ist nicht möglich für Politiker, Entscheidungen über historische Ereignisse zu treffen“, bekräftigte Gül am Wochenende.

Zurückhaltend, aber mit armenischem Ausdruck

Obama hatte am Freitag, dem Jahrestag des Beginns der Verfolgungen der Armenier im Jahr 1915, „von einem der großen Greuel des 20. Jahrhunderts gesprochen“, jedoch nicht, wie er es als Präsidentschaftskandidat mit Blick auf die armenische Diaspora in seinem Land mehrfach versprochen hatte, von einem Genozid.

Stattdessen stützte er sich zum Teil auf Wendungen, die er schon zu Beginn des Monats bei seiner Rede im türkischen Parlament in Ankara sowie in Gesprächen mit türkischen Politikern verwandt hatte: „Ich habe meine eigene Sicht des 1915 Geschehenen immer wieder ausgeführt, und meine Sicht dieser Geschichte hat sich nicht geändert“, heißt es in Obamas Erklärung, in der an anderer Stelle von „1,5 Millionen Armeniern“ die Rede ist, die in den letzten Tagen des Osmanischen Reiches „niedergemetzelt“ worden oder in Todesmärschen ums Leben gekommen seien.

Armenier wiesen allerdings darauf hin, dass Obama als erster Präsident mehrmals den armenischen Ausdruck für das Massaker (Meds Yeghern) verwendet habe.

Ein Thema für die Historiker, nicht die Politiker

In einem Blick nach vorn sicherte Obama jedoch der von der Türkei und Armenien betriebenen Politik einer Annäherung sowie indirekt auch dem bisher von Eriwan abgelehnten Vorschlag Ankaras zur Bildung einer türkisch-armenischen Historikerkommission seine „volle Unterstützung“ zu.

Die Türkei und Armenien hatten sich unter Vermittlung der Schweiz in der vergangenen Woche auf einen öffentlich nicht näher erläuterten „Fahrplan“ zur Normalisierung ihrer Beziehungen geeinigt.

Ministerpräsident Erdogan sagte: „Wir sehen die Äußerungen über die Vorfälle von 1915 als eine inakzeptable Interpretation der Geschichte, die nicht der Wirklichkeit entspricht.“

Das Thema müsse Historikern überlassen bleiben, werde jedoch immer wieder als „Werkzeug der Politik“ eingesetzt und von Lobbygruppen „missbraucht“, was die „Normalisierung zwischen Völkern und Staaten“ verhindere. Erdogan kritisierte, dass viele Politiker versuchten, mit den „Ereignissen von 1915“ Wählerstimmen zu gewinnen.

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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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