Der Anschlag auf eine jüdische Schule am Montag in Toulouse ist möglicherweise vom Attentäter gefilmt worden. Wie der französische Innenminister Claude Guéant am Dienstag mitteilte, trug der Mann „auf seiner blutigen Brust eine Art Kamera“, als er auf die Kinder schoss. Auf die Frage, ob der Täter die Szene aufgezeichnet habe, sagte Guéant: „Das können wir uns
vorstellen.“ Den Angaben nach durchsuchen die Behörden das Internet nach einem entsprechenden Video. Bisher seien jedoch keine
Spuren entdeckt worden, hieß es.
An diesem Dienstag soll der Opfer in allen Schulen Frankreichs mit einer Schweigeminute gedacht werden. In der Region herrscht die höchste Terrorwarnstufe. Es gebe ein „offensichtlich antisemitisches Motiv“ für die Tat, der drei Kinder und ein Lehrer zum Opfer fielen und die auf der ganzen Welt Entsetzen hervorrief, sagte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Am Montagabend nahmen tausende Menschen an einem Schweigemarsch in Paris teil.
Sarkozy setzte die höchste Stufe des Anti-Terrorplans Vigipirate in Kraft. Für die Region Midi-Pyrénées und mehrere angrenzende Departements würden besondere Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet. Zwar seien die Beweggründe des Täters noch unbekannt, aber ein antisemitischer Hintergrund „erscheint offensichtlich“, sagte der Staatschef.
Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, verfolgen die Behörden zwei mögliche Hauptfährten: eine islamistische und eine rechtsextreme. Demnach benutzte der Täter dieselbe Waffe vom Kaliber 11,43 Millimeter, mit der in den vergangenen Tagen bereits bei zwei Angriffen in Toulouse und in Montauban drei Fallschirmjäger ermordet worden waren.
Innenminister Claude Guéant sagte, weitere Anschläge seien nicht auszuschließen. Das Gefühl des Täters, bei allen drei Anschlägen problemlos
davongekommen zu sein, stärke sein Selbstvertrauen. Die Motive des
unbekannten Mannes sind nach wie vor unklar.
Sarkozy wollte am Dienstag die Vertreter der jüdischen und muslimischen Gemeinde in Frankreich gemeinsam empfangen. Es solle ein Zeichen gesetzt werden, dass „die ganze Republik an ihrer Seite ist“ und dafür, dass „jeder seinen Glauben und seine Andersartigkeit leben kann“.
In Paris führte ein Schweigemarsch vom Place de la République zum Place de la Bastille. Die überwiegend jungen Demonstranten trugen französische Fahnen und Schilder des Verbandes der jüdischen Studenten in Frankreich (UEJF). An dem Marsch nahmen unter anderen der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë und der Philosoph Bernard Henri-Lévy teil.
Zuvor hatten Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl, François Hollande, sowie zahlreiche Kabinettsmitglieder und weitere Politiker einen Gottesdienst in der Nazareth-Synagoge in Paris besucht. In Toulouse kamen die Mitglieder der jüdischen Gemeinde der Stadt in der jüdischen Schule Ozar Hatorah zusammen, um über Nacht eine Totenwache zu halten.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die Todesschüsse scharf. Er kondolierte den Angehörigen der vier Opfer und der jüdischen Gemeinde sowie der französischen Regierung und dem französischen Volk, wie sein Sprecher Martin Nesirky am Montag (Ortszeit) in New York erklärte.
Auch das Weiße Haus in Washington verurteilte „den schrecklichen Angriff“ aufs Schärfste. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um „gewaltsamen und mörderischen Antisemitismus“ handele. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte die Hoffnung, dass die Täter schnell gefunden werden: „Antisemitismus und Gewalt gegen jüdische Einrichtungen“ hätten in Europa keinen Platz.
Benedikt XVI. „zutiefst betroffen“
Auch Papst Benedikt XVI. zeigte sich „zutiefst betroffen“ und verurteilte die Tat. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach von einem „abscheulichen Verbrechen“. Das in Brüssel ansässige Rabbiner-Zentrum für Europa hob hervor, die jüdische Gemeinschaft lasse sich nicht einschüchtern.
Bei dem Angriff waren am Montagmorgen drei Schüler und ein Religionslehrer erschossen worden. Gegen 8.00 Uhr morgens hatte ein unbekannter Täter das Feue eröffnet: Er erschoss zunächst den Lehrer vor der Schule, ging dann auf das Gelände und schoss dort wahllos auf Erwachsene und Schüler, wie die Staatsanwaltschaft Toulouse mitteilte. Dabei starben die beiden Kinder des Lehrers sowie die Tochter des Schuldirektors.
Aus Sorge vor möglichen Terroranschlägen gilt in
Frankreich seit 2005 die zweithöchste Stufe des Alarmplans
„Vigipirate“. Sie sieht auf allen öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen,
Flugplätzen und selbst auf dem Pariser Eiffelturm Patrouillen von
Polizisten und Soldaten vor. Ausgerufen wurde die zweithöchste
Alarmstufe nach den Selbstmordanschlägen vom Juli 2005 in London,
denen mehr als 50 Personen zum Opfer fielen. Der Begriff „Vigipirate“
setzt sich aus „vigilance“ (Wachsamkeit) und „pirate“ (Seeräuber oder
Bandit) zusammen.
Ausgearbeitet wurde der Plan mit den Stufen gelb, orange, rot und
scharlachrot von der Abteilung Nationale Sicherheit (Secrétariat
général de la défense et de la sécurité nationale/SGDSN), das beim
Premierminister angesiedelt ist. 1981 ins Leben gerufen, wurde der
Plan in den Folgejahren mehrfach verschärft - besonders nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Amerika. Zuletzt waren für
Überwachungsmaßnahmen in Frankreich rund 3400 Polizisten und Soldaten
abgestellt.
Die von Präsident Nicolas Sarkozy am Montagabend für den Großraum
Toulouse erstmals verhängte höchste Alarmstufe verschärft die
Maßnahmen noch. Sie geht von unmittelbar bevorstehenden größeren
Anschlägen aus und sieht auch Kontrollen in Zügen oder
Luftraum-Beschränkungen vor.
Nach Angaben der zuständigen Präfektur Haute-Garonne sollen im
konkreten Fall vor allem die Sicherheitsmaßnahmen vor jüdischen und
muslimischen Einrichtungen, aber auch vor Schulen und
Einkaufszentren, Verwaltungszentren, Militäranlagen, Parkplätzen und
Verkehrsknotenpunkten verstärkt werden. Zudem sind Gepäck- und
Fahrzeugkontrollen möglich. Die für städtische Aufgaben zuständige
kommunale Polizei wird bewaffnet.
@ulla nachtmann///antisraelisch+anti"zionistisch"=antisemitisch?
nikolaus hesse (firenzass)
- 20.03.2012, 11:19 Uhr
11,43 Millimeter
Christian Tauber (CJTauber)
- 20.03.2012, 10:44 Uhr
Schlimm....
Uwe Wagner (view)
- 20.03.2012, 09:43 Uhr
