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Veröffentlicht: 07.06.2017, 21:41 Uhr

Trump telefoniert mit Emir Amerika will im Qatar-Konflikt vermitteln

In der Krise zwischen den arabischen Staaten haben schon Deutschland, Russland und Frankreich zum Dialog aufgerufen. Jetzt mischt sich auch Amerikas Präsident ein – und schließt sogar ein Treffen im Weißen Haus nicht aus.

© dpa Qatars Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani (rechts), mit dem saudischen König, Salman, in Doha im Dezember 2016

Die Vereinigten Staaten wollen in der Krise zwischen mehreren arabischen Staaten und Katar vermitteln. Präsident Donald Trump habe „seine Hilfe angeboten“, damit die Konfliktparteien „ihre Differenzen beilegen“, erklärte das Weiße Haus am Mittwoch. Auch die Bundesregierung rief alle Seiten zum Dialog auf. Der Sender CNN berichtete derweil, die Krise sei durch einen russischen Hackerangriff angefacht worden.

Trumps Vermittlungsangebot schließe - „falls erforderlich“ - auch ein Treffen im Weißen Haus ein, hieß es in der Erklärung aus Washington weiter. Das Weiße Haus äußerte sich nach einem Telefonat des Präsidenten mit dem Emir von Qatar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani.

Deutsche Botschaft in Doha im „Krisenmodus“

Bereits am Dienstagabend hatte Trump in einem Gespräch mit dem saudiarabischen König Salman die Notwendigkeit der Einheit der Golfstaaten betont, wie das Weiße Haus mitteilte. Kurz zuvor hatte Trump den Boykott des Golfemirats Qatar durch mehrere Nachbarländer noch als positives Resultat seiner Nahost-Politik beschrieben.

„Es ist die klare Auffassung der Bundesregierung, dass die Blockade eines Landes nicht zielführend ist“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Von dem Konflikt ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes eine dreistellige Zahl von Bundesbürgern betroffen. Die deutsche Botschaft in Doha sei im „Krisenmodus“ sagte der Sprecher des Außenamts, Martin Schäfer. Mögliche Auswirkungen auf die Versorgungslage seien noch nicht absehbar.

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„Wir alle sind daran interessiert, dass es zu keinen weiteren Eskalationen kommt“, sagte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) nach einem Gespräch mit seinem saudiarabischen Kollegen Adel al-Dschubeir in Berlin. Deutschland biete an, seinen Beitrag dazu zu leisten, wo immer dies möglich sei. „Wir werden alles unterstützen, was zu einer Deeskalation beiträgt.“ Zugleich betonte er das große Interesse Deutschlands am Erhalt der Anti-IS-Koalition.

Während auch Frankreich und Russland zum Dialog aufriefen, kam aus der Türkei Unterstützung für Qatar. Staatschef Recep Tayyip Erdogan sagte, die gegen Qatar ergriffenen Sanktionen seien „nicht gut“. Die Türkei werde ihre Verbindungen zu Qatar weiter entwickeln.

Beruht die Krise auf Fake News?

Derweil versuchte der Emir von Kuwait zu vermitteln. Erste Gespräche von Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah mit Saudi-Arabiens König brachten jedoch keine Fortschritte. Der Außen-Staatsminister der Vereinigten Arabischen Emirate sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei den Maßnahmen gegen Katar gehe es nicht um einen „Regimewechsel“, sondern um eine „Änderung der Politik“. Zugleich warf Anwar Gargasch dem Nachbarland Katar vor, „der Haupt-Champion des Extremismus und Terrorismus in der Region“ zu sein.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar überraschend abgebrochen sowie den Verkehr über Luft-, Wasser- und Landwege eingestellt. Begründet wurde dies unter anderem mit Verbindungen Dohas zu „Terrororganisationen“. Am Dienstag schlossen sich auch Jordanien und Mauretanien dem Boykott Qatars an. Der Senegal rief am Mittwoch seinen Botschafter aus Qatar zurück.

© EPA, reuters Gabriel: Die Golfregion muss miteinander den IS bekämpfen

Der Sender CNN berichtete derweil unter Berufung auf Geheimdienstmitarbeiter, russische Hacker hätten eine „Fake News“-Geschichte bei der staatlichen Nachrichtenagentur Qatars platziert, die Saudi-Arabien und andere Staaten zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Katar veranlasst habe.

Laut CNN gab die Regierung Qatars an, dass der Medienbericht vom 23. Mai falsche Informationen hinsichtlich der qatarischen Führung beinhaltete, die dem Iran und Israel gegenüber freundlich schienen. Qatars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sagte CNN, das FBI habe den Hackerangriff und die „Fake News“-Geschichte bestätigt. Moskau wies die Vorwürfe zurück. In Qatar befindet sich der größte amerikanische Luftwaffenstützpunkt im Nahen Osten. Er gilt als bedeutend für den geführten Kampf gegen den IS.

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Von Reinhard Müller

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