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Dschihadistenhochburg Melilla : Die Moschee in der Schlucht des Todes

Ein gefährlicher Ort auch für Polizisten: eine Razzia in einem Stadtviertel von Melilla nahe der Grenze zu Marokko Bild: Jesús Blasco de Avellaneda

In der spanischen Exklave Melilla operieren Dschihadisten im Grenzgebiet zwischen Europa und Afrika. Madrid hat die Kontrolle über die Stadt am Mittelmeer verloren.

          Das gelbe Gebäude fällt auf den ersten Blick nicht auf. Es sieht aus wie ein mehrstöckiges Wohn- oder Geschäftshaus. Auf der Straße gegenüber liegt ein kleiner Park. Auf dem Hügel darüber führt ein Gewirr verwinkelter Gassen ins Herz von „La Cañada de Hidum“. So heißt das Viertel am Rand der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla. Von den letzten Häusern sind es nur wenige Minuten zum Grenzzaun. Hinter der dreifachen, mit messerscharfem Nato-Draht gesicherten Barriere beginnt Marokko. Auf beiden Seiten der Landgrenze zwischen Europa und Afrika gleichen sich die würfelförmigen Wohnhäuser, die mit roter oder hellbrauner Farbe gestrichen sind.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Erst nach dem Gebetsruf ist klar, welchem Zweck das gelbe Haus an der Hauptstraße von La Cañada zum Grenzübergang dient: Männer mit wallenden Bärten und bodenlangen Kaftanen eilen durch die Eingangstür. Aber die Salam-Moschee ist kein gewöhnliches Gebetshaus. Die Moschee wurde in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten dschihadistischen Treffpunkte in Spanien. Mehr als ein Dutzend radikaler Islamisten nahm die spanische Polizei in der kleinen Stadt in Nordafrika fest: Alle hatten zeitweise die Moschee aufgesucht, deren arabischer Name auf Deutsch Frieden heißt. In Melilla kam Mohamed Houli Chemlal zur Welt. Der mutmaßliche Bombenbauer gehörte der katalanischen Terrorzelle an.

          In Melilla kennt man das Viertel, in dem die Salam-Moschee steht, auch als „La Cañada de la muerte“, die Schlucht des Todes. Dieser Zusatz erinnert an eine verlustreiche Schlacht in der Gegend während eines Krieges vor 120 Jahren. Doch laut einer Studie ist der Stadtteil mit seinen nur gut 12.000 Einwohnern auch heute noch der zweitgefährlichste in ganz Europa. An erster Stelle steht das Viertel „El Principe“ in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta.

          Jugendarbeitslosigkeit bei 66 Prozent

          In beiden Orten lassen sich wie durch ein Brennglas die Herausforderungen betrachten, denen die muslimisch-marokkanische Minderheit in Spanien gegenübersteht. In keiner spanischen Stadt ist der Bevölkerungsanteil der Muslime so hoch wie in Melilla mit seinen knapp 85.000 Einwohnern: Nach offiziellen Angaben sind es fast 52 Prozent, die zum größten Teil aus Marokko stammen. Wahrscheinlich sind es noch mehr, weil Tausende Marokkaner illegal in der Stadt leben.

          Jesús Ruiz Barranco ist in Melilla geboren. Er kennt die zwölf Quadratkilometer zwischen Grenzzaun und Mittelmeer wie wenige andere. Als Beamter der Policia Nacional war er überall im Einsatz, oft auch im Cañada-Viertel. „Die Kollegen trauen sich dort nur noch mit drei Fahrzeugen rein. Für eine normale Streife ist das viel zu gefährlich“, sagt der Polizist. Auch Feuerwehr und Rettungswagen wagen sich oft nur mit einer Eskorte in die engen Straßen. Es kam vor, dass eine Streife mit einem Notruf gezielt in eine Falle gelockt wurde. Ein Steinhagel empfing die Polizisten. Der Wagen war danach Schrott. Ein Sonderkommando musste die Beamten in Sicherheit bringen.

          Dem spanischen Staat ist die Kontrolle über das Viertel entglitten, dessen Bewohner oft gar nicht richtig Spanisch sprechen. Mit 30 Prozent ist die Arbeitslosigkeit in Melilla fast doppelt so hoch wie im Rest Spaniens. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in der Stadt, in der es praktisch keine Industrie und Tourismus gibt, bei 66 Prozent; das ist noch höher als die gesamtspanische Quote am Höhepunkt der Wirtschaftskrise.

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