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Terrorismus : Anführer von Al-Qaida in Ostafrika getötet

Fazul Abdallah Mohammed auf einem Fahndungsfoto des FBI aus dem Jahr 2004 Bild: dpa

Nach Usama Bin Ladin ist eine weitere Schlüsselfigur von Al Qaida getötet worden: Fazul Abdullah Mohammed galt als mutmaßlicher Drahtzieher der Terroranschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Dar es-Salaam im Jahr 1998.

          Der mutmaßliche Anführer des Terrornetzes Al Qaida in Ostafrika, der 38 Jahre alte Komorer Fazul Abdullah Mohammed, ist in der somalischen Hauptstadt Mogadischu getötet worden. Nach Angaben der somalischen Übergangsregierung war Fazul Abdullah zusammen mit einem bekannten Extremisten aus Kenia an einer Straßensperre im Süden der Stadt von Soldaten der Übergangsregierung gestoppt worden und bei dem anschließenden Feuergefecht ums Leben gekommen. Der Zwischenfall hatte sich bereits am Mittwoch vergangener Woche ereignet, war aber erst am Wochenende bekannt geworden.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die amerikanische Regierung bestätigte inzwischen den Tod des Komorers. Somalische Sicherheitskräfte hatten der Leiche Gewebeproben entnommen und den Amerikanern für eine DNA-Identifikation überlassen. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton, die sich am Montag in Tansania aufhielt, sagte, der Tod Fazuls sei ein „bedeutender Schlag“ gegen die Aktivitäten Al Qaidas in Afrika. Fazul habe ein „gerechtes Ende“ gefunden.

          Der Innenminister der Komoren, Ahamada Abdallah, zeigte sich am Montag „erleichtert“ über Fazuls Tod. „Der Mann hat uns großen Schaden zugefügt“, sagte Abdallah. Mutmaßlich als Reaktion auf Fazuls Tod wurde am Wochenende der somalische Innenminister Abdi Shakur Sheikh Hassan von einer Selbstmordattentäterin in seinem Haus in Mogadischu getötet. Bei der Attentäterin soll es sich um die Nichte des Ministers handeln, die sich vor geraumer Zeit der radikalislamischen Miliz al Shabaab angeschlossen hatte, zu der auch Fazul gehörte.

          Fazul Abdullah zählte zu den am meisten gesuchten Personen („Most wanted“) der amerikanischen Bundeskriminalbehörde FBI. Für seine Ergreifung war eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgelobt. Der Komorer war nach Erkenntnissen amerikanischer Dienste verantwortlich für die beiden Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Dar es-Salaam, bei denen 1998 224 Menschen ums Leben kamen.

          Anschlag auf Hotel in Mombasa 2002

          Fazul wird ebenfalls für den Sprengstoffanschlag auf ein überwiegend von israelischen Touristen besuchtes Hotel in der kenianischen Hafenstadt Mombasa verantwortlich gemacht, bei dem im November 2002 15 Menschen starben. Im gleichen Jahr soll Fazul nach Angaben amerikanischer Ermittler mit der Planung und Durchführung aller Al-Qaida-Anschläge in Ostafrika betraut worden sein. Nach dem Anschlag in Mombasa verlor sich seine Spur in Somalia, wo er sich der radikalislamischen Miliz al Shabaab anschloss.

          Seither wurde viel darüber spekuliert, wie hoch Fazul dort in der Hierarchie angesiedelt war, weil sich daraus Rückschlüsse auf den Einfluss von Al Qaida auf die somalischen Extremisten ableiten lassen. Die Umstände seines Todes aber legen nahe, dass Fazul alles andere als ein wichtiger Kommandant war: Der Komorer war in einem Lieferwagen unterwegs, der mit Computern, Medikamenten und Verbandszeug beladen war, als er und der Kenianer Mohammed Dere sich offenbar heillos in Mogadischu verfuhren und auf die „falsche“ Seite der Front gerieten. Kein Kommandant setzt sich einem solchen Risiko für eine simple Botenfahrt aus.

          Fazul wurde am 25. August 1972 als jüngster von sechs Brüdern auf der Komoreninsel Moroni geboren. Mit 16 Jahren schloss er sich dem radikalen Prediger Soidiki M'Bapandza an, der mutmaßlich auch den Kontakt nach Pakistan herstellte, wo sich Fazul ab 1990 in der Al-Qaida-Kaderschmiede „Beïd al-Ansar“ in Peshawar zum Bombenleger ausbilden ließ. 1993 wurde er zum ersten Mal nach Somalia geschickt, um gegen die UN-Mission „Restore Hope“ zu kämpfen, anscheinend mit wenig Erfolg. Ab 1994 unterhielt Fazul wechselnde Wohnsitze in Nairobi, Mogadischu und Khartum, wobei die amerikanischen Dienste davon ausgehen, dass er diese Zeit für die Vorbereitung der Anschläge von 1998 nutzte. Fazul lotste den mit Sprengstoff beladenen Lastwagen wohl persönlich durch den Verkehr von Nairobi zur amerikanischen Botschaft.

          Al Qaida war in Blutdiamanten-Handel involviert

          Inwieweit Fazul in den von Al Qaida lancierten Handel mit Blutdiamanten in Sierra Leone und Liberia zwischen 1999 und 2001 involviert war, ist hingegen strittig. Das Terrornetzwerk hatte damals mehrere Millionen Dollar in den Kauf von Diamanten investiert, um sich der Kontrolle von Banktransfers zu entziehen. Fazul war in dieser Zeit mehrere Male nach Liberia gereist. Als Fazuls Frau 2006 nach Somalia reiste, nahmen die Amerikaner seine Spur wieder auf.

          Am 8. Januar 2007 bombardierten amerikanische Kampfhubschrauber die südsomalische Ortschaft Ras Kamboni, in der Fazul vermutet wurde. Bei dem Angriff kamen zwei Dutzend Menschen ums Leben. Fazul hingegen konnte sich in Richtung der kenianischen Grenze absetzen, wo er zwei Tage später nur knapp einer Patrouille der kenianischen Armee entkam. Im August 2008 wiederum machten kenianische Ermittler ihn in Malindi ausfindig, einem Badeort im Nordosten von Kenia. Wieder konnte Fazul entkommen.

          Bei seiner Erschießung in der vergangenen Woche trug der Komorer nach Angaben der somalischen Polizei einen südafrikanischen Pass bei sich, der auf den Namen Daniel Robertson lautet. Das Dokument war am 13. April 2009 vom südafrikanischen Innenministerium ausgestellt worden. Wie Fazul an diesen Pass gelangte und ob er ihn unter Umständen persönlich in Südafrika beantragt hat, ist bislang unklar. Die südafrikanische Regierung erklärte am Montag, sie sei um Aufklärung bemüht.

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