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Gesprächsversuche : Nordkorea geht nicht ans Telefon

Beschäftigter Mann: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un in einer Kimchi-Fabrik in Pjöngjang. Bild: AFP

Pjöngjang signalisiert Offenheit, Südkorea bietet ein Treffen an. Bislang gibt es darauf jedoch keine Reaktion. Könnte das trotzdem der Beginn der Annäherung sein?

          Um 9 Uhr und um 16 Uhr klingelte am Dienstag im innerkoreanischen Grenzort Panmunjom das Telefon. Am Vortag hatte Nordkoreas Führer Kim Jong-un den Willen bekundet, dass sein Land an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilnehmen wolle. Nun suchte Südkorea über eine direkte Telefonleitung den Kontakt mit dem Norden. Doch wie schon in den vergangenen fast zwei Jahren blieb die Leitung stumm. Im Norden nahm niemand den Hörer ab. Noch ist Pjöngjang nicht bereit, zu den früher üblichen Formen des Miteinanders zurückzukehren.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Dabei hatte die Gesprächsofferte Kims in der südkoreanischen Regierung für einen frohen Jahresbeginn und offene Arme gesorgt. Präsident Moon Jae-in wies seine Minister an, umgehend zu reagieren. Ohne Zeit zu verlieren, schlug Vereinigungsminister Cho Myong-gyon dem Norden vor, dass man sich schon am 9. Januar eben in Panmunjom treffen solle. Es gebe keine Vorbedingungen für das Treffen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums dieser Zeitung. Eine offene Diskussion über Themen gemeinsamen Interesses wünscht sich die Regierung in Seoul und meint damit auch Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Das freilich ist unwahrscheinlich, weil Nordkorea seit Jahren Gespräche darüber ablehnt.

          Streit über Industriepark Kaesong

          Ein Treffen vielleicht schon kommende Woche wäre das erste Mal seit Dezember 2015, dass beide koreanische Staaten auf ranghoher Ebene miteinander sprächen. Die letzte Runde kam zu keinem Ergebnis, weil man sich nicht auf die Gesprächsthemen einigen konnte. Südkorea wollte unter anderem über Details der Zusammenarbeit im Industriepark Kaesong sprechen, Nordkorea über die Wiederaufnahme der Tourismuskooperation am Berg Kumgang. Am Jahresbeginn 2016 erreichten die Beziehungen der Staaten dann einen Tiefpunkt, von dem sie sich noch nicht erholt haben.

          Nach dem vierten Atomtest Nordkoreas untersagte die damalige konservative Regierung Südkoreas „zeitweise“ den Zugang zum Industriepark Kaesong, in dem auf nordkoreanischem Boden nordkoreanische Arbeiter und südkoreanisches Kapital zusammen wirtschafteten. Auch aus Verärgerung über die faktische Schließung des Industrieparks, der wertvolle Devisen in den Norden spülte, brach Nordkorea daraufhin die Kontakte mit der Regierung des Südens ab.

          In Zeiten der Annäherung: Südkoreas Präsident Roh Moo-hyun (links) mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il (rechts) 2007.
          In Zeiten der Annäherung: Südkoreas Präsident Roh Moo-hyun (links) mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il (rechts) 2007. : Bild: AFP

          Mit Kaesong, das heute brach liegt, endete das letzte Projekt einer hoffnungsfrohen Phase der Zusammenarbeit beider Koreas, die von 1998 bis 2008 unter den linksliberalen Präsidenten Kim Dae-jung und Roh Moo-hyun als Sonnenscheinpolitik bekannt und mit der Ostpolitik Willy Brandts verglichen wurde. Der Süden lockerte damals die harte Linie gegenüber Nordkorea, gab humanitäre und Finanzhilfen und setzte auf Zusammenarbeit, um auf lange Sicht eine gleichberechtigte Vereinigung Koreas herbeizuführen. Die Tourismusregion im Kumgang-Gebirge, in der Südkoreaner in Nordkorea urlaubten und Geld ließen, und der Industriepark Kaseong symbolisierten die wirtschaftliche Zusammenarbeit dieser Jahre. Mehrere Treffen getrennter Familien stehen für die humanitäre Komponente.

          Zwei Gipfeltreffen 2000 und 2007 der südkoreanischen Präsidenten mit dem damaligen Herrscher Nordkoreas, Kim Jong-il, verdeutlichten die politische Annäherung. Im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche versuchten Amerika, China, Russland, Südkorea und Japan, Nordkorea durch Hilfszusagen zur Aufgabe seines Nuklearwaffenprogramms zu bewegen. Konservative in Südkorea und auch Amerikas derzeitige Regierung werten das als vergebliche Liebesmüh, weil Nordkorea die Gespräche nur zum Schein geführt habe, um Hilfen zu erpressen.

          In seinem Bemühen um den Dialog mit Nordkorea steht Moon, der ein enger politischer Vertrauter und Mitarbeiter von Präsident Roh war, fest in der Tradition der Sonnenscheinpolitik. Das Umfeld für Gespräche mit Nordkorea aber hat sich gewandelt. Die Offenheit des Nordens für die Sonnenscheinpolitik des Südens gründete zu einem guten Teil in den Wirtschaftskrisen und Hungersnöten der neunziger Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Außenwirtschaftsbeziehungen Nordkoreas. Heute aber agiert Nordkorea als selbsternannte Nuklearmacht unter dem Schutze Pekings. Südkoreas Ministerpräsident Lee Nak-yon deutete in Anspielung darauf an, dass Gespräche mit Pjöngjang schwieriger als früher werden dürften. Nordkorea könne eine „andere Behandlung“ verlangen, sagte Lee.

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          Wie einst die Sonnenscheinpolitik ruft Moons besonderes Bemühen um einen Dialog mit dem Norden bei den Verbündeten in Amerika oder in Japan den Verdacht hervor, dass der Linksliberale die harte Haltung gegen Pjöngjang unterminieren könne. Manche Analysten in Seoul werten die Gesprächsofferte Nordkoreas deshalb als Versuch auszutesten, wie weit sich ein Keil zwischen Seoul und Washington treiben ließe. Auf den Vorschlag Moons, gemeinsame Manöver zu verschieben, um die Olympischen Spiele in Südkorea im Februar und März nicht zu stören, reagierte Amerika verhalten. Amerikas Präsident Trump äußerte sich bei Twitter auf das Angebot Nordkoreas skeptisch: „Vielleicht sind das gute Nachrichten, vielleicht nicht.“ Wohl auch um den Eindruck eines Alleingangs zu vermeiden, verband Moon am Dienstag seine rasche Reaktion auf die Offerte Kims mit dem Hinweis, dass Verbesserungen der innerkoreanischen Beziehungen nicht von der Auflösung des nordkoreanischen Nuklearprogramms getrennt werden könnten.

          Quelle: F.A.Z.

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