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Terror auf dem Sinai Ägyptische Polizei: Ein Attentäter identifiziert

26.07.2005 ·  Die Polizei will einen Selbstmordattentäter von Scharm al Scheich identifiziert haben - es sei ein Ägypter. Pakistaner dagegen sollen, anders als zunächst gemeldet, nicht in die Anschläge verwickelt sein.

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Die ägyptische Polizei will einen der Attentäter von Scharm al Scheich identifiziert haben. Aus Sicherheitskreisen hieß es am Dienstag, der Selbstmordattentäter, der in der Nacht zum Samstag ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor einem Hotel in die Luft gesprengt hatte, sei der Ägypter Jussif Badran.

Der Mann aus der Stadt Al-Arisch im Norden der Sinai-Halbinsel habe Kontakte zu militanten Islamisten gehabt. Durch die Bombenserie am Wochenende waren nach offiziellen Angaben mindestens 64 Menschen getötet worden, darunter etwa 17 Ausländer. Die Identifizierung der zum Teil stark verstümmelten Leichen ist noch nicht abgeschlossen.

„Kein Pakistaner in die Terrorakte verwickelt“

Die ägyptische Regierung distanzierte sich unterdessen am Dienstag von Angaben ihrer Polizei und der Sicherheitskräfte, die zunächst eine Fahndung nach mutmaßlichen Attentätern aus Pakistan ausgeschrieben hatte.

Pakistans Präsident Pervez Musharraf hatte diesen Verdacht mit scharfen Worten zurückgewiesen. In einer in Islamabad veröffentlichten Erklärung bestätigte der ägyptische Botschafter Hussein Haridy der pakistanischen Regierung, daß „kein pakistanischer Bürger in die Terrorakte verwickelt“ sei. Die Regierung in Kairo habe auch niemals Pakistaner bezichtigt, in die Anschläge verwickelt zu sein.

Schußwechsel im Hinterland

Am Montag hatte dagegen die ägyptische Polizei mitgeteilt, sie suche nach mehreren pakistanischen Staatsbürgern, die möglicherweise in Verbindung mit den Anschlägen stünden und vor den Anschlägen am Samstag verschwunden waren. Das Innenministerium verbreitete sogar Fotos von den Männern, die offenbar vor den Anschlägen aus der Umgebung von Scharm al Scheich verschwanden.

Laut Polizei gehörten zwei Pakistaner zu einer Gruppe von Männern, die sich am Montag im Hinterland der Sinai-Halbinsel einen Schußwechsel mit den Sicherheitskräften lieferten. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hatte die Möglichkeit einer solchen Verbindung kategorisch ausgeschlossen.

Eine Verwicklung von Pakistanern in die Anschläge in Ägypten würde Spekulationen schüren, daß hinter den Bombenattentaten ein umfassenderes Terrornetz stecken könnte als zunächst angenommen. Auch die britische Polizei hatte nach den Londoner Selbstmordanschlägen zunächst Spuren nach Pakistan aufgenommen. (Siehe auch: Hintergrund: London, Irak, Ägypten - Globale Offensive der Dschihadisten?)

Musharraf: Mangelnde Kommunikation von Al Qaida

Der ägyptische Botschafter sagte der pakistanischen Nachrichtenagentur APP, Kairo sei „beunruhigt über die Schäden“, welche die Veröffentlichung dieser Informationen im Verhältnis beider Länder anrichten könnten. Musharraf hatte am Dienstag gesagt, Al Qaida sei in seinem Land zu geschwächt, als daß sie die Anschläge von Scharm al Scheich oder London hätte koordinieren können. Die Führungsriege und der Kommunikationsfluß des Terrornetzes seien ausgeschaltet.

Sicherheitskräfte hätten in Pakistan in den vergangenen Monaten 700 Al-Qaida-Kämpfer festgenommen. Das Kommunikationssystem sei inzwischen auf Kurierdienste beschränkt, die Übermittlung von Botschaften dauere mehrere Wochen.

Dritte Gruppe bekennt sich zu Anschlägen

Inzwischen hat sich zu den Anschlägen eine dritte Islamisten-Gruppe bekannt. Die bisher unbekannte „Gruppe der Einmaligkeit und des Dschihad in Ägypten“ teilte in einer am Dienstag im Internet veröffentlichten Erklärung mit, die Attentate seien „eine Rache für unsere Brüder im Irak und in Afghanistan sowie eine Antwort auf den Krieg gegen den Terrorismus“.

Außerdem seien die Anschläge ein Treueeid gegenüber den Al-Qaida-Führern Bin Ladin und Zawahiri, der als Nummer zwei des Terror-Netzes gilt. Zuvor hatte sich im Internet auch eine Gruppierung zu den Anschlägen bekannt, die auch die Urheberschaft der Anschläge im Oktober für sich reklamiert hatte: die Abdullah-Assam-Brigaden in Syrien und Ägypten.

Lauter Bekennerschreiben

Zudem bekannte sich die bislang unbekannte Gruppe Heilige Krieger Ägyptens zu den Attentaten. Letztere warnten in einer am Montag auf einer Internetseite entdeckten Botschaft vor weiteren Anschlägen und einem „totalen Krieg“, sollten „Juden und Christen unser Land nicht innerhalb von 60 Tagen verlassen“. Diese Bekennerschreiben lassen jedoch keine gesicherten Schlüsse auf eine Verbindung zu den Tätern zu.

Bis Montag richtete sich der Verdacht vor allem gegen eine Gruppe auf der Sinai-Halbinsel, die dort bereits im vergangenen Oktober Anschläge verübt haben soll. Die ägyptische Regierung entließ derweil die Sicherheitschefs der beiden Provinzen im Norden und Süden Sinais.

Die ägyptische Polizei hat bei ihrer Fahndung nach Helfern und Drahtzieher der Bombenanschläge schon 180 Verdächtige festgenommen. Aus Sicherheitskreisen verlautete am Dienstag, allein bei Razzien am Montag seien in Dörfern auf der Sinai-Halbinsel rund 100 Beduinen abgeführt worden.

Widersprüche bei Opferangaben

Die ägyptischen Ermittler gingen unter anderem auch der Frage nach, ob es eine Verbindung zwischen den Anschlägen am Samstag und denen vom 7. Oktober auf den am Roten Meer gelegenen Touristenort Taba und Umgebung mit 34 Todesopfern gab. Familienangehörige von Verdächtigen mussten sich DNA-Tests unterziehen. Die Proben wurden mit Spuren möglicher Selbstmordattentäter in Scharm el Scheich verglichen.
Die Angaben über die Zahl der Todesopfer blieben am Dienstag weiter widersprüchlich. Während das ägyptische Gesundheitsministerium von 64 Toten sprach, nannten die Krankenhäuser die Zahl von 88 Todesopfern. Unter den Toten befanden sich auch mehrere Touristen. Das Auswärtige Amt in Berlin geht nicht davon aus, dass Deutsche darunter sind.

Der Gouverneur von Süd-Sinai, Mustafa Afifi, sagte, bei den bisher 46 identifizierten Opfern handele es sich um 39 Ägypter und sieben Ausländer, darunter einen Amerikaner, einen Briten, zwei Italiener, einen Tschechen und zwei Türken. Unter den noch nicht identifizierten Opfern seien zudem drei weitere Männer und drei Frauen mit ausländischem Aussehen.

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