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Traumatisiert in Afghanistan Immer mehr Soldaten suchen Hilfe

 ·  Die Zahl der Soldaten, die nach ihrem Einsatz in Afghanistan Hilfe wegen einer Traumatisierung in Anspruch nehmen, ist gestiegen. Verteidigungsminister Jung sagte, es handele sich um „knapp über zwei Prozent“ der Heimkehrer.

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Die Zahl der Soldaten, die nach dem Einsatz in Afghanistan Hilfe wegen einer Traumatisierung in Anspruch nehmen, ist gestiegen. Im Jahr 2008 wurden in Bundeswehr-Krankenhäusern 226 Soldaten wegen einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) behandelt. Das geht aus der Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Elke Hoff hervor. 2007 gab es mit 130 behandelten Soldaten fast 100 Fälle weniger, und 2006 meldeten sich sogar nur 55 Afghanistan-Heimkehrer bei den Ärzten. Fachleute gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele Betroffene versuchen, allein mit ihren Problemen fertig zu werden. Der Bundestag befasst sich voraussichtlich nächste Woche mit dem Thema.

Etwa ab 2006 hat sich die Sicherheitslage am Hindukusch zunehmend verschlechtert. Auch die Bundeswehr wurde seither immer öfter Ziel von Anschlägen. Traumatisierungen können durch Kriegserlebnisse und Gewalterfahrungen ausgelöst werden. Zu den typischen Symptomen gehören wiederkehrende Erinnerungen an das belastende Erlebnis, Depressionen, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Angstzustände, Suchtprobleme und ein Rückzug von der Umgebung. Im Ersten Weltkrieg wurde das Syndrom als „Kriegszittern“ bezeichnet. Auch aus dem Vietnam-Krieg und dem Irak-Krieg kehrten viele Soldaten traumatisiert zurück.

Wegen der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan werde die Zahl der traumatisierten Soldaten bei der Bundeswehr weiter steigen, sagte Frau Hoff. Die vorbeugenden Maßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten müssten daher deutlich verbessert werden. Besonders wichtig sei es, anonyme Hilfsangebote zu schaffen. In einem interfraktionellen Antrag wollen die Abgeordneten daher die Bundesregierung dazu auffordern, ein Kompetenz- und Forschungszentrum zur Behandlung traumatisierter Soldaten einzurichten sowie eine Hotline zu schalten, bei der sich Betroffene und Angehörige anonym Hilfe holen können.

Jung: „knapp über zwei Prozent“

Die FDP war 2007 mit einem ähnlichen Antrag noch gescheitert. Die Liberalen monierten damals, dass bei mehr als 7000 Soldaten im Auslandseinsatz nur gut 30 Betten in den psychiatrischen Abteilungen der Bundeswehr-Krankenhäuser bereitstünden. Jedes Jahr müssten aber gut 200 Soldaten den Auslandseinsatz wegen des psychischen Drucks vorzeitig beenden.

Die Bundeswehr nennt zwar keine Zahlen. Es gebe aber ausreichend Behandlungsplätze für alle Betroffenen, sagte Oberfeldarzt Tobias Gamberger vom Sanitätsdienst in München. Die Aufklärung über PTBS sei in den vergangenen zwei Jahren deutlich verstärkt worden. Vom Gefreiten bis zum General werde jeder Soldat in der Ausbildung darüber informiert. Die Soldaten hätten damit ein gutes Rüstzeug, um die Symptome einer Traumatisierung bei sich selbst oder ihren Kameraden zu erkennen und Alarm zu schlagen.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) beobachtet die wachsende Zahl schwer traumatisierter Afghanistan-Heimkehrer mit Sorge. „Ich nehme die Entwicklung sehr ernst“, sagte der Minister am Dienstag bei einem Besuch der 13. Panzergrenadierdivison in Leipzig. Jung appellierte an die betroffenen Soldaten, möglichst schnell einen Arzt aufzusuchen, wenn sie Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung fühlen. „Je früher dieses Rückkehrer-Trauma behandelt wird, desto besser ist es.“

Der Minister kündigte an, irgendwann ein „Kompetenz- und Forschungszentrum“ dazu einrichten zu wollen. Laut Jung leiden „knapp über zwei Prozent“ der Afghanistan-Heimkehrer unter diesem Trauma. Das sei deutlich mehr als der Gesamtdurchschnitt aller Soldaten im Einsatz. „Im Vergleich zu anderen Nationen stellt es sich immer noch ganz vernünftig dar“, sagte Jung. „Aber wir müssen uns auf diese Situation einstellen.“

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Von Klaus-Dieter Frankenberger

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