08.06.2004 · Tausende Menschen haben am Sarg von Ronald Reagan Abschied von dem früheren amerikanischen Präsidenten genommen. Die Vereinigten Staaten erleben ein Staatsbegräbnis im vollen protokollarischen Gepränge.
Tausende Menschen haben am Sarg von Ronald Reagan Abschied von dem früheren amerikanischen Präsidenten genommen. Aufgrund des großen Andrangs wurde die Trauerzeit in der „Reagan-Bibliothek“ im kalifornischen Simi Valley um fünf Stunden bis Dienstag abend verlängert. In diesem Museum nordwestlich von Los Angeles wird an Leben und Wirken des 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten erinnert.
Bevor die Halle mit dem aufgebahrten Toten am Montag abend für die Öffentlichkeit geöffnet wurde, gedachte die Familie Reagan in einer ersten Trauerfeier des Verstorbenen. Zahlreiche amtierende und ehemalige Politiker kündigten ihre Teilnahme an dem Staatsbegräbnis am Freitag in Washington an. In einem bewegenden Moment legte Reagans Witwe Nancy ihre Wange auf den mit der amerikanischen Flagge bedeckten Sarg. Es war der erste öffentliche Auftritt der 82jährigen nach dem Tod ihres Mannes am Samstag. Das Paar war 52 Jahre verheiratet.
„Ein großer Staatsmann“
Während der 15-minütigen Feier im engsten Familien- und Freundeskreis starrte Nancy Reagan mit versteinertem Gesicht auf den Sarg, während ihre Tochter Patti ihre Hand hielt. Der langjährige Seelsorger der Familie, Michael Wenning, nannte den Verstorbenen in seiner Trauerrede einen „großen Präsidenten und großen Staatsmann“. Seine Ehe sei ein „wundervolles Beispiel für alle im Land“ gewesen.
Nach der privaten Trauerfeier wurde die Halle für die Öffentlichkeit geöffnet. Tausende Menschen standen vor dem Gebäude kilometerlang Schlange. Unter den ersten Besuchern waren der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger und seine Frau Maria Shriver. Der Republikaner, der ebenso wie sein Vorbild Reagan von Hollywood in die Politik wechselte, legte eine weiße Rose vor dem Sarg ab.
Staatsbegräbnis in Washington
Ein Strom von Menschen - Alte ebenso wie Familien mit Kindern - drängte sich die ganze Nacht hindurch unablässig in die Präsidentenbibliothek. Viele weinten, als sie den Sarg sahen. Am Mittwoch sollte Reagans Leichnam nach Washington geflogen werden, wo der Sarg zwei Tage im Kapitol aufgebahrt wird.
Am Freitag soll der Verstorbene ein Staatsbegräbnis in Washington bekommen, bevor er schließlich bei Sonnenuntergang auf dem Gelände der Präsidentenbibliothek in Simi Valley im engsten Familienkreis beigesetzt wird.
Thatcher hat Rede aufgezeichnet
Bei dem Staatsakt in der National-Kathedrale sollen nach Angaben der Familie Reagan neben dem heutigen amerikanischen Präsidenten George W. Bush, sein Vater George Bush senior, der ehemalige kanadische Regierungschef Brian Mulroney sowie die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher Ansprachen halten. Thatcher zeichnete ihre Rede auf, wie aus ihrem Umfeld verlautete. Ihr Arzt habe der 78jährigen davon abgeraten, bei der Feier selbst zu sprechen.
Zu der Feier werden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet, darunter auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sowie alle noch lebenden früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten. Polen wird vom ehemaligen Staatschef Lech Walesa vertreten, wie das Präsidialamt in Warschau mitteilte.
Zum ersten Mal seit dem Trauerakt für Lyndon B. Johnson 1973 werden die Hauptstadt Washington, werden die Vereinigten Staaten ein amerikanisches Staatsbegräbnis im vollen protokollarischen Gepränge erleben. Zehntausende haben Ronald Reagan in dem malerisch auf einer Anhöhe gelegenen Präsidenten-Museum, von wo man bei klarem Wetter bis zum Pazifik hinuntersehen kann, beriets die letzte Ehre erweisen. Schon am Wochenende wurden Blumen niedergelegt.
Autokorso und Prozession
Von Simi Valley wird der Sarg, bedeckt mit dem „Star-Spangled Banner“, am Mittwoch morgen in einem Autokorso in der für solche Anlässe vorgeschriebenen Geschwindigkeit von etwa 33 Stundenkilometern zum nahe gelegenen Marinestützpunkt Point Mugu am Pazifik gefahren. Von dort wird der Sarg mit dem Präsidentenflugzeug „Air Force One“ zum Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington geflogen. Präsident Bush wird sein Dienstflugzeug zu diesem Zweck von Savannah in Georgia, wo an diesem Dienstag der G-8-Gipfel beginnt, nach Kalifornien schicken.
Am Mittwoch abend um sechs Uhr Ortszeit beginnt die feierliche Prozession des Autokorsos von dem Luftwaffenstützpunkt östlich der Hauptstadt in Richtung Kapitol, wo der Sarg in der Rotunde abermals aufgebahrt wird. Die letzten Meilen bis zum Kapitol entlang der Constitution Avenue wird der Sarg auf einer Lafette von einem Sechsspänner gezogen. Anschließend folgt ein Staatsakt.
Das Kapitol wird Mittwoch nacht, den ganzen Donnerstag und die Nacht zum Freitag geöffnet bleiben, um möglichst vielen die Gelegenheit zu geben, am Sarg vorbeizudefilieren. Am Freitag morgen schließlich erfolgt die Fahrt in einem Autokorso vom Kapitol zur National Cathedral, wo um 11.30 Uhr die Trauerfeier im Beisein der gesamten Regierung unter Präsident Bush, aller ehemaligen Präsidenten, der Militärführung und der maßgeblichen Mitglieder des Kongresses sowie zahlreicher Teilnehmer aus dem Ausland, unter ihnen auch Bundeskanzler Schröder, stattfindet. Die Predigt wird der neue amerikanische UN-Botschafter, John C. Danforth, halten. Er ist Pfarrer der anglikanischen Episkopal-Kirche und war Gouverneur für die Republikaner in Mississippi.