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Trotz Ausgangssperre Nepal kommt nicht zur Ruhe

23.04.2006 ·  Die Opposition in Nepal ignoriert die Ausgangssperre. Trotz des gewaltsamen Vorgehens der Polizei demonstrieren Tausende gegen König Gyanendra und dessen Alleinherrschaft: „Gyanendra, Dieb, verlaß das Land!“

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Die Opposition in Nepal hat die Ausgangssperre am Wochenende ignoriert und trotz des gewaltsamen Vorgehens der Polizei wieder gegen König Gyanendra und dessen Alleinherrschaft demonstriert.

Am Sonntag versammelten sich die Demonstranten zunächst in den Außenbezirken der Hauptstadt Katmandu und protestierten mit Sprechchören lautstark gegen den König. Die Opposition hatte wieder einen Marsch zu seinem Palast angekündigt.

„Gyanendra, Dieb, verlaß das Land

Am Vortag waren mehr als 100.000 Menschen in das Zentrum der Stadt marschiert. Polizisten schossen auf die Demonstranten und gingen mit Tränengas gegen sie vor. Nach Angaben oppositioneller politischer Parteien wurden rund 150 Menschen verletzt, viele wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

„Wir werden die Krone verbrennen und das Land führen“, rief die Menge am Sonntag immer wieder und: „Gyanendra, Dieb, verlaß das Land.“ Den Demonstranten gegenüber standen Polizisten mit Schutzschilden und Schlagstöcken, dahinter eine Reihe Soldaten mit Sturmgewehren. Sie hatten die Anweisung, zu schießen, falls die Menge durch die Reihen der Polizei brechen sollte.

Unruhen seit zweieinhalb Wochen

Einige Demonstranten forderten die Einsatzkräfte auf, sich auf ihre Seite zu stellen. „Polizei und Soldaten, ihr seid unsere Brüder - erschießt Gyanendra“, riefen sie ihnen zu. Zunächst verliefen die Proteste am Sonntag friedlicher als an den Vortagen. Augenzeugen sprachen von drei Verletzten.

Die Unruhen in dem Königreich halten seit zweieinhalb Wochen an. Die Demonstranten fordern eine neue Verfassung, die die Macht von König Gyanendra begrenzen soll.

Bislang mindestens zwölf Tote

Gyanendra hatte in der vergangenen Woche auf den Druck hin Zugeständnisse gemacht. So bot er dem Oppositionsbündnis aus sieben Parteien an, einen Ministerpräsidenten vorzuschlagen. Künftig könne ein Ministerrat „die Verantwortung tragen, das Land gemäß der Verfassung zu regieren“, sagte der König.

Das aber geht der Opposition nicht weit genug. Die Erklärung Gyanendras sei bedeutungslos, sagte der frühere Ministerpräsident Girija Prasad Koirala. Er gehört dem Nepalesischen Kongreß an, der größten Partei im Oppositionsbündnis. „Die königliche Proklamation ist eine Schande“, riefen Demonstranten. Der 30 Jahre alte Naresh Thapa, einer der Demonstranten vom Sonntag, sagte: „Der König möchte sich gern aus der Affäre schleichen, aber was er angeboten hat, reicht nicht.“

Bei den Auseinandersetzungen sind bislang mindestens zwölf Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Der König hatte im Februar 2005 die Regierung entlassen und selbst die Macht übernommen. Sein erklärtes Ziel war es, einen seit Jahrzehnten anhaltenden Aufstand maoistischer Rebellen niederzuschlagen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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