04.05.2010 · Die Spur vom Times Square führt nach Pakistan. Noch ist unklar, ob dortige Extremisten in den vereitelten Anschlag verwickelt sind. Sie nehmen aber zunehmend das Ausland ins Visier.
Von Jochen BuchsteinerAbermals führen die Spuren eines - diesmal vereitelten - Terroranschlags nach Pakistan. Faisal Shahzad, der im Zusammenhang mit der Autobombe am New Yorker Times Square festgenommen worden ist, wurde vor etwa dreißig Jahren in Karachi geboren, bevor er in die Vereinigten Staaten auswanderte und später die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Wie oft er in den vergangenen Jahren seine alte Heimat besuchte, wird noch ermittelt. Journalisten in Pakistan haben aber schon recherchiert, dass er sich im vergangenen Sommer einen Monat lang in Pakistan aufgehalten hat - wo und zu welchem Zweck ist unbekannt.
Sollte sich bestätigen, dass Faizal Shahzad die Autobombe am belebten Times Square zünden wollte, dürfte rasch die Frage in den Mittelpunkt rücken, ob er als Einzeltäter aktiv wurde, oder mit Unterstützung, womöglich sogar auf Auftrag einer pakistanischen Organisation. Von den zahlreichen pakistanischen Terrorgruppen, die mit dem Anschlagsversuch in Verbindung stehen könnten, sind vor allem zwei im Visier der Fachleute.
Fachleute beobachten eine Annäherung
Die „Lashkar-e-Toiba“ (LeT) gilt als die professionellste Terrorgruppe in Pakistan. Ihr wohl spektakulärster Anschlag war der auf die indische Finanzmetropole Bombay, bei dem vor eineinhalb Jahren mehr als 160 Menschen getötet wurden. In den Jahren zuvor hatte die „Gottesarmee“ schon das Parlament in Delhi angegriffen sowie zahlreiche andere Ziele in Indien. Aber ihr Aktionsradius ist größer. Sicherheitsfachleute meinen zu wissen, dass die LeT im November einen Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Bangladesch verüben wollte. Und der in den Vereinigten Staaten inhaftierte „David Headley“ - wie Shazad ein Amerikaner pakistanischer Abstammung - hatte für die LeT einen Anschlag auf Büros und Mitarbeiter des „Jyllands Posten“ geplant - jener dänischen Zeitung, die mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen bekannt geworden ist.
In den Fokus geraten ist aber auch die „Tehrik-e-Taliban Pakistan“ (TTP), die sich bislang überwiegend mit Anschlägen innerhalb Pakistans einen Namen gemacht hat. Ein Video, in dem sich die TTP des Anschlagsversuchs am Times Square bezichtigte, wurde zwar von Fachleuten und vom pakistanischen Geheimdienst als wenig glaubwürdig eingestuft; gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestritt ein TTP-Sprecher sogar, von einem Bezichtigungsvideo zu wissen. Gleichwohl deutet ein anderes, in seiner Authentizität unbestrittenes Videoband daraufhin, dass die TTP ihre Terroraktivitäten internationalisieren will. Darin drohte TTP-Chef Hakimullah Mehsud Anfang April mit Anschlägen in amerikanischen Städten. Schon kurz nachdem er im vergangenen Sommer das Kommando von seinem bei einem amerikanischen Drohnenangriff getöteten Vorgänger Baitullah Mehsud übernommen hatte, machte er deutlich, dass die Ziele der TTP nicht mit der Machtübernahme in Islamabad enden. Sobald Pakistan ein Kalifat sei, werde es zum Schlag gegen Indien ausholen, verkündete Mehsud.
Fachleute beobachten eine Annäherung der überwiegend paschtunischen TTP und der international ausgerichteten Al Qaida. Ein Indiz dafür wird in einem Video gesehen, in dem sich Hakimullah mit jenem jordanischen Terroristen zeigt, der im vergangenen Dezember sieben CIA-Agenten im afghanischen Khost ermordete. Die Annäherung könnte auch durch die Offensive der pakistanischen Armee begünstigt worden sein. Mit ihren Vorstößen in Südwaziristan, der Hochburg der TTP, zwang sie zahlreiche Extremisten zur Flucht nach Nordwaziristan, wo wiederum Al Qaida Ausbildungslager unterhalten soll.
Pakistan ist nur eine der Brutstätten des kranken Islamismus.
Gerhart Manteuffel (cem_m)
- 04.05.2010, 21:20 Uhr
Der fanatische Islam
Lill-Karin Bryant (kb26919)
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Mirko Lorenz (Knubbelnase)
- 05.05.2010, 11:56 Uhr
Jochen Buchsteiner Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Süd- und Südostasien sowie Australien mit Sitz in Jakarta.
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