11.08.2009 · In Tschetschenien sind knapp vier Wochen nach der Ermordung von Natalja Estemirowa zwei weitere Bürgerrechtler entführt und erschossen worden. Sarema Sadulajewa leitete eine regierungsunabhängige Organisation zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen.
Im Tschetschenien sind zum zweiten Mal innerhalb eines Monats Menschenrechts-Aktivisten ermordet worden. Sarema Sadulajewa und ihr Mann seien in der Nähe der tschetschenischen Hauptstadt Grosny tot aufgefunden worden, nachdem sie am Vortag von Unbekannten abgeholt worden waren, berichtete ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Memorial. Die Leichen wurden im Kofferraum eines Autos entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Sie wiesen Schusswunden in Kopf und Brust auf.
Die Behörden der unruhigen Kaukasus-Republik waren zunächst nicht von einer Entführung ausgegangen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax. Laut Augenzeugenberichten seien Sadulajewa und ihr Mann ohne Gewaltanwendung in das Auto gestiegen,
hieß es ausn Kreisen der tschetschenischen Sicherheitsbehörden.
Engagement für notleidende Kinder
Die Bürgerrechtlerin Sarema Sadulajewa engagierte sich seit 15 Jahren mit anderen Aktivisten in der regierungsunabhängigen Organisation „Lasst uns die Generation retten“ vor allem für notleidende Kinder und Jugendliche in Tschetschenien. Auch ihr Ehemann hatte bei der Organisation von medizinischer Behandlung und der Versorgung der Kinder mit Prothesen mitgewirkt. Er hatte nach Angaben von Memorial schon eine vierjährige Gefängnisstrafe wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Gruppierung verbüßt. Er heiratete Sarema Sadulajewa zwei Monate nach der Entlassung aus dem Gefängnis.
Erst vor knapp vier Wochen war die Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa entführt und ermordet worden. Sie war von Tschetschenien in die Nachbarrepublik Inguschetien verschleppt worden und wurde dort mit Schusswunden am Kopf aufgefunden. Der Fall ist wie andere Morde an Bürgerrechtlern in Russland nicht aufgeklärt. Frau Estemirowa leitete den tschetschenischen Zweig von Memorial, einer der ältesten und bekanntesten Nichtregierungsorganisationen in Russland. „Memorial“ machte den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow oder dessen Untergebene für ihre Ermordung verantwortlich. Kadyrow wies dies damals zurück und sprach im aktuellen Fall nun von „zynischen, unmenschlichen und demonstrativen Morden“.
Steinmeier: Täter rasch zur Rechenschaft ziehen
Der deutsche Außenminister Steinmeier äußerte sich betroffen. „Ich bin bestürzt über die Ermordung von Sarema Sadulajewa und ihres Mannes und verurteile diese feige Tat auf das Schärfste“, sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin. An die russischen Behörden appellierte er, Täter und Auftraggeber rasch zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Abermals mahnte Steinmeier auch die Aufklärung des Mordes an Natalja Estemirowa an.
Russische Menschenrechtler kritisierten das Versagen der kremltreuen Politiker im Nordkaukasus. Es fehle an Arbeitsplätzen, gerechten Löhnen, einer effektiven Verwaltung und Polizei sowie an unabhängiger Rechtsprechung. „Das fehlt dort alles. Und die letzten Fürsprecher des Volkes, die Menschenrechtler, werden systematisch vernichtet“, sagte der Direktor des Moskauer Büros für Menschenrechte, Alexander Brod.
Putins Arm....
Michael Meier (never1)
- 11.08.2009, 12:29 Uhr
Was meinen Sie mit "versagt", Herr Meier?
Gabor von Zoltan (Putinras)
- 11.08.2009, 14:50 Uhr