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Trauer um deutsche Soldaten Bundesregierung bekräftigt Engagement in Afghanistan

20.05.2007 ·  Afghanistans Präsident Karzai hat den Anschlag auf die Bundeswehr scharf verurteilt. Die Bundesregierung zeigt sich erschüttert, hält aber am Auftrag der Bundeswehr fest. Generalbundesanwältin Harms nahm Ermittlungen auf.

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Bundeskanzlerin Merkel, Außenminister Steinmeier und der SPD-Vorsitzende Beck haben in ihren Kondolenz-Erklärungen nach dem tödlichen Bombenattentat auf drei Bundeswehrsoldaten im afghanischen Kundus zu verstehen gegeben, Deutschland werde seine Unterstützung für den Aufbau Afghanistans fortführen.

Am Samstag hatte sich auf einem Markt in Kundus ein Selbstmordattentäter einer Gruppe von Bundeswehrsoldaten genähert, die dort für einen Einkauf ihre gepanzerten Fahrzeuge verlassen hatten. Der Attentäter riss drei Soldaten des Bundesamts für Wehrverwaltung und fünf afghanische Passanten in den Tod. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums wurden zudem 15 Zivilisten bei dem Anschlag verletzt. Vier der fünf verletzten deutschen Soldaten, darunter anderen zwei Schwerverletzte, sind am Sonntag mit einem Lazarett-Airbus der Luftwaffe auf dem Weg nach Deutschland.

Sie werden am späten Sonntagabend auf dem militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens eintreffen und dann in das Bundeswehrkrankenhaus nach Koblenz verlegt werden. Der fünfte verletzte Soldat wollte nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Kundus bleiben und seinen Einsatz fortsetzen.

„Fest entschlossen Auftrag fortzuführen“

Das Verteidigungsministerium kündigte an, für die drei Todesopfer solle nach ihrer Überführung eine Trauerfeier in Köln gehalten werden. Kanzlerin Merkel äußerte, die Bundeswehr leiste einen „wichtigen Beitrag zum Aufbau und zur Stabilisierung in Afghanistan“. Es sei das Ziel der Attentäter, „die bisher erzielten Erfolge dieses Aufbauprozesses zu zerstören“.

Die internationale Gemeinschaft sei aber „fest entschlossen“, die Hilfe für Afghanistan fortzuführen. Außenminister Steinmeier gab an, der Anschlag zeige, dass es in Afghanistan „keine vermeintlich ruhigen oder sicheren Zonen gebe“, der Auftrag der Bundeswehr im Norden des Landes sei „ein zentraler Beitrag zur Stabilisierung Afghanistans“. Beck sagte, die deutschen Soldaten sicherten in Afghanistan „zivile Aufbau- und Hilfsleistungen. Wegen dieser schwierigen und gefährlichen Leistungen sind wir dankbar und stolz auf sie“.

Seit Beginn des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan verloren dort 21 deutsche Soldaten ihr Leben. Mehr als die Hälfte starben durch Unfälle.

Karzai bekundet Anteilnahme

Der afghanische Präsident Hamid Karzai kondolierte den Angehörigen der Opfer Er bezeuge den Familien der Toten und der deutschen Regierung seine tiefempfundene Anteilnahme und bete für die rasche Genesung der verletzten Soldaten, erklärte Karzai am Sonntag.

„Die Feinde Afghanistans müssen verstehen, dass es ihnen nie gelingen wird, die schon erreichten Fortschritte in diesem Land mit ihren feigen Taten zu hintertreiben“, sagte Karzai.

Während bei einem zweiten Anschlag gegen die Bundeswehr außerhalb von Kundus am Samstag anscheinend niemand zu Schaden kam, gab es auch am Sonntag ein schweres Selbstmordattentat, das allerdings nicht im Zusammenhang mit der Bundeswehr stand. In Gardes, der Hauptstadt der südostafghanischen Provinz Paktias, wurden 14 Menschen getötet und mindestens 31 verletzt.

Generalbundesanwältin ermittelt

Generalbundesanwältin Monika Harms hat unterdessen Ermittlungen aufgenommen. „Wir haben nach dem Anschlag noch am Samstagmittag ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingeleitet und das Bundeskriminalamt mit den Ermittlungen beauftragt.“, bestätigte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Über Hintergründe und Täter habe man bisher allerdings noch keine weiteren Erkenntnisse.

Aus Kreisen des Bundesnachrichtendienstes (BND) will die „Bild am Sonntag“ erfahren haben, dass es schon seit dem vergangenen Jahr dringende Warnungen vor Selbstmordattentätern gegen das deutsche Wiederaufbauteam in Kundus gegeben habe. Die Stadt gelte als einzige Hochburg der Taliban-Rebellen im Norden. Immer wieder seien Attentäter in die Stadt geschleust worden.

„Das erfüllt uns mit Abscheu und Entsetzen“

Die getöteten Bundeswehr-Soldaten stammen nach Angaben von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), der das Attentat wie Politiker aus allen Parteien als „feigen Anschlag“ verurteilte, aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Jung äußerte seine „große Bestürzung und Betroffenheit“ über die „feigen Anschlägen“. Dieser „sinnlose Akt der Gewalt“ zeige „die Unmenschlichkeit von Extremisten und Kriminellen, die Zivilisten und Isaf-Truppen angreifen, die daran arbeiten, Afghanistan wiederaufzubauen“, sagte eine Sprecherin der Internationalen Schutztruppe Isaf.

Jung versicherte, die Bundeswehr werde ihren Auftrag weiterhin erfüllen. Er warnte davor, den Anschlag zu nutzen, um eine grundsätzliche Diskussion über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zu führen. Am Auftrag werde nichts geändert, sagte er. Jung rechtfertigte die ungeschützte Bewegungsfreiheit, die den Bundeswehrsoldaten auf dem Markt in Kundus zum Verhängnis wurde. Er sagte, es gelte, das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen. „Dazu ist es zwingend notwendig, die geschützten Fahrzeuge zu verlassen.“ An dieser Strategie halte man auch nach den Anschlägen fest.

Einsatz soll fortgesetzt werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich erschüttert über den „hinterhältigen“ Anschlag. „Dieser perfide Mord erfüllt uns alle mit Abscheu und Entsetzen“, sagte Frau Merkel. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen unserer Soldaten und der getöteten afghanischen Zivilisten. Den Verletzten wünschen wir eine rasche Genesung.“ Die Bundeswehr leiste einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und zur Stabilisierung in Afghanistan. Die Attentäter wollten die bisherigen Erfolge des Aufbauprozesses zerstören. Sie bekannte sich zur Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes. Die internationale Gemeinschaft sei fest entschlossen, „den Menschen in Afghanistan beim Aufbau einer guten Zukunft ihres Landes weiter zu helfen“.

Obwohl von Union, SPD, Grünen und FDP grundsätzlich Unterstützung für diese Linie kam, gibt es in der SPD offenbar auch Widerstände. Er erwarte Schwierigkeiten bei der Verlängerung des Einsatzmandats im Oktober, sagte der Außenpolitiker Rolf Mützenich der „Welt am Sonntag“. Den Abzug der deutschen Soldaten forderte die Linke. Der Außenpolitiker Wolfgang Gehrke unterstrich: „Aus diesem Krieg gibt es nur einen Ausweg: Die Kriegsteilnahme Schritt für Schritt zu beenden.“ Die Fraktionschefs Oskar Lafontaine und Gregor Gysi äußerten sich ähnlich.

Taliban bekennen sich

Die Taliban bezichtigen sich des Anschlages. Einer ihrer Sprecher, Zabiullah Mudschahid, nannte den militanten Taliban-Anhänger Mullah Jawad aus Baghlan als Täter. Der Polizeichef der Provinz, General Ajub Salangi, sagte, zwei Fahrzeuge der Bundeswehr hätten bei einer Patrouillenfahrt gehalten, um etwas an den Ständen zu kaufen. Als die Soldaten mit ihrem Übersetzer ausgestiegen seien, habe der Attentäter seinen Sprengsatz gezündet.

Es hatte vor der Tat schon Hinweise auf erhöhte Anschlagsgefahr gegeben. Allerdings bewegt sich die Bundeswehr in der Region ohnehin unter der höchsten Sicherheitsstufe. Die Soldaten, die der Wehrverwaltung angehören, waren zur „technischen Beschaffung“ in gepanzerten Fahrzeugen des Typs „Dingo“ bis zu dem Marktplatz gefahren und hatten diese dort verlassen. Das geschieht nach Jungs Angaben allwöchentlich, aber zu unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedlichen Routen. Als die Soldaten mit ihrem Übersetzer ausstiegen, zündete der Attentäter seinen Sprengsatz. Der Übersetzer wurde verletzt. Der Anschlag ereignete sich wenige Minuten nach zehn Uhr afghanischer Zeit. Zu der angegriffenen Patrouille gehörten zehn Soldaten der Bundeswehr.

Gefährlicher Einsatz

Es ist der folgenschwerste Überfall auf die Bundeswehr in Afghanistan seit vier Jahren. Im Juni 2003 waren vier deutsche Soldaten getötet und 29 verletzt worden, als ihr Bus in Kabul von einem Selbstmordkommando angegriffen wurde. Damals starben vier Bundeswehr-Soldaten, 29 wurden verletzt. Vor dem jüngsten Anschlag in Kundus hatte der Afghanistan-Einsatz schon 18 deutschen Soldaten das Leben gekostet. Zehn davon kamen gewaltsam ums Leben, acht bei Unfällen.

Derzeit sind knapp 3.200 deutsche Soldaten vor allem im Norden Afghanistans stationiert, der bisher als vergleichsweise ruhig galt. Zudem sind sechs Tornado-Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr im hart umkämpften Süden im Einsatz. Die Entsendung deutscher Armee-Einheiten in das bürgerkriegszerstörte Land ist innenpolitisch heftig umstritten. Kritiker betrachten den Tornado-Einsatz als direkte Kriegsbeteiligung. Das Bundesverfassungsgericht wird in den nächsten Monaten entscheiden, ob er vom Grundgesetz gedeckt ist. Nach Auffassung der klagenden Linksfraktion steht die Mission nicht im Einklang mit dem Auftrag der Bundeswehr innerhalb der Nato.

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