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Anschlag von Barcelona : Warum wurde Abdelbaki Es Satty nicht abgeschoben?

  • -Aktualisiert am

Ein Mann sitzt in der Moschee in Ripoll, in der Imam Abdelbaki Es Satty gepredigt hatte. Bild: Reuters

Die Ermittlungen der spanischen Polizei konzentrieren sich immer mehr auf den Imam Abdelbaki Es Satty. Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle sollte Spanien schon vor zwei Jahren verlassen – eigentlich.

          Als am frühen Donnerstagabend in Barcelona ein weißer Lieferwagen im Zickzack über die Flaniermeile Las Ramblas fährt, ist Abdelbaki Es Satty schon fast zwei Tage tot. Gestorben bei dem Versuch, aus 120 Gasflaschen und 500 Litern Aceton sowie diversen Nägeln eine Bombe zu bauen. Die Sprengkraft dieser Bombe wäre gewaltig gewesen. Von dem Haus in Alcanar, das Es Satty und seine Mittäter als Bombenwerkstatt nutzten, sind nur noch Ruinen übrig. Der Imam erlebte also nicht mehr, wie die tödliche Saat, die er seinen jungen Gefolgsleuten eingepflanzt hatte, aufging.

          Es Satty gilt den spanischen Behörden als Drahtzieher hinter dem Anschlag in Barcelona. Er soll der Kopf der Terrorzelle gewesen sein, die insgesamt 15 Menschen tötete und über hundert weitere verletzte. Dabei war der Imam den spanischen Behörden längst bekannt. Es Satty trat bereits 2010 wegen Rauschgifthandels eine vierjährige Freiheitsstrafe an. Er war festgenommen worden, weil er zwölf Kilogramm Marihuana von der spanischen Exklave Ceuta nach Spanien geschmuggelt hatte.

          Richter stoppt Abschiebung nach Marokko

          Nachdem er seine Strafe verbüßt hat, soll Es Satty im März 2015 von Spanien nach Marokko abgeschoben werden. Doch ein Richter stoppt die Abschiebung. Die Begründung: Es Satty stelle keine „ausreichend schwere Gefahr für die öffentliche Ordnung“ dar, außerdem sei er um Integration in die spanische Gesellschaft bemüht gewesen – offenbar eine fatale Fehleinschätzung.

          Nach seiner Haftentlassung gründet Es Satty eine Moschee im nordspanischen Ripoll und wird ihr Imam. Kurz darauf gerät er abermals ins Visier der spanischen Ermittler. Sein Name taucht Medienberichten zufolge in einem brisanten Dokument der spanischen Polizei auf. Darin geht es demnach um die Rekrutierung einer Gruppe junger Männer aus der Nähe von Barcelona für die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Die Männer hätten kurz vor der Ausreise in den Irak gestanden, als sie von der spanischen Polizei entdeckt worden seien.

          Die Spur führt ins belgische Vilvoorde.

          Terrornetzwerk Brüssel-Barcelona?

          Im Januar 2016 reist Es Satty nach Belgien und versucht in mehreren Moscheegemeinden in und um Brüssel, eine Stelle als Imam zu bekommen. Doch seine Predigten sind so radikal, dass ihn die belgischen Muslime der Polizei melden. Ob die Sicherheitsdienste diese Information an ihre spanischen Kollegen weitergeleitet haben, ist nicht bekannt. Anfang März 2016 verlässt Es Satty Belgien. Am 22. März explodieren in der Brüsseler Metro und am Flughafen mehrere Bomben. Eine Verbindung zwischen Es Satty und den belgischen Attentätern ist nicht bekannt.

          Zurück in Ripoll schart Es Satty viele junge Männer um sich, aus denen er offenbar später Mitglieder für seine Terrorzelle rekrutiert. Auch Mohamed Houli Chemlal gehört dazu. Gemeinsam mit Es Satty ist er beim Bombenbau in Alcanar an Ort und Stelle. Doch Chemlal überlebt die Explosion, vermutlich weil er sich gerade auf der Terrasse des Hauses aufhält. Vor dem Ermittlungsrichter sagt Chemlal aus, Es Satty hätte sich ebenfalls als Selbstmordattentäter in die Luft sprengen wollen. Ob das wirklich sein Plan war, ist noch unklar.

          In den Ruinen der Bombenwerkstatt fanden die spanischen Sicherheitsbehörden auch Flugtickets, die auf den Namen des Imams ausgestellt waren. Medienberichten zufolge wollte Es Satty noch nach dem Anschlag in Barcelona nach Brüssel fliegen.

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