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Terroranschlag von Bombay Pakistanische Fragezeichen

Das an Rätseln reiche Terrordrama von Bombay produziert weitere Fragezeichen. Das größte steht hinter der Meldung selbst: Befindet sich Lakhvi, einer der Drahtzieher der Bombay-Angriffe, tatsächlich in den Händen pakistanischer Sicherheitskräfte? Die Regierung in Islamabad schweigt.

© Vergrößern Der pakistanische Terrorist Lakhvi soll festgenommen worden sein

„Nur eine Liste von Namen“ nannte der pakistanische Präsident Zardari das Papier, das seinem Botschafter in Delhi vom indischen Außenministerium überreicht wurde. 20 mutmaßliche Terroristen standen darauf, und Zaki-ur-Rehman Lakhvi, der Indien-Operationschef der pakistanischen Terrorgruppe „Lashkar-e-Toiba“, gehörte sicherlich dazu - auch wenn die Liste nie öffentlich wurde. Keine Beweise lägen gegen die Männer vor, sagte Zardari in der vergangenen Woche. Jetzt soll Lakhvi gefasst worden sein.

Das an Rätseln reiche Terrordrama von Bombay produziert weitere Fragezeichen. Das größte steht hinter der Meldung selbst: Befindet sich Lakhvi tatsächlich in den Händen der Sicherheitskräfte? Bis zum Abend sicherten sich die pakistanischen Medien nur mit anonymen „Quellen“ ab. Obwohl das Fernsehen längst Bilder von Kampfspuren in Muzaffarabad zeigte, wollte die Regierung weder die Operation noch die Verhaftung von Extremisten bestätigten. Die Zeitung „The Dawn“ hatte am Morgen berichtet, dass Soldaten am Sonntag ein Ausbildungslager der Terrorgruppe „Jaamat-ud-Dawa“ gestürmt und 20 Extremisten festgenommen hätten. Nur ein kurzer Schusswechsel habe stattgefunden.

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Kein pakistanisches Phänomen

Warum verschweigt die Regierung in Islamabad, die seit zehn Tagen von Indien, Amerika und anderen Staaten zum Handeln aufgefordert wird, ihren ersten Erfolg? Weil sie Angst vor den Reaktionen ihrer Bürger hat, die die Operation im Zusammenhang mit dem angeblichen 48-Stunden-Ultimatum sehen könnte, das die verhassten Vereinigten Staaten Pakistan gesetzt haben sollen? Weil sie erklären müsste, warum sie das offenbar bekannte Lager nicht früher angriff? Weil sie erst nach einem Verhör entscheiden will, ob sie Lakhvis Verhaftung melden soll?

Die indischen Behörden sollen Lakhvi für einen Drahtzieher hinter den Angriffen auf Bombay halten. Ihr Kronzeuge, der einzige überlebende Terrorist, hatte den aus Indien stammenden Lakhvi während der Verhöre angeblich als einen Ausbilder bezeichnet. Die Rede war aber auch von anderen Personen bis hin zu früheren Geheimdienstoffizieren. Es ist kein pakistanisches Phänomen - auch die Meldungen, die indische Medien mit Berufung auf einheimische „Quellen“ verbreiten, sind oft widersprüchlich oder falsch.

Freude in der Kongresspartei

Nicht nur die Öffentlichkeiten in Indien und Pakistan können sich in der angespannten Lage auf wenig verlassen, selbst die Regierungen handeln zuweilen auf der Basis falscher Informationen. Am Wochenende wurde bekannt, dass sich die Krise zwischen Delhi und Islamabad offenbar durch ein Missverständnis zugespitzt hatte. „The Dawn“ enthüllte, dass die pakistanische Armee wegen eines vermeintlichen Droh-Anrufes des indischen Außenministers Mukherjee in Alarmbereitschaft versetzt wurde.

Mukjerjee hatte aber gar nicht zum Hörer gegriffen, wie dieser versicherte. Der unbekannte Anrufer, der zum pakistanischen Präsidenten Zardari durchgestellt wurde, hatte immerhin mit Militärschlägen der indischen Armee gedroht, sollte Islamabad nicht umgehend die Täter von Bombay zur Rechenschaft ziehen. Real war am Ende nur die Häme, mit der sowohl Mukherjee als auch die pakistanische Öffentlichkeit über Präsident Zardari herfielen, der den Hintergrund des Anrufes nicht hatte prüfen lassen.

Angaben, auf die Verlass ist, kann wohl bislang nur die in Indien regierende Kongresspartei vorweisen. In den ersten Wahlen seit den Angriffen auf Bombay schnitt sie unerwartet gut ab. Zum dritten Mal in Folge gewann sie in Delhi, in Rajasthan und Mizoram löste sie die von der Indischen Volkspartei (BJP) geführten Regierungen ab. Nur in Chhattisgarh und Madhya Pradesh konnte sich laut vorläufigen Ergebnissen die BJP behaupten. So überwältigend war die Freude in der Kongresspartei, dass ein Sprecher öffentlich erwog, die für Mai geplanten Wahlen zum Nationalparlament auf Februar vorzuziehen.

Quelle: F.A.Z.

 
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