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Veröffentlicht: 07.01.2015, 17:37 Uhr

Frankreich in Schockstarre Mitten ins Herz


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Der Antiterrorplan „Vigipirate“ wird im Großraum Paris auf die höchste Stufe (akute Attentatsgefahr) gesetzt, die Patrouillen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, an Bahnhöfen und Flughäfen verstärkt, Kirchen und andere Kultstätten stehen unter erhöhtem Schutz, Schulklassen dürfen keine Ausflüge mehr machen, selbst die Paradewachen vor dem Elysée-Palast werden abgezogen. Alle Presseunternehmen sind aufgerufen, besonders wachsam zu sein.

„Charlie Hebdo“ stand eigentlich schon lange unter besonderem Polizeischutz. Das Magazin erscheint seit 1992, der Name geht auf die Comicfigur Charlie Brown von den „Peanuts“ zurück. 2006 gehörte „Charlie Hebdo“ zu den wenigen Zeitschriften, welche die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Jyllands Posten nachdruckten, erweitert um eigene Karikaturen über Muslime. Der Französische Islamrat (CFCM) strengte damals eine Klage an, vor Gericht erreichte die Redaktion jedoch einen Freispruch. Frühzeitig warnte die Redaktion vor dem Islamismus als weltweite totalitäre Bedrohung.

Die Redakteure, alle von der libertären Tradition der Achtundsechziger-Bewegung geprägt, richteten sich dabei nicht prinzipiell gegen den Islam. Vielmehr sahen sie sich als Anwälte der Laizität, der Trennung von Staat und Religion und verwehrten sich gegen jegliche Einmischungsversuche religiöser Instanzen. Auch über die Würdenträger der Katholischen Kirche ließen sie ihren Spott ergehen, wenn diese dazu Gelegenheiten boten. Aber sie stellten fest, dass die Intoleranz immer häufigen von islamistischen Gruppen ausging.

Drohungen und ein Brandanschlag

Im März 2006 veröffentlichte die Wochenzeitung ein „Manifest der 12“ gegen den Islamismus, das unter anderem Salman Rushdie und Ayaan Hirsi Ali unterzeichneten. Im November 2011 erschien die Zeitung mit einem „Scharia Hebdo“ betitelten Sonderheft zum Wahlerfolg der islamischen Ennahda-Partei in Tunesien an den Kiosken. Kurze Zeit später wurde das Redaktionsgebäude bei einem Brandanschlag schwer beschädigt. Auch der Internetauftritt des Blattes wurde Opfer von Hackern, die ein Mekka-Bild und Koranverse unter die Webanschrift von „Charlie Hebdo“ stellten.

Schon damals sagte Chefredakteur Charb, das er seit Monaten Droh-E-Mails erhalte. Der Anschlag wurde nie aufgeklärt. Im September 2012 machte „Charlie Hebdo“ abermals von sich reden, weil das Blatt neue Mohammed-Karikaturen veröffentlichte. Der jetzt ermordete Chefredakteur Charb verteidigte damals die Entscheidung: „Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn es aber um den Propheten geht, wird es Provokation genannt. Erst darf man nicht Mohammed zeichnen, dann nicht mehr einen radikalen Muslim, und jedes Mal wird es heißen: Das ist eine Provokation für einen Muslim. Ist die Pressefreiheit eine Provokation?“. Zuletzt druckte Charlie Hebdo im Januar 2013 eine Comic-Biographie von Mohammed. Das iranische Mullah-Regime protestierte dagegen und bezeichnete das Heft als „Teil einer zionistischen Islamophobie-Kampagne“.

Attentat offenbar lange geplant

Präsident Hollande hatte am Mittwoch eigentlich die höchsten Repräsentanten der Religionen empfangen wollen, um ihnen seine Neujahrswünsche zu übermitteln. Gewöhnlich geht von diesem Treffen eine Friedensbotschaft aus und der Wunsch, das einvernehmliche Zusammenleben zwischen den sechs Millionen Muslimen, den etwa eine halbe Million Juden und den Christen in Frankreich zu betonen.

Am Mittwoch findet auch die wöchentliche Redaktionssitzung bei Charlie Hebdo statt, zu der alle Zeichner und Redaktionsmitglieder erscheinen. Das deutet darauf hin, dass die Täter den Tag ihres Anschlags langfristig geplant hatten. Eine Augenzeugin, die den Tätern unter Waffengewalt den Eingangscode zum Redaktionsgebäude mitteilte, sagte, die Männer hätten „perfekt Französisch gesprochen“.

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