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Tod von Dag Hammarskjöld : Spuren eines Komplotts

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UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld im Mai 1953 Bild: Picture-Alliance

Im September 1961 kam der damalige UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Eine Expertenkommission soll nun neue Beweise prüfen - die auch auf eine Verschwörung unter Beteiligung westlicher Geheimdienste hindeuten könnten.

          Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Flugzeugabsturz von Dag Hammarskjöld wird der Tod des damaligen UN-Generalsekretärs noch einmal untersucht. Ban Ki Moon, Nachfolger des Schweden im höchsten Amt der Vereinten Nationen, hat am Montag in New York eine Expertenkommission berufen, die neue Beweise prüfen soll.

          Hammarskjöld war in der Nacht zum 18. September 1961 mit 15 anderen Menschen bei einem Flugzeugabsturz über dem heutigen Sambia ums Leben gekommen. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen konnte damals keine Ursache für das Unglück finden. Ein Fehler der übermüdeten Piloten wurde für möglich gehalten. Aber auch Sabotage wurde nicht ausgeschlossen.

          Chef der nun eingesetzten dreiköpfigen Kommission ist Mohamed Chande Othman, früher der oberste Richter Tansanias. Ihm zur Seite stehen die australische Luftfahrtexpertin und Pilotin Kerryn Macaulay und der Ballistikfachmann und Interpol-Berater Henrik Larsen aus Dänemark. Ban rief alle UN-Staaten auf, jegliches Beweismaterial freizugeben, das die Wahrheit ans Licht bringen könnte. Insbesondere von Unterlagen des amerikanischen Geheimdienstes NSA werden neue Erkenntnisse erhofft.

          Die Untersuchung einer internationalen Juristenkommission, auf deren Grundlage die neuen Ermittlungen nun stattfinden, sieht in ihrem Bericht nämlich Beweise für eine „physische Präsenz der Vereinigten Staaten“ am Flughafen Ndola in der Nähe der Absturzstelle. Daher sei es sehr wahrscheinlich, dass die NSA und möglicherweise auch die CIA den Funkverkehr in der besagten Nacht abgehört hätten. Außerdem kommt die Kommission zu dem Schluss, dass es „überzeugende Beweise“ gebe, dass Hammarskjölds Flugzeug „einer Form von Angriff oder Bedrohung“ ausgesetzt gewesen sei, als es zum Landeanflug in Ndola ansetzte.

          „Es wird für nötig gehalten, Hammarskjöld zu entfernen“

          Die Kommission beruft sich dabei unter anderem auf den südafrikanischen Ausschuss für Wahrheit und Versöhnung. Dieser legte im August 1998 Dokumente vor, die ein Mordkomplott gegen Hammarskjöld vermuten ließen. In den Geheimdienstdokumenten, die sich mit einer Operation namens „Wie geht es Celeste?“ befassten, war die Rede davon, Sprengstoff im Radkasten eines Flugzeugs anzubringen, der beim Einfahren der Räder nach dem Start explodieren sollte. Wegen eines Fehlers sei dies aber erst beim Ausfahren der Räder während der Landung geschehen. In den Schriftstücken, die den Angaben zufolge neben einer Beteiligung des südafrikanischen auch auf die eines amerikanischen und eines britischen Geheimdienstes hindeuteten, hieß es zudem: „Es wird für nötig gehalten, Hammarskjöld zu entfernen.“ Washington und London teilten 1998 mit, CIA und MI 5 hätten an dem Anschlag nicht mitgewirkt.

          In den Briefen äußerten die Agenten, dass Hammarskjölds damalige Rolle als Vermittler im Bürgerkrieg in Kongo als störend empfunden worden sei. Den Vereinten Nationen wurden zu dieser Zeit Sympathien für die katangischen Sezessionisten nachgesagt. Gegen eine Abspaltung der rohstoffreichen Provinz Katanga sträubten sich jedoch die Vereinigten Staaten sowie Großbritannien und Südafrika. Hammarskjöld wollte in Ndola mit dem katangischen Rebellenführer Tschombe über eine Rückkehr der Provinz in ein föderalistisches Kongo verhandeln wollte. In der ehemaligen belgischen Kolonie hatte der Generalsekretär die Verantwortung für einen der ersten Blauhelm-Einsätze in der Geschichte der UN.

          Schnell geriet er dort nicht nur zwischen die innerkongolesischen Fronten, sondern auch die der Parteien des Kalten Kriegs: Die Amerikaner unterstützten dabei den Staatspräsidenten Kasavubu, während die Sowjetunion Ministerpräsident Lumumba favorisierte. Kaum hatte Lumumba nach der Unabhängigkeit im Juni 1960 mühsam die erste Zentralregierung gebildet, kam es zu Ausschreitungen und gewaltsamen Aktionen: Die Armee meuterte, ethnisch motivierte Aufstände schwächten den Staat; schließlich betrieb auch Katanga seine Abspaltung.

          Es folgte ein fast drei Jahre dauernder Krieg, den erst der spätere Staatschef, General Mobutu, beenden konnte. Mit wechselnden internationalen Allianzen versuchte Hammarskjöld, Frieden zu stiften. Eine Bevorzugung einer der Konfliktparteien ließ sich dabei nicht klar erkennen. Zum Beispiel stellte sich der Westen einmütig hinter den Generalsekretär, dessen Abberufung Moskau nach dem Mord an Lumuba verlangt hatte. Ähnlich wie die Umstände des Todes des UN-Generalsekretärs sind auch die Lumumbas nie ganz geklärt worden. Die UN machten die Führung Katangas verantwortlich, während andere den amerikanischen Geheimdienst CIA am Werk sahen - wenn auch ohne Erfolg: Ein in einer Zahnpastatube verstecktes Gift habe wegen zu langer Lagerung nicht mehr wirken können.

          Quelle: klau./hcr./dpa

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