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Tschad : Im Reich des Garanten

Zu Besuch beim Bündnispartner: Der französische Außenminister Laurent Fabius (links) Ende Juli dieses Jahres mit Déby in N’Djamena Bild: AFP

Idriss Déby regiert Tschad seit mehr als zwanzig Jahren mit harter Hand. Seit ein Militäreinsatz gegen Islamisten in Mali näher rückt, ist er aus westlicher Sicht wichtiger denn je.

          Der frische Asphalt glänzt in der Mittagssonne. Kleine Gruppen von Männern stehen am staubigen Straßenrand. Verkäufer liegen vor ihren Geschäften und schlafen, die Unterarme schützend vor den Augen. Die Hütten und Häuschen haben nur ein Stockwerk. Hier, im Zentrum der Hauptstadt Tschads, ragen zwei Gebäude höher in die dunstige Luft: die Kathedrale Notre-Dame von N’Djamena und der „Rosafarbene Palast“. Die Kirche liegt dem langgezogenen Komplex, in dem seit 1990 der Diktator Idriss Déby residiert, direkt gegenüber.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Sie wurde Anfang der siebziger Jahre gebaut; schon damals, wenige Jahre nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1960, herrschte Krieg. In den achtziger Jahren wurde das Dach der Kathedrale zerschossen, es kam ein neues darauf. Den Putsch 1990 überstand sie, den Bürgerkrieg 2006 ebenfalls und auch den Überfall sudanesischer Rebellen zwei Jahre später. Ende dieses Jahres soll Notre Dame renoviert werden. Déby zahlt. Der säkulare Muslim will sich als toleranter Herrscher präsentieren.

          Die Nachbarschaft steht in Flammen

          Im Jahr 2010 hatte die Kathedrale noch dem „Platz der Nation“ weichen sollen, einer mehrere Fußballfelder großen Betonfläche. Déby ließ sie zum Zeichen seines Sieges über die sudanesischen Rebellen errichten. Der Triumphbogen, der an einer Seite des Platzes steht, ist ähnlich geformt wie der Rundbogen der Kathedrale nebenan, ragt aber zwanzig Meter höher in den Himmel; seine Kuppel krönt eine goldene Nadel, die eine Art Weintraube aufspießt. Davor steht die Bronzestatue eines Schwarzen, der seine Ketten zerreißt. Ein Springbrunnen ist ausgetrocknet, der riesige Platz menschenleer.

          Bis genau zu diesem Punkt drangen die aus dem Nachbarland Sudan kommenden Rebellen 2008 vor, um Déby zu stürzen. Die „Union des Forces pour la Démocratie et le Développement“ scheiterte schließlich daran, dass sie sich nicht darüber einigen konnte, wer nach dem Sieg das Kommando führen durfte. Außerdem verwechselten die ortsfremden Kämpfer offenbar Ziele: Sie beschossen vor allem das Parlament, das sie für den Präsidentenpalast hielten. Déby schlug sie schließlich mit Hilfe französischer Aufklärung und Munition zurück. Ein Jahr später einigte er sich mit Sudans Machthaber Omar al Baschir auf ein Ende des Krieges. Seitdem herrscht in Tschad wieder Friedhofsruhe.

          „Tschad ist für uns ein Garant der Stabilität in der Region“, sagt ein französischer Diplomat in N’Djamena. Denn die Nachbarschaft steht in Flammen: Tschads Grenze zum bürgerkriegsgeschüttelten Libyen im Norden ist mehr als tausend Kilometer lang. Im Osten grenzt das Land an die sudanesische Krisenregion Darfur, aus der etwa 300.000 Flüchtlinge nach Tschad kamen. Nur 200 Kilometer südwestlich von N’Djamena entfernt liegt Maiduguri, der Gründungsort der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria. Es heißt, dass sich Angehörige von Boko Haram regelmäßig in N’Djamena und dem Nachbarort Kousserie in Kamerun von den Kämpfen in ihrer Heimat ausruhen. Im Westen Tschads liegt Niger, das Aufmarschgebiet von Al Qaida im Maghreb und anderer Islamistengruppen in der Sahelzone, die derzeit vor allem in den Norden Malis streben.

          Ein Ende der „Françafrique“?

          Auch deshalb ist Tschad für den Westen dieser Tage ein wichtiger Verbündeter. Der französische Präsident François Hollande bat Déby schon kurz nach seiner Amtseinführung um Truppen für eine Beteiligung an einem Kampfeinsatz gegen die Islamisten in Mali. Tschads Armee hat Erfahrung im Wüstenkampf und ist gut ausgerüstet, im Gegensatz zu anderen Sahelstaaten. Außerdem verfügt das Land zum Beispiel über Kampfhubschrauber. Déby soll sich zu einer Beteiligung grundsätzlich bereit gezeigt haben, verlangt aber ein UN-Mandat und logistische Unterstützung, auch der Nato. Déby dürfte einen hohen Preis verlangen, wenn er seine Soldaten nach Mali schickt.

          Der in Frankreich ausgebildete ehemalige Luftwaffenoffizier unterdrückt die Opposition brutal. Die Macht teilte er, wenn überhaupt, nur mit seiner engsten Familie. Das zentrale Gefängnis der Stadt hat er vor kurzem 300 Kilometer nach Norden in die Halbwüste verlegt, außer Reichweite jeglicher Kontrolleure.

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