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Trinidad Obama und die alten Männer

 ·  Handschlag mit Chávez, kalte Schulter für Ortega: Der amerikanische Präsident Obama sammelte Punkte beim Treffen der „Organisation Amerikanischer Staaten“ in Trinidad. Ein karibischer Gipfel als politisches Spiel - Satz und Sieg für den dynamischen Jungstar aus Amerika.

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Das erste Spiel auf neutralem Boden haben die Nordamerikaner unter ihrem neuen dynamischen Kapitän Barack Obama gegen die Jungs aus dem Süden unter ihrem schon etwas verbrauchten Antreiber Hugo Chávez mit zwei zu null gewonnen. Deshalb hat Chávez aus Venezuela, der immerhin gute Miene zum verlorenen Spiel machte, noch vor dem Abpfiff in Port-of-Spain in Trinidad zum Rückspiel in Havanna auf Kuba aufgefordert. Das war schon fast ein Befreiungsschlag aus Verzweiflung, ein Eingeständnis der klaren Niederlage seines Teams, dessen Spieler, vor allem der über die Jahre arg behäbig gewordene Daniel Ortega aus Nicaragua, sich viel zu spät vom Ball trennten – eine alte Fußballerkrankheit in Lateinamerika –, während die frische Mannschaft aus den Vereinigten Staaten den Ball betont flach hielt und mit moderner Raumdeckung und kurzen Pässen zum Erfolg kam.

Politik ist in Lateinamerika und auch in der Karibik meist mehr Spektakel, vergleichbar dem dortigen Lieblingssport, als das sachliche Ringen um bessere Problemlösungen. Deshalb muss man die Wahrnehmung des fünften Gipfels der „Organisation Amerikanischer Staaten“ (OAS) vom Wochenende eher mit der Reaktion auf ein Spitzenspiel oder gar ein Turnierfinale vergleichen, statt über die möglichen praktischen Folgen eines Gipfeltreffens von 34 Staats- und Regierungschefs nachzusinnen, das unter dem wohlmeinenden Motto „Förderung des menschlichen Fortschritts, der Energiesicherheit und der Umweltverträglichkeit“ stand.

Symbolische Korrekturen, politische Wirkungen

Die bestimmenden Persönlichkeiten der beiden Teams waren Obama und Chávez, der Erste ein junger Neuling mit riesigem Potential, der Zweite nach eigenem Eingeständnis von Port-of-Spain schon ein „alter Mann“, der den Zenit seiner Leistungsfähigkeit überschritten zu haben scheint. Obama verstand es, das uralte panamerikanische Streitthema Kuba zu entschärfen, indem er kurz vor dem Gipfel eine in der Substanz überschaubare, symbolisch aber weitreichende Korrektur an der Sanktionspolitik Washingtons gegen das kommunistische Regime in Havanna vornahm: Er hob per Dekret die von seinem Amtsvorgänger George W. Bush zwischen 2000 und 2008 schrittweise verschärften Einschränkungen für Heimatreisen und Geldüberweisungen an Verwandte für Exil-Kubaner auf.

Damit nahm er der von fast allen lateinamerikanischen und karibischen Staaten in der OAS vertretenen Forderung nach Aufhebung der Sanktionen gegen Kuba die Spitze. Und zwar mit dem in Port-of-Spain immer wieder vorgebrachten Argument, nach der Geste des guten Willens aus Washington liege der Ball nun im Feld der Kubaner, die ihrerseits zeigen müssten, dass sie zu demokratischen Reformen oder zur Freilassung politischer Gefangener bereit seien. Auch über die Wiederaufnahme Kubas, dessen Mitgliedschaft in der 1948 gegründeten OAS seit 1962 ruht, wurde in Port-of-Spain wenig gesprochen – ein weiterer Erfolg für Obamas Mannschaft.

Die Uhr läuft - gegen den abgestandenen Antiamerikanismus

Obwohl Chávez sich redlich bemühte, das Gipfeltreffen wie bei früherer Gelegenheit mit seinen rhetorisch hoch und weit geschlagenen Bällen zu prägen, stand er klar in Obamas Schatten. Der versprach nicht nur, er wolle zum Beginn einer neuen Ära der gleichberechtigten Partnerschaft mit Lateinamerika und der Karibik beim Gipfeltreffen von Trinidad vor allem zuhören, er hielt sich bei seinen Redebeiträgen strikt an das vom gastgebenden Ministerpräsidenten Patrick Manning festgelegte Zeitlimit von 15 Minuten.

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