Home
http://www.faz.net/-gq5-75fof
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Tod vergewaltigter Studentin Zahlreiche Silvesterfeiern in Indien abgesagt

In Indien sind nach dem Tod einer vergewaltigten Studentin zahlreiche Silvesterfeiern abgesagt worden. Auch das Militär strich alle geplanten Feierlichkeiten.

© REUTERS Vergrößern „2013 keine Vergewaltigungen“ – eine Studentin betet während einer Mahnwache für die nach einer Vergewaltigung gestorbene Studentin.

Nach dem Tod der vergewaltigten Inderin haben große Traditionsclubs in der Hauptstadt Neu Delhi ihre Silvesterpartys abgesagt. „Unsere Mitglieder glauben, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für eine laute Feier ist“, sagte der Vorsitzende des 7000 Mitglieder starken Vasant-Vihar-Clubs, Sudhir Mittal, am Montag. Stattdessen sollte am Abend in Gedenken an das 23 Jahre alte Opfer eine Kerzenmahnwache abgehalten werden.

Der ebenso große, 99 Jahre alte Gymkhana-Club strich seine traditionelle Silvesterparty ebenfalls. Dort treten zum Jahresende normalerweise Bollywood-Stars auf. Man trauere gemeinsam mit dem Rest des Landes um die junge Frau, die am Samstag an ihren Verletzungen gestorben war, sagte Club-Chef O.P. Malhotra. Die Mitglieder seien stattdessen eingeladen, an einer Kerzenmahnwache teilzunehmen.

Auch das staatliche Ashok Hotel sagte seine Silvesterparty ab. Die „Economic Times“ berichtete, bei privaten Hotels seien Buchungen für Partys zurückgegangen, weil den Menschen nach dem furchtbaren Verbrechen nicht nach Feiern zumute sei. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sagte die indische Armee alle geplanten Feiern ab, um „den letzten Tag des Jahres dem Opfer der Gruppenvergewaltigung zu widmen“. Auch Hotels und Bars fuhren ihr Silvesterprogramm zurück.

„Wir wollen die Angeklagten hängen sehen“

Die 23 Jahre alte Studentin war am 16. Dezember in einem Bus in Neu Delhi von mehreren Männern brutal vergewaltigt und misshandelt worden. Auch ihr Freund wurde schwer verletzt. Beide Opfer wurden anschließend aus dem fahrenden Bus geworfen. Am Samstag erlag die junge Frau in dem Krankenhaus in Singapur ihren Verletzungen, am Sonntag wurde sie in Neu Delhi eingeäschert.

Nach dem Tod der von sechs Männern vergewaltigten Inderin hat die Familie des Opfers die Todesstrafe für die Täter gefordert. „Wir wollen alle Angeklagten hängen sehen, und wir werden dafür kämpfen bis zum Ende“, sagte der Bruder der verstorbenen Frau der Zeitung „Indian Express“ vom Montag. Sechs Männer sind für die Tat wegen Mordes angeklagt. In Indien gibt es die Todesstrafe, sie wird aber nur selten vollstreckt. Nach Polizeiangaben sind die Ermittlungen beinahe abgeschlossen. Die Beamten warteten derzeit noch auf den forensischen Bericht der Ärzte aus Singapur. Anschließend werde ein Gericht entscheiden, wann es zum Prozess komme.

Das Verbrechen an der Studentin löste in Indien eine Diskussion über sexuelle Gewalt gegen Frauen aus und führte zu heftigen Protesten. Auch am Montag versammelten sich rund 400 Studenten in Neu Delhi, um einen besseren Schutz von Frauen sowie härtere Strafen für Täter zu fordern.

Vor dem Hintergrund der Proteste gab Regierungschef Manmohan Singh eine Neubewertung der Strafen für Sexualverbrechen in Auftrag. Medienberichten vom Montag zufolge könnte Singhs Kongresspartei ein Strafmaß von 30 Jahren Haft sowie eine chemische Kastration für Vergewaltiger vorschlagen. Der Familie der Studentin sagte die Regierung eine Entschädigung von 1,5 Millionen Rupien (20.000 Euro) zu.

Quelle: DPA/AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Indische Marsmission Ein Land auf der richtigen Umlaufbahn

Indien hat es preiswert zum Mars geschafft. Und fast alle Inder sind mächtig stolz auf die Wissenschaftler ihres Landes. Alle Systeme der Raumsonde funktionieren. Mangalyaan hat nun auch das erste Bild von der Marsoberfläche zur Erde geschickt. Mehr Von Michael Radunski, Delhi

25.09.2014, 15:17 Uhr | Wissen
Amtseinführung von Narendra Modi

Sein Name riss auch am Montag viele Inder zu Begeisterungsstürmen hin: Narendra Modi, neuer Regierungschef in einem der wichtigsten Schwellenländer der Welt, legte in einer öffentlichen Zeremonie in Neu-Delhi seinen Amtseid ab. Mehr

27.05.2014, 12:13 Uhr | Politik
Nach Festnahmen in Australien IS-Terror macht den Asiaten Angst

Gerade in muslimischen Ländern der Region, aber auch in Australien und Indien rekrutieren radikale Islamisten Anhänger. Einige wollen ein Kalifat von Indien bis Burma schaffen, andere eines von Südthailand über Singapur bis zu den Philippinen. Mehr Von Christoph Hein, Singapur

18.09.2014, 07:01 Uhr | Politik
Unschuldig verurteilte Halbbrüder frei nach 30 Jahren Haft

Zwei Brüder waren seit 1983 in den USA inhaftiert, wegen Vergewaltigung und Mordes. Zu Unrecht, wie jetzt festgestellt wurde. Ein DNA-Test hatte die Halbbrüder entlastet. Mehr

04.09.2014, 09:26 Uhr | Gesellschaft
Vorwurf der Vergewaltigung Karl Dall muss vor Gericht

Eine Frau beschuldigt den Komiker Karl Dall, sie in einem Hotel in Zürich zum Sex gezwungen haben. Dall weist den Vorwurf zurück. Jetzt muss er vor Gericht. Mehr

23.09.2014, 15:33 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.12.2012, 13:34 Uhr

Zur Sanierung verdammt

Von Johannes Leithäuser, Berlin

Die Pannen bei der Bundeswehr kommen genau richtig: Lange nicht mehr waren die Deutschen so sensibel für sicherheitspolitische Bedrohungen wie derzeit. Das Desaster könnte deshalb eine Chance sein, die Armee endlich besser zu machen. Mehr 88 25