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Veröffentlicht: 23.08.2015, 23:04 Uhr

Flüchtlingsstrom Tausende auf „Balkan-Route“ unterwegs

Tausende Flüchtlinge sind binnen 24 Stunden im Norden von Mazedonien angekommen, um die Grenze nach Serbien zu überqueren. Doch spätestens an der Grenze zu Ungarn könnte die Reise zu Ende sein.

© dpa Vor allem syrische Flüchtlinge wählen die Balkan-Route von der Türkei über Griechenland, Mazedonien und Serbien nach Ungarn, dem Tor zur Europäischen Union.

Nach der Wiederöffnung der griechisch-mazedonischen Grenze sind tausende Flüchtlinge auf dem Weg durch Serbien, um die Europäische Union zu erreichen. Angesichts des massiven Andrangs und der eskalierenden Situation öffnete Mazedonien am Samstagabend seine seit drei Tagen geschlossene Grenze und ließ die davor ausharrenden Flüchtlinge durch. Im Mittelmeer wurden derweil beim größten Einsatz seit Jahren rund 4400 Flüchtlinge aus Seenot gerettet.

Die mazedonischen Grenzbeamten hatten am Samstagabend die seit Donnerstag geschlossene Grenze wieder geöffnet, nachdem zuvor in dramatischen Szenen hunderte Flüchtlinge trotz des Einsatzes von Schlagstöcken und Blendgranaten die Grenzabsperrungen durchbrochen hatten. Ein mazedonischer Innenministeriumssprecher sagte, die Polizei wolle keine Gewalt gegen die Flüchtlinge anwenden, werde die Grenze aber weiter kontrollieren.

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Den „Kapazitäten entsprechend“ würden in den kommenden Tagen weitere Flüchtlinge ins Land gelassen, erklärte der Ministeriumssprecher. Zunächst müssten aber die Migranten den Bahnhof von Gevgelija in Richtung Serbien verlassen, sonst drohe eine „humanitäre Krise“ in der Grenzstadt. Aus Polizeikreisen verlautete am Sonntag, die Behörden hätten seit Samstag 4000 Migranten Dokumente ausgestellt, die ihnen die Weiterreise nach Serbien erlauben.

„Ich will in Sicherheit wie ein Mensch leben“

Am Sonntag überquerten rund 500 weitere Flüchtlinge die Grenze nach Gevgelija, während in dem Niemandsland an der Grenze noch 400 Menschen auf die Erlaubnis zur Einreise nach Mazedonien warteten. Die Grenze bei Gevgelija war drei Tagen lang abgeriegelt gewesen.

Der Andrang an der Grenze hatte sich verstärkt, nachdem Griechenland in der vergangenen Woche hunderte Flüchtlinge von den Ägäis-Inseln nahe der türkischen Küste in die Hafenstadt Thessaloniki gebracht und in Busse Richtung der Grenze zu Mazedonien gesetzt hatte. Von Mazedonien versuchen die Flüchtlinge durch Serbien und das EU-Mitglied Ungarn weiter nach Mittel- und Nordeuropa zu gelangen, wo sie sich bessere Lebenschancen ausrechnen.

„Ich will nach Deutschland zum Arbeiten. Ich will in Sicherheit wie ein Mensch leben. Deshalb habe ich entschieden, nach Europa zu kommen“, sagte der Iraker Rostom Mohammed, der mit seiner Frau und ihren drei Kindern an der mazedonischen Grenze wartete. Sie hätten für 4000 Euro mit einem Boot von der Türkei nach Griechenland übergesetzt, sagte Mohammed. Auf der Fahrt seien drei Menschen gestorben.

4400 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet

Allein am Sonntag trafen laut UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR in Genf mehr als 7000 Flüchtlinge von Mazedonien kommend im Süden Serbiens ein, wo sie in dem Dorf Miratovci in Empfang genommen wurden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk errichtete acht große Zelte, um die erschöpften Ankömmlinge medizinisch zu versorgen und ihnen Schutz vor dem kalten Wetter zu bieten. „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet, um sie zu empfangen. Der Strom der Flüchtlinge reißt nicht ab“, sagte ein Rot-Kreuz-Vertreter. Das UNHCR forderte die mazedonischen Behörden auf, mehr Personal an den Grenzübergängen einzusetzen, um Empfang und Weiterreise der Flüchtlinge besser organisieren zu können. Die UN-Organisation erklärte sich zugleich zur Unterstützung bereit.

Von Miratovci wurden die Flüchtlinge in die nahegelegene Stadt Presevo gefahren, wo sie Dokumente für die Weiterreise in den Norden Serbiens erhalten, von wo aus sie in das EU-Mitglied Ungarn gelangen können. Ungarn errichtet derzeit allerdings einen vier Meter hohen Zaun entlang der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien, um die Flüchtlinge zu stoppen. Internationale Menschenrechtsorganisationen warnten, Zehntausende Migranten könnten wegen der ungarischen Flüchtlingspolitik unter prekären Bedingungen in Serbien und Mazedonien stranden. Die Stacheldrahtanlage soll bis Ende des Monats fertig sein und durch einen drei Meter hohen Maschendrahtzaun bis Ende November ergänzt werden. Ungarn ist für Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Afrika vor allem eine Durchgangsstation vor der Weiterreise in den Norden.

© dpa, afp Flüchtlinge durchbrechen Grenze nach Mazedonien

Derweil wurden allein am Samstag bei einer Reihe von Rettungseinsätzen im Mittelmeer rund 4400 Menschen aus Seenot gerettet, wie die italienische Küstenwache mitteilte. Dies war die höchste Zahl seit Jahren. Die Küstenwache erhielt 22 Notrufe von Flüchtlingsschiffen auf der Überfahrt aus Nordafrika. Schiffe der Küstenwache, der Marine und des Zolls sowie irische und norwegische Kriegsschiffe seien an dem Rettungseinsatz beteiligt gewesen.

Infografik / Karte / Über den Balkan nach Europa © dpa Vergrößern

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