14.03.2010 · Anhänger des ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin drohen das öffentliche Leben Bangkoks lahmzulegen. 80.000 von ihnen befinden sich in der Stadt. Die Polizei rechnet zum Sonntagabend mit der doppelten Anzahl von Demonstranten.
In der thailändischen Hauptstadt Bangkok demonstrieren Zehntausende Demonstranten gegen die Regierung. Rund 80.000 Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra strömten am Sonntag in die Hauptstadt und stellten der vom Militär gestützten Staatsführung ein Ultimatum: Sollte die Regierung nicht innerhalb der nächsten 24 Stunden vorgezogene Wahlen ausrufen, werde das Leben in der Hauptstadt durch Massenproteste massiv gestört. Die Polizei rechnete zum Sonntagabend mit einer knappen Verdopplung der „Rothemden“, wie die Thaksin-Anhänger wegen ihre bevorzugten roten Kleidung genannt werden. Rund 50.000 Soldaten und Polizisten sind in Bangkok im Einsatz.
Die Demonstranten drohen unter anderem mit einem Marsch auf eine Kaserne, in der sich Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva seit einigen Tagen aufhält. Dieser wies die Forderungen in einer Rundfunkansprache am Samstag zurück: Eine Auflösung des Parlaments würde nur zu neuen Problemen führen, sagte Abhisit. Es wird zwar befürchtet, dass die Demonstrationen noch Tage andauern und auch in Gewalt ausufern könnten. Beobachter rechnen aber damit, dass Ministerpräsident Abhisit die Proteste durchstehen wird.
„Diese Regierung macht mich wütend“
Mehrere Hauptstraßen nahe des Regierungssitzes waren am Sonntag durch Autos der Demonstranten oder Soldaten und Polizisten blockiert. Vor allem im historischen Zentrum von Bangkok versammelten sich die Protestler. „Diese Regierung macht mich wütend. Eigentlich habe ich mich nie besonders für Politik interessiert, bis klar wurde, dass sich Politiker auf Kosten von Menschen wie uns an die Macht klammern“, sagte ein Bauer aus dem Nordosten, wo viele Anhänger des millionenschweren ehemaligen Telekommunikations-Magnaten Thaksin leben. Der Protest verläuft dennoch friedlich, einige Demonstranten tanzten und sangen.
2009 hatten Anhänger des wegen Bestechlichkeit verurteilten Thaksins unter anderem fast drei Wochen lang den Regierungssitz blockiert. In ihren Augen ist der aktuelle Ministerpräsident unrechtmäßig an die Spitze der Regierung gelangt. Thaksin wird vor allem von der verarmten Landbevölkerung unterstützt. In einem Telefonanruf bei einem Radiosender der Opposition wies er Gerüchte zurück, wonach er aus seinem Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgewiesen worden sei. Thaksin sagte, er befinde sich zurzeit auf einer Europareise.