26.11.2008 · Tausende regierungsfeindliche Demonstranten blockieren den Flughafen von Bangkok. Zahlreiche Reisende sitzen dort fest. Das Auswärtige Amt empfahl Bundesbürgern, den Flughafen vorerst zu meiden. Zwei Reiseveranstalter strichen ihre Flüge komplett.
Die innerpolitische Krise in Thailand spitzt sich zu: Regierungsfeindliche Demonstranten haben in Bangkok auf Anhänger von Premierminister Somchai Wongsawat geschossen und mindestens elf Menschen verletzt. Die Opfer waren überwiegend Taxifahrer, die sich mit roten Stirnbändern zur Regierung bekannt hatten. Wegen der Demonstrationen der Regierungsgegner vor dem internationalen Terminal in Bangkok wurde der Flughafen am Dienstag geschlossen.
Tausende Reisende sitzen dort nun fest. Nach Angaben des Flughafendirektors warten inzwischen rund 3000 Menschen auf ihre Flüge, die wegen des Eindringens der Demonstranten auf das Flughafengeländes ausfielen. Insgesamt wurden bis Mittwochmorgen (Ortszeit) 73 Flüge abgesagt. Medienberichten zufolge stürmten die Regierungsgegner sogar den Tower des Flughafens. Als eine der letzten konnte die Lufthansa-Maschine nach Frankfurt den Flughafen am Dienstagabend noch verlassen.
Militärregierung fordert Regierung zum Rücktritt auf
Das Auswärtige Amt empfahl Bundesbürgern, den internationalen Flughafen in Bangkok vorerst zu meiden. Ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin sagte, die künftige Entwicklung sei „unkontrollierbar“. Das Auswärtige Amt hat nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse, ob und wie viele Deutsche sich am Mittwoch noch am Flughafen aufhielten. Bislang habe es keine Bitten um konsularische Betreuung gegeben.
Thailands Militärchef hatte unterdessen die Regierung am Mittwoch aufgefordert, zurückzutreten, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Diese Forderung wies die Regierung aber umgehend zurück. Auch würden weder das Parlament aufgelöst noch Neuwahlen ausgerufen, sagte ein Regierungssprecher. Ministerpräsident Somchai Wongsawat habe wiederholt erklärt, Regierung wie Parlament seien demokratisch gewählt und würden deswegen im Amt bleiben. Die Armee um ihren Chef Anupong Paochinda forderte zudem die Demonstranten auf, ihre seit Wochen anhaltenden Proteste zu beenden und den besetzten Flughafen zu räumen.
Deutsche Reiseveranstalter streichen Flüge nach Bangkok
Die Fernreisespezialisten Meier's Weltreisen und Dertours strichen ihre Flüge über oder nach Bangkok für Mittwoch und Donnerstag. Von der Regelung seien rund 200 Passagiere betroffen, teilten die Unternehmen in Frankfurt mit. Nicht betroffen seien andere Ziele in Thailand wie zum Beispiel Phuket. Die derzeit rund 2000 Touristen, die sich in dem südostasiatischen Land aufhielten, seien alle wohlauf, berichteten die Reiseveranstalter. Russland und Taiwan gaben inzwischen Reisewarnungen für Thailand heraus.
Bei Explosionen auf den Parkplätzen vor dem Flughafen wurden am Mittwochmorgen mindestens vier Menschen verletzt, berichtete der Rundfunk. Die Polizei griff nicht ein. Die Demonstranten wollen mit der Blockade des internationalen Flughafens die für Mittwoch geplante Rückkehr des umstrittenen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat verhindern, der vom Apec-Gipfel in Peru zurück in Thailand erwartet wurde.
„Ich fordere unsere Leute heute auf, auf die Straße zu gehen“
Mit der Blockade des Internationalen Flughafens hat sich die innenpolitische Krise in Thailand weiter zugespitzt. „Wir haben gesiegt“, jubelte Oppositionsführer Chamlong Srimuang. Sein außerparlamentarisches Bündnis Pad versucht seit Wochen, Ministerpräsident Somchai zum Rücktritt zu zwingen. Zudem rief man nach Angaben der Zeitung „The Nation“ dazu auf, auch den Flughafen in Pattaya zu besetzen. Dort soll Regierungschef Somchai angeblich landen.
Schon während des Tages hatten Tausende die Zufahrtsstraßen zum Flughafen Suvarnabhumi blockiert. Unterdessen rief die Regierungspartei ihrerseits zu einer Großdemonstration auf. „Ich fordere unsere Leute heute auf, auf die Straße zu gehen und unsere Haltung gegen einen Putsch zu demonstrieren“, sagte Jatuporn Propman, Parteimitglied und Anführer einer großen Pro-Regierungsorganisation. „Wir werden keine Gewalt anwenden, aber die Situation muss gelöst werden“, sagte eine Pad-Sprecherin.
Thailändische Regierung unterbindet Belagerungen nicht
Sicherheitskräfte stellten sich ihnen entgegen. Es gelang ihnen jedoch nicht, die Demonstranten vom Flughafengelände und von der Startbahn fernzuhalten. Das Oppositionsbündnis Pad wirft Regierungschefs Somchai vor, nur eine Marionette seines Schwagers, des vor zwei Jahren gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra, zu sein. Der frühere Ministerpräsident war wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.
Die thailändische Regierung unterband zuvor auch am zweiten Tag der Massendemonstrationen die Belagerung wichtiger öffentlicher Gebäude nicht. Ein Regierungssprecher sagte am Dienstag, das Kabinett sei handlungsfähig und treffe sich an einem geheimen Ort. Man werde versuchen, mit den Anführern der „Volksallianz für Demokratie“ (Pad) zu verhandeln, um zumindest in das Ersatzquartier im früheren internationalen Flughafengebäude zurückkehren zu können. Aus dem „Government House“ war die Regierung im August vertrieben worden.
Shinawatra kündigt aus Exil Machtübernahme an
Die Pad, die den Sturz der Regierung bis zu diesem Mittwoch angekündigt hatte, schickte am Dienstag Anhänger vor das Armee-Hauptquartier. Dort hatte sie das neue Quartier des Kabinetts vermutet. Man wolle jede Sitzung verhindern, mit der die Regierung das Land weiter ruiniere, sagte ein Pad-Sprecher. Die Regierung versucht offenbar, die Demonstranten ins Leere laufen zu lassen.
Unterdessen kündigte der im Exil lebende frühere Premierminister Thaksin Shinawatra an, wieder die Macht in Thailand übernehmen zu wollen. In einem Interview sagte er: „Mit mir könnten wir schnell das Vertrauen nach Thailand zurückbringen.“ Thaksin war im September 2006 aus dem Amt geputscht und unlängst zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Pad wirft dem amtierenden Premierminister Somchai Wongsawat vor, von Thaksin gesteuert zu werden.