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„Eine historische Menge Wasser“ : Trump im Kriseneinsatz in Texas

Dieses Kind musste mit der Familie das Haus in Houston (Texas) verlassen, nachdem es überflutet worden war. Bild: AFP

Präsident Donald Trump will an diesem Dienstag das Überschwemmungsgebiet in Texas besuchen. Findet er dort seine Rolle als Mutmacher? Oder erlebt Amerika nur einen weiteren Akt seiner One-Man-Show?

          Wirbelsturm Harvey beschert Donald Trump die erste Naturkatastrophe seiner Amtszeit – und damit eine Bewährungsprobe als Krisenhelfer der Nation. Der amerikanische Präsident wird heute Abend (MESZ) im Hochwassergebiet erwartet. In Begleitung seiner Frau Melania will er sich in den texanischen Städten Corpus Christi und Austin ein Bild von der Lage machen und den Menschen Mut zusprechen.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Die am schlimmsten betroffenen Gebiete wird Trump jedoch nicht besuchen. Er wolle die Rettungsarbeiten nicht stören, ließ der Präsident wissen. Und dennoch wird der Besuch im Katastrophengebiet den ohnehin überlasteten Secret Service ebenso vor eine Herausforderung stellen wie die lokalen Behörden.

          Tagelange, extreme Regenfälle haben in großen Teilen von Texas und Louisiana zu verheerendem Hochwasser geführt, das vor allen anderen die Millionenstadt Houston ins Chaos gestürzt hat. Ein Ende der Regenfälle ist ebenso wenig abzusehen wie das ganze Ausmaß der Katastrophe, die schon jetzt tausende Menschen obdachlos gemacht hat.

          „Die größte (Flut) aller Zeiten“

          Trotz allem – oder gerade deswegen – präsentiert sich Trump seit Tagen als Optimist. Auf Twitter verbreitet er Hoffnung: „Groß angelegte Rettungsoperationen sind im Gange!“ Er lobt den „unglaublichen“ Kampfgeist der Menschen und sucht die gute Nachricht zwischen allen schlechten: „Die gute Nachricht ist, dass wir große Talente vor Ort haben.“ Zugleich mischt sich in Trumps Tweets und Aussagen der für ihn typische Duktus des Größer, Schneller, Weiter. In einer Pressekonferenz am Montag verkündete der Präsident: „Wir werden das überstehen. Wir werden gestärkt daraus hervorgehen, und – glauben Sie mir – wir werden größer sein, besser, stärker als jemals zuvor.“

          Hundert Prozent Trump steckt auch in den Formulierungen, in denen der Präsident die Katastrophe beschreibt. „Niemand hat jemals so etwas gesehen“, twitterte er etwa. Oder: „Wow – Jetzt nennen Experten Harvey sogar eine Einmal-in-500-Jahren-Flut.“ Und auf der Pressekonferenz am Montag sprach er: „Es ist die größte aller Zeiten. Sie sagen, es sei die größte aller Zeiten. Sie ist historisch. Sie ist wie Texas. Sie ist wirklich wie Texas, wenn Sie mal darüber nachdenken. Aber es ist eine historische Menge Wasser.“

          Von Trumps eigenwilliger Sprache einmal abgesehen, schätzen auch Fachleute die Lage als sehr ernst ein. Das Nationale Hurrikanzentrum spricht von „beispiellosen Überschwemmungen“ nach den Regenfällen. Die Situation wird dadurch erschwert, dass zugleich eine Sturmflut an die Küste drückt und das Ablaufen des Regenwassers verhindert. Und der mutmaßliche Höhepunkt der Katastrophe ist noch nicht erreicht. Deswegen dürfte auch die Zahl der Todesopfer noch weiter klettern.

          Trump wird wissen, dass die Amerikaner sein Auftreten und seinen Beitrag zum Krisenmanagement aufmerksam verfolgen. Kein Präsident kann es sich leisten, eine Naturkatastrophe dieses Ausmaßes nicht mit höchster Priorität zu behandeln. Unvergessen bleibt „Katrinagate“, das Missmanagement der Hurrikan-Folgen. Im August 2005 versagten Behörden auf allen Ebenen. Die Hilfe der amerikanischen Regierung kam zu spät und zu schleppend. Sinnbildlich dafür war, dass der damalige Präsident George W. Bush seinen Urlaub erst am dritten Tag abbrach. Zunächst verteidigte Bush auch noch den Direktor der Katastrophenschutzagentur Fema, Michael Brown: „Brownie, Du leistest teuflisch gute Arbeit.” Als das ganze Ausmaß behördlichen Versagens klar wurde, war Brown jedoch nicht länger zu halten, am 12. September 2005 musste er zurücktreten. Das Lob fiel Bush damals auf die Füße. Hurrikan Katrina kostete mehr als 1800 Menschen das Leben.

          Aufmerksame Beobachter registrierten, dass auch Präsident Trump den derzeitigen Fema-Chef Brock Long bereits in höchsten Tönen lobte: „Sie leisten hervorragende Arbeit – die Welt schaut zu!“, twitterte er am Samstag.

          Wie seine Fähigkeiten als Krisenhelfer eingeschätzt werden, dürfte auch mit seinem Besuch im Überschwemmungsgebiet an diesem Dienstag zusammenhängen. Wird Trump dort seine Rolle finden, als Mutmacher in der ersten Katastrophe seiner Amtszeit, die er nicht selbst (mit-)verschuldet hat? Wird er den richtigen Ton treffen, den Helfern danken, den Betroffenen Trost und Mut zusprechen? Oder macht er das Überschwemmungsgebiet nur zur Kulisse für einen weiteren Akt seiner berüchtigten One-Man-Show, indem er über sich selbst spricht und damit prahlt, wie locker er bei der Präsidentenwahl in Texas und Louisiana seine Konkurrentin Hillary Clinton abhängte?

          Houston unter Wasser : Keine Entwarnung nach Hurrikan „Harvey“

          Quelle: FAZ.NET

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