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Terrorurteile von Madrid Nach Recht und Gesetz

01.11.2007 ·  Was weder nach dem 11. September in den Vereinigten Staaten noch später in London gelang, geschah nun in Madrid: Auf einer soliden Beweislage wurden mehrere islamistische Terroristen verurteilt. Leo Wieland kommentiert.

Von Leo Wieland
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Spanien ist das erste westliche Land, das nun nach Recht und Gesetz einen großen Prozess gegen den islamistischen Terrorismus zu Ende gebracht hat. Was bislang weder die Vereinigten Staaten nach dem 11. September 2001 noch Großbritannien nach dem 25. Juli 2005 vermochten, ist der spanischen Justiz gelungen: auf eine solide Beweislage gegründete Schuldsprüche gegen eine überwiegend aus Marokko stammende Gruppe von Fanatikern und ihre einheimischen Helfershelfer.

Der Prozess hat die Umstände erhellt, unter denen am 11. März 2004 das Massaker von Madrid verübt wurde, bei dem 191 Menschen umkamen. Alle wichtigen Täter sind identifiziert, ihre Motive und ihr Vorgehen weitgehend aufgeklärt. Der harte Kern, jene sieben damals von der Polizei gestellten Selbstmordterroristen, konnte nicht mehr belangt werden. Drei ihrer überlebenden Komplizen erhielten jedoch hohe und ein Dutzend Randfiguren empfindliche Strafen.

Die Inspiration stammt von Al Qaida

Über die Freisprüche, vor allem über die Entlassung eines als Drahtzieher verdächtigen Ägypters, sind viele enttäuscht. Bei ihnen aber reichten dem Gericht die Beweise eben nicht aus. Die Verurteilten sind zum Teil schlichte Gemüter, angeführt von „bekehrten“ Extremisten voller antiwestlicher Ressentiments. Einige waren frustrierte Immigranten aus dem Rauschgiftmilieu. Von dort kam auch das Geld für das Verbrechen. Skrupellose kleine spanische Gauner ohne Ideologie beschafften den Sprengstoff.

Mit der baskischen Eta hatte dieses Attentat, allen Verschwörungstheorien zum Trotz, nichts zu tun, wohl aber mit Al Qaida. Von ihr stammen die Inspiration, die Drohungen gegen Spanien und die Phantasien einer „Rückeroberung“ von Al Andalus. Der Irak-Krieg diente schließlich als Kristallisationspunkt und Vorwand für die Morde.

Drei Tage nach dem Anschlag erlitt die konservative Regierung Aznar eine Wahlniederlage. Das bleibt der größte Erfolg der Terroristen. Im Alltag reagierte die spanische Bevölkerung indes bemerkenswert besonnen und ohne Fremdenfeindlichkeit, obwohl die Bedrohung aus unmittelbarer Nachbarschaft nicht vorüber ist. Noch immer spüren die Sicherheitskräfte neue „Zellen“ auf. Fanatisierte „Gotteskrieger“ werden die Madrider Urteile wohl nicht abschrecken, vielleicht aber manchen lokalen Handlanger, sei er Muslim oder nicht.

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