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Trump auf Asienreise : Der Beginn von etwas ganz Besonderem

Der Auftakt zur Asienreise nahm seinen Anfang in Tokio: US-Präsident Donald Trump neben Japans Premier Shinzo Abe. Bild: dpa

Zum Auftakt seiner Asienreise hält sich Donald Trump mit Drohungen gegenüber Nordkorea und dessen Diktator zurück – bis jetzt. Kurz nach dem Massaker in Texas rät er Japan hingegen zum Kauf „massiver Mengen“ amerikanischer Waffen.

          Nachdenklich und betroffen – so zeigte sich der amerikanische Präsident Donald Trump in Tokio, auf der ersten Station seiner Asienreise, zweimal. Die Betroffenheit fand in einer simplen Wortwahl Ausdruck: so traurig. „So traurig“, sagte Trump, als er vor Journalisten der Opfer und Hinterbliebenen des Massakers im texanischen Sutherland Springs gedachte. „So traurig“, sagte Trump auch, als er neben den Angehörigen von Japanern stand, die von dem diktatorischen Regime in Nordkorea vor Jahrzehnten entführt worden waren. Während Trump die Bluttat in Texas auf eine Geisteskrankheit des Täters zurückführte und darin keine „Waffensituation“ erkannte, sparte er sich dieses Mal Kommentare über den nordkoreanischen Diktator. Kein Spott über den „kleinen Raketenmann“, keine Drohung mit Vernichtung, eher ein fast versöhnliches Angebot: „Es wäre ein gewaltiges Signal, wenn Kim Jong-un die Entführten zurücksenden würde“, sagte Trump vor Journalisten. „Wenn sie das täten, wäre das der Beginn von etwas ganz Besonderem.“

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Japan spricht von 17 Bürgern, die überwiegend in den siebziger Jahren an Japans Westküste von Nordkorea entführt wurden. Sie sollten dem Regime dienen, um Geheimagenten die japanische Sprache und Gebräuche beizubringen. Fünf Entführte durften später in die Heimat zurückkehren, andere erklärte Nordkorea für tot, was die Angehörigen und die Regierung in Tokio bezweifeln. Trump traf unter anderem Sakie Yokota, deren Tochter Megumi 1977 im Alter von 13 Jahren auf dem Nachhauseweg von der Schule entführt wurde. Pjöngjang behauptet, dass Megumi 1994 gestorben sei. „Ich sprach mit Leuten, die am Boden zerstört sind. Sie denken, dass sie am Leben sind. Aber sie wissen es nicht“, sagte Trump.

          „Ich hoffe, dass alles gut ausgeht“

          Für Japans Ministerpräsident Shinzo Abe ist das Zusammentreffen des Ehepaars Trump mit den Angehörigen der Entführten der wohl größte Erfolg des ersten Besuchs des amerikanischen Präsidenten in Japan. So viel Aufmerksamkeit hat das Schicksal der Entführten in der Weltöffentlichkeit seit langem nicht mehr erfahren. Für Trump war es die Gelegenheit, die Brutalität der Kim-Diktatur aufzuzeigen und Stimmung für seinen harten Kurs gegenüber Nordkorea zu machen. Ausdrücklich unterschied er zwischen der Bevölkerung und der Führung. Die Nordkoreaner seien „großartige Menschen“, sagte Trump. „Sie sind unter einem sehr repressiven Regime. Ich hoffe, dass alles gut ausgeht. Das wäre für alle besser.“

          Neben der humanitären Komponente hielten Trump und Abe an der Strategie fest, maximalen Druck auf Pjöngjang auszuüben. Trump sagte nach dem Gipfeltreffen, die Ära der strategischen Geduld mit Nordkorea sei vorbei. Das Atom- und Raketenprogramm sei eine Bedrohung für die zivilisierte Welt und für den internationalen Frieden und die Stabilität. Abe betonte, dass Japan zu 100 Prozent hinter Amerika stehe. Japan unterstütze die Position Trumps, dass mit Blick auf Nordkorea alle Optionen auf dem Tisch lägen. „Ein Dialog um des Dialogs willen ist bedeutungslos“, sagte Abe.

          Er kündigte an, dass Japan an diesem Dienstag die Vermögen von 35 nordkoreanischen Organisationen und Personen einfrieren werde, die im Zusammenhang mit den Entführungen oder dem nordkoreanischen Atomprogramm stünden. Die Regierung Südkoreas in Seoul setzte am Montag 18 Nordkoreaner auf eine Sanktionsliste, so dass jeder finanzielle Kontakt mit ihnen verboten ist. Die Personen sind mit nordkoreanischen Banken verbunden. Trump, der am Dienstag vom Arbeitsbesuch in Japan zum Staatsbesuch nach Seoul weiterreisen wollte, kann auch diese Sanktionen als Erfolge seiner Asienreise und für sein Werben um eine harte Linie gegen Pjöngjang verbuchen.

          Ganz der gewiefte Verkäufer, riet der amerikanische Präsident dann noch seinem Gastgeber Abe, „massive Mengen“ amerikanischen Militärgeräts zu kaufen – zur Verringerung des amerikanischen Handelsbilanzdefizits mit Japan und zur Stärkung der eigenen Verteidigung. Abe betonte, dass Japan angesichts der schwierigen Sicherheitslage mit Nordkorea und im asiatischen Pazifik seine Verteidigungsfähigkeit qualitativ und quantitativ verbessern müsse. Die Regierung erwägt unter anderem, mehr und verbesserte Raketenabwehrsysteme zu kaufen. Das gibt „eine Menge Arbeitsplätze bei uns und viel Sicherheit für Japan“, sagte Trump.

          Der Präsident hatte am Morgen Japans Kaiser Akihito einen Besuch abgestattet. Trump begrüßte den zierlichen Kaiser und Kaiserin Michiko mit einem sanften Händedruck und einer leichten Beugung des Kopfes. Trump vermied so den Fauxpas seines Vorgängers Barack Obama. Dieser hatte sich 2009 tief vor Akihito verbeugt und dafür zu Hause Kritik und Spott geerntet. „Danke für das großartige Treffen“, verabschiedete der 71 Jahre alte Trump sich von dem 83 Jahre alten Kaiser, der vor seiner Abdankung steht. „Ich bin sicher, dass wir uns wiedersehen werden.“

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