15.08.2006 · Bei der Großfahndung nach mutmaßlichen islamistischen Terroristen hat die britische Polizei eine weitere Person festgenommen. In Großbritannien regt sich Widerstand gegen angebliche Pläne, Muslime an Flughäfen stärker zu kontrollieren.
Bei der Großfahndung nach weiteren mutmaßlichen islamistischen Terroristen hat die britische Polizei eine weitere Person festgenommen. Damit sind seit Donnerstag vergangener Woche im Zusammenhang mit geplanten Anschlägen auf Passagierflugzeuge insgesamt 25 Menschen festgesetzt worden. Wie Scotland Yard Dienstag abend mitteilte, erfolgte die neue Festnahme nördlich von London. Einzelheiten wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Insgesamt wurden 46 Wohnhäuser und Geschäftsräume durchsucht, darunter auch zwei Internet-Cafés. Unterdessen regt sich in Großbritannien heftiger Widerstand gegen angebliche Pläne der Regierung, Muslime an Flughäfen speziell zu kontrollieren. Das sei „für jeden widerwärtig“ und ein „neuer Angriff“ gegen Menschen, die wie Muslime aussehen, sagte Ali Dizaei, ein ranghoher muslimischer Polizeioffizier von Scotland Yard, am Dienstag der BBC. Der Rat der Muslime in Großbritannien nannte die Erwägungen eine „extreme Form der Stereotypisierung“.
„Fokus auf jungen muslimischen Männern“
Die Zeitung „The Times“ hatte berichtet, daß im Transportministerium erwogen werde, Passagiere, die sich verdächtig verhalten, einen ungewöhnlichen Reiseweg nehmen oder einen bestimmten religiösen oder ethnischen Hintergrund haben, besonders zu kontrollieren. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, es gebe schon heute „mehrstufige“ Sicherheitskontrollen, die jetzt eventuell angepaßt werden müßten. Details gab der Sprecher nicht bekannt.
Der ehemalige Scotland-Yard-Chef Lord Stevens sagte, das Chos bei der Abfertigung an den Flughäfen könnte vermindert werden, wenn man sich auf einige Passagiere konzentrieren würde. Der Fokus liege dabei „auf jungen muslimischen Männern“.
Ein Sprecher des Muslim-Rates warnte davor, daß sich die Regierung damit weiter von den Muslimen entfernen würde - eine Gruppe, mit der sie aber im Kampf gegen den Terror eng zusammenarbeiten müßte. „Die Regierung muß sehr, sehr vorsichtig sein, bevor sie so eine Maßnahme umsetzen will“, sagte der Sprecher.
British Airways sagt für Mittwoch wieder Flüge ab
Oppositionsführer David Cameron warf Blairs Regierung vor, zu wenig gegen den Terrorismus zu unternehmen. Die Anschläge seien „schockierend, aber nicht überraschend“ gewesen. Womöglich müßten Anti-Terror-Gesetze verschärft werden.
Der Terroralarm der vergangenen Woche wird auch an diesem Mittwoch noch den Luftverkehr in Großbritannien beeinträchtigen. British Airways sagte Dienstag abend 46 für Mittwoch geplante Starts von den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick ab. Die Fluggesellschaft hofft, am Donnerstag werde nur noch 18 Verbindungen streichen zu müssen.